Radurlaub mit Kindern: Vom Schwäbischen Dagobert, Massentierhaltung und gefräßigen Dieben

Dieses Jahr: Der Kocher-Jagst-Radweg. 333 km durch Schwaben

(Werbung, unbezahlt)   Bereits zum dritten Mal haben wir uns im Sommer auf die Räder geschwungen. Wir lieben das Minimalistische an Radurlauben: Es wird so gut wie nichts mitgenommen. Was aber auch okay ist, schließlich ist man jeden Tag woanders, findet neue Spielplätze, Spielkameraden und in der Natur auch endlos viele Spielzeuge. Jedes Mal kommen wir mit einer riesigen Sammlung an Schätzen zurück: Muscheln, Steine, Schilfrohre, Blumen, Gräser, Tannenzapfen, Sandansammlungen und vieles mehr finde manchmal noch Monate später in irgendwelchen Geheimverstecken.

Bei der Huffington Post hab ich schon mal 7 Gründe für einen Radurlaub mit Kindern gesammelt. Diesmal möchte ich euch mitnehmen zu Panikmomenten ebenso wie den Highlights eines Fahrradurlaubs. Am Beispiel des Kocher-Jagst-Radweges. Denn man muss immer mit allem rechnen. Nichts ist vorhersehbar. Da heißt es improvisieren und flexibel bleiben. Bereit? Los gehts!

Sonnenuntergang auf Kornfeld
Immer wieder schön: Die Sonnenuntergänge mitten in der Natur. Hier in der Nähe von Neckarsulm

Die Deutsche Bahn: Freud und Leid zugleich

Als Kind liebte ich Bahnfahrten, denn mein bester Freund bei Ausflügen war ein pensionierter Lokführer. Wenn ich mit ihm fuhr, durfte ich dank seiner Kontakte immer mal selbst den Zug „steuern“.

Leider ließ mit den Jahren die Freude nach: Bahnfahren bedeutet für mich Stress. Und zu viel Nähe zu Menschen in überfüllten Zügen. Technische Defekte inklusive.

Es ging schon los bei der Hinfahrt: Aufzug kaputt. Zum Glück gab es ein paar starke Jungs, die uns halfen, die 2 Räder, den Hundehänger und das Kinderfahrrad zum Gleis zu tragen. Bei unserer Rückkehr 17 Tage später war der Aufzug übrigens noch immer kaputt. Und dann wundern sich die Leute über Aversionen, so wie ich sie habe.

Gleichzeitig ist mir mal wieder aufgefallen, wie viel einzelne Menschen gegen Bahnfahrtgrummler wie mich tun können. Da war dieser eine Kontrolleur, der dem ganzen Abteil einen Vampirwitz erzählte. Vampire? Cooooool. Das saß. Auf einmal sprachen die Kinder ganz anders vom Bahnfahren als vorher. Also, liebe Deutsche Bahn: Wenn schon technische Defekte und ausfallende Züge, dann wenigstens nette Leute schicken zur Aufmunterung.

Wer solche Erfahrungen vermeiden möchte, der sollte besser von zu Hause loszufahren. Vielleicht habt ihr das Glück, einen Radweg vor der Tür zu haben, der euch direkt zu einem der liebsten Urlaubs-Radwege bringt.

Tandem für Kinder und Erwachsene und E-Bike mit Radanhänger
So sieht Minimalismus aus: Unsere Ausrüstung im Radurlaub: ein auseinanderbaubares Tandem und ein E-Bike mit Hunde-Anhänger

Campingplätze: Von wunderbar über Horror pur

Wer mit Rad, Kindern und Hund unterwegs ist, braucht auf jeden Fall ein Zelt, denn nicht an jedem Inhouse-Übernachtungsort ist diese Kombi willkommen.

Auf dem Kocher-Jagst-Radweg gab es einige Campingplätze, die herausstachen:

Heilbronner Campingclub Olnhausen

Ein Mini-Campingplatz, wo man überwiegend Dauergäste findet. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen und gleich auf den tollen Kinderspielplatz (mit Seilbahn) direkt gegenüber verwiesen. Der Campingplatz liegt übrigens auf einer Insel und hat eine schöne Badestelle direkt an der Jagst (allerdings ist der Fluss da ziemlich breit und die Strömung stark, elