Kinderbuchhelden: Warum die Sams-Wunschmaschine funktioniert und mit wem Meister Eder wirklich gesprochen hat

(Werbung) „Na, hast du auch einen Wunsch?“, fragte der Museumswärter Mini gleich am Anfang der Sams-Ausstellung. Natürlich hatte sie einen. Mama durfte den wissen, sie musste ihn ja schließlich aufschreiben. Ansonsten war er streng geheim. Das muss bei Wünschen so sein, damit sie in Erfüllung gehen. Wie bei Sternschnuppenwünschen auch.

Der Museumsmitarbeiter warf den Zettel mit dem Wunsch in die Sams-Wunschmaschine …

Nichts tat sich. „Hach je, sag bloß, wir haben vergessen, eine Briefmarke draufzukleben?“, seufzte er, klebte eine imaginäre Briefmarke auf den in der Maschine feststeckenden Zettel – und zack, meldete sich die Wunschmaschine zu Wort: „Wunsch ist eingegangen und wird bearbeitet!“ Mini staunte. Und schon ging es weiter.

Sams Maschine
Noch eine abenteuerliche Maschine aus dem Sams (insgesamt gab es 3)

„Da, habt ihr das schon gesehen?“, fragte der Wärter – und zog die Kinder mit in Pippi Langstrumpfs Reich. Kurz darauf wurden alle nacheinander gewaschen – mit Pippis ganz spezieller Waschschüssel. (Side-Note: Warum macht mir das Programm aus P, E und Z immer einen Fisch? Oder sehe nur ich das so? Ob da ein Buchstabenkobold am Werk ist?)

„Ach, und hier, habt ihr schon gesehen? Ein Buch verändert sich, wenn man es liest. Glaubt ihr nicht? Probiert es doch einfach mal aus!“ Schon waren die Kinder dabei, dem Bösewicht Capricorn aus Cornelia Funkes Tintenherz ein neues Aussehen zu verleihen: Kaum wurde auf dem Computer der Bart verändert, veränderte er sich auch auf der Abbildung im überdimensionalen Buch hinter den Kindern.

Museumsbesuch: Neue Freunde finden

Mini und Maxi waren übrigens schon nicht mehr alleine unterwegs, sondern hatten neben dem Museumswärter noch eine weitere Freundschaft geschlossen: Mit Lina, einem größeren Mädchen, das uns fragte, ob wir die Ausstellung nicht gemeinsam besuchen wollten, schließlich hatten wir auch schon gemeinsam den Geburtstagstisch für das Sams gedeckt.

Und schon ging es munter weiter. Da wurde mit Emma, der Eisenbahn von Lukas, dem Lokomotivführer, aus Jim Knopf gefahren, gemeinsam mit dem kleinen Wassermann hinter den Fischen hergeflitzt. Und die Kids probierten aus, wie es sich anfühlt, in einem Vampirsarg zu liegen wie Rüdiger, „Der kleine Vampir“.

Immer wieder durften sie zwischendrin Rätsel machen, sich verkleiden oder auch malen.

Kinderbuchheld Grüffelo mit Grüffelokind
Darf bei den Kinderbuchhelden nicht fehlen: Der Grüffelo mit Grüffelokind

Die Menschen im Museum: Mehr als nett

Am Ende der Ausstellung machten wir einen Abstecher ins Museumsrestaurant. Dort wurden die Kinder mit Muffins, Croissants und Brezeln beschenkt, weil all das wohl noch von einer anderen Feier übrig war. Was für eine tolle Überraschung.

„Oh, vielen Dank, das ist voll nett“, sagte ich in gewohnt umgangssprachlicher Manier zum Inhaber. Kurz darauf flüsterte mir Maxi zu: „Der ist nicht voll nett, der ist übernett!“ Genau wie der Museumswärter, der beste Kinder-Animateur der Welt.

Am Schluss gabs noch einen Stop im Museumsladen, wo sich sowohl die Mama als auch die Mädels ein paar Erinnerungsstücke an ihre Kinderbuchhelden aussuchen durften.

Ach, apropos Kinderbuchhelden: Am Schluss der Ausstellung wurden die Kinder gebeten, ihren Lieblingskinderbuchhelden auf einen Zettel zu schreiben. Bei vielen stand das Sams, der kleine Vampir – oder Pippi. Das hat Mini wohl an etwas erinnert: Ich musste ihr „Der kleine Milchvampir“ diktieren. Natürlich, der größte Held ist für ein Kind sicher der, der nur dank ihm das Licht der Welt erblickt hat.

Das Sams bittet die Kinder, ihre Kinderbuchhelden zu nennen
Den Lieblingskinderbuchhelden wählen. Für meine Mini eine ganz schnelle Entscheidung

So war es übrigens auch bei Astrid Lindgren: Ihre Tochter schuf die Figur der Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgren hauchte ihr Leben ein.

Warum alle Kinderbuchautoren die Sams-Ausstellung besuchen sollten

„Das Sams und die Helden der Kinderliteratur“ ist eine Ausstellung, die der ganzen Familie Spaß macht. Und die ich auch überaus tröstlich finde für alle Autoren, die davon träumen, vom Schreiben leben zu können. Diejenigen Schöpfer der Kinderbuchhelden, die wirklich jeder kennt, waren alle über 35, als sie bekannt wurden.

Ich denke mir auch manchmal: Mensch, ich weiß doch, was meine Berufung ist – und ich weiß auch, dass ich das erreichen werde, was ich erreichen will, aber müsste ich nicht schon längst viel weiter sein? „Nein, Sandra“, flüsterte die Ausstellung mir zu. „Arbeite du mal weiter an deiner Ungeduld und orientier dich an Astrid Lindgren, Michael Ende und all deinen anderen Vorbildern, dann wird das schon. Alles zu seiner Zeit.“ Und seither bin ich sowas von ruhig und entspannt. Sich treiben lassen – und das genießen, was ist, das ist genau das, woran mich die Sams-Ausstellung erinnert hat.

Dafür ein herzliches Dankeschön! 🙂

Steiff-Puppe vom Sams und Kinderbücher vom Sams
Das Sams in verschiedenen Sprachen. Und als Puppe: ein Kinderbuchheld erobert die Welt

Und das Ganze noch mal offiziell: Mein 1. Instawalk

Später am selben Tag war ich gleich noch mal beim Sams. Aus offiziellem Anlass, nämlich zum ersten Instawalk des Historischen Museums der Pfalz Speyer. Was ein Instawalk ist? Das heißt einfach, dass einige Instagrammer zusammen irgendwo hinlaufen. In dem Fall eben durchs Museum. Falls ihr mal die Gelegenheit habt, so etwas mitzumachen, nutzt sie. Warum?

5 Gründe, warum ich sofort Fan von Instawalks worden bin

Expertise

Ihr habt immer Menschen dabei, die euch etwas beibringen können. Zwar bin ich inzwischen routiniert, was Insta-Lives angeht – und Bilder mit passenden Hashtags einstellen, das kann ich auch. Aber das mit den Storys hatte ich immer noch nicht ganz kapiert. Zum Glück waren da Sonja von Sonja schreibt und Martina von Jolinas Welt, die mir wunderbar Nachhilfe gegeben haben.

Netzwerken

Beim Museumstag wurde deutlich, wie sehr der Erfolg eines solchen Events doch von den involvierten Menschen abhängt. Es hat wirklich alles gepasst: Der nette Restaurantbesitzer vom Nachmittag war auch abends für die Häppchen zuständig, der unterhaltsame Museumswärter genoss seinen wohlverdienten Feierabend, aber dafür wurde er würdig vom seinem Chef – und vom Sams höchstpersönlich – vertreten.

Abgesehen davon: Egal, wo man ist, man lernt immer nette Menschen kennen, wenn man offen ist. Ich freue mich über jeden neuen Kontakt und über jede entdeckte Gemeinsamkeit.

Neben den beiden erwähnten hab ich mich über ein Wiedersehen mit Mama Bea gefreut. Und darüber, Dagmar vom Buchkind-Blog endlich mal live zu sehen. Auch über Susanne Beck von Familienbücherei war ich vorher schon online gestolpert. Stefanie Zehfuß ist bei Instagram die fleißigste Posterin. Wer war sonst noch dabei, wen hab ich vergessen?

Das Sams liest im Grüffelo
Wenn Kinderbuchhelden aus dem Buch springen – und selber Bücher lesen: Das Sams und der Grüffelo

Insider-Wissen

Dr. Alexander Schubert, der Museumsdirektor, hat den Instawalk gemeinsam mit Sabrina Albers und Susanne Schilz geführt und dabei immer wieder spannende Geschichten erzählt, die die Führung aufgewertet haben. Wusstet ihr zum Beispiel, dass das Sams in der türkischen Ausgabe keine Schweinenase hat? Da haben die Übersetzer mitgedacht und Wert gelegt auf interkulturelle Adaption (da freut sich mein Übersetzer-Herz): Das in der Türkei als unrein geltende Schwein musste raus – allein die Nase wäre unangebracht gewesen. Deshalb hat das Sams in der türkischen Ausgabe eine andere Nase.

Auf meiner Instagram-Seite erzählt Herr Dr. Schubert etwas darüber, wie Otfried Preußler durch seine Idee, aus „bösen“ Figuren wie Hexen „gute“ zu machen, die Kinderliteratur revolutioniert hat, zusätzlich findet ihr dort das Sams, das die Wunschmaschine ausprobiert und mir den Kopf wäscht. Einfach mal kurz rüberhüpfen.

Auch eine Gemeinsamkeit mit Cornelia Funke hat mich Herr Schubert entdecken lassen. Cornelia Funke verzichtet nämlich auch sehr gerne auf detaillierte Personenbeschreibungen und überlässt es lieber der Fantasie der Leser(innen), sich die Charaktere vorzustellen.

Übrigens: Wisst ihr, mit wem Gustl Bayrhammer wirklich gesprochen hat in den Momenten, in denen später im Film der Pumuckl zu sehen war? Mit dieser Puppe hier:

Puppe Pumuckl
Puppen-Dummy: Das ist der Pumuckl, den Meister Eder am Drehort wirklich gesehen hat

Auch einen weiteren Original-Pumuckl durften wir bestaunen, nämlich den, den Ellis Kaut selbst gebastelt hat:

Pumuckl Puppe Original
Kreaitve Autorin: Ellis Kaut hat den Pumuckl selbst sichtbar gemacht

Spaß

Die Veranstaltung wurde von einer richtig guten Energie getragen. Überall Gelächter und immer wieder Bloggerinnen, die jeden Quatsch mitmachten. So z. B. hier Sonja beim Probeliegen in Rüdigers Sarg. („Nur mal kurz den Deckel zumachen …“, kennt ihr den Sketch von Helge Schneider übers Sarg-Probeliegen?)

Sarg mit Bloggerin beim Probeliegen
Sonja von Sonja Schreibt im Sarg des Kleinen Vampirs

Fantasie

Ist es nicht wunderbar  zu sehen, wie Träume wahr werden? Da hat jemand eine Idee. Daraus wird ein Buch mit einem tollen Kinderbuchhelden. Aus dem Buch wird ein Film und aus den Filmrequisiten wird eine Ausstellung (die sich übrigens Paul Maar in der Form zu seinem 80. Geburtstag gewünscht hatte). Beim Bestaunen dieser Requisiten entstehen neue Träume, die bei den Kindern von morgen zu Ideen werden, die, sobald sie geschlüpft sind, unsere Welt zum Leuchten bringen. Und so schließt sich der ewige Kreis. (Gerade gestern hab ich im Insta-Live drüber gesprochen. Verpasst? Nicht schlimm. Du findest die Folge über Ideen auch im Podcast.)

Ich weiß nicht, wie es den anderen ging, aber meine Fantasie wurde durch die Sams-Ausstellung beflügelt. Die ganze Nacht habe ich von Kinderbuchhelden geträumt. Übrigens sogar so intensiv, dass ich vor lauter Träumerei verschlafen habe. Ich, die sonst immer zwischen 2 und 5 Uhr morgens aufsteht und die heute hätte um 4 Uhr darüber interviewt werden sollen, weshalb Frühaufstehen supercool ist. Da hat das Sams wohl meinen Wunsch erfüllen wollen. Nämlich den, nach einem so aufregenden Tag auch ausreichend Erholungsschlaf zu bekommen.

Und was war mit Mini und ihrem Wunsch? Mini istjetzt überzeugt davon, dass die Wunschmaschine funktioniert. Muffins, Brezeln, Croissants, eine Grüffelotasse und ein Grüffelo-Notizbuch, ebenso ein paar Hör-CDs von Paul Maar, all das hat sie überraschenderweise geschenkt bekommen. Genau, wie sie es sich gewünscht hatte.

Was lernen wir daraus? Ein Museumsbesuch macht Kinderträume wahr, darum: Lasst euch diese Ausstellung nicht entgehen. Viel Spaß – und herzlichen Dank ans Historische Museum Pfalz Speyer für die Einladung. Sehr gerne wieder!

Sams an der Geburtstagstafel
Das Sams wartet auf Geburtstagsgäste

Und hier noch mal zusammengefasst, wen ihr alles bestaunen könnt:

  • Das Sams von Paul Maar
  • Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren
  • Tintenherz von Cornelia Funke
  • Pünktchen und Anton von Erich Kästner
  • Jim Knopf von Michael Ende
  • Die kleine Hexe, das kleine Gespenst und der kleine Wassermann von Otfried Preußler
  • Der kleine Ritter Trenk von Kirsten Boie (das Mittelalter-Quiz, in dem man die Herkunft uralter Redewendungen erraten musste, war eins meiner Highlights)
  • Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt von Boy Lornsen
  • Der Grüffelo von Julia Donaldson
  • Der kleine Vampir von Angela Sommer-Bodenburg
  • Die Olchis von Erhard Dietl
  • Meister Eder und sein Pumuckl von Ellis Kaut

Ihr wollt das Ganze noch mal aus einer anderen Perspektive hören und mehr Bilder sehen? Dann schaut doch mal bei Martina von Jolinas Welt oder Sonja von Sonja schreibt vorbei. 🙂

Sonja war übrigens auch die Haupt-Entertainerin in der Kurzdoku, die die ARD über unseren Instawalk gedreht hat. Hier könnt ihr uns als Bloggerinnen und Instagram-Expertinnen im Gespräch mit Jonas Keinert vom ARD-Mittagsmagazin sehen (Sendung vom 28.9.18 mit dem Titel Museumsbesuch mit Instagram).

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#samsausstellungspeyer #hmpspeyer #instawalk

2 thoughts on “Kinderbuchhelden: Warum die Sams-Wunschmaschine funktioniert und mit wem Meister Eder wirklich gesprochen hat

  1. Antworten
    Martina von Jolinas Welt - 27. September 2018

    Wundervoll, genau so ist und war es im Museum.
    Da ist nichts mehr mit verstaubt und langweilig, so wie Museen früher waren, in Speyer schlägt das Herz von Menschen, die dafür brennen was sie tun und deshalb gehe ich seit Jahren so gerne immer wieder hin. Wenn ich dann so liebe Menschen wieder treffe wie gestern ist es noch besser

  2. Antworten
    Miri - 27. September 2018

    Das hört sich sooo toll an! Es ist leider doch ein bisschen zu weit weg von uns… Im übrigen habe ich tatsächlich auch immer im Kopf, wie alt Astrid Lindgren bei ihrem ersten Buch war – die Karriere kann also noch durchstarten 😉

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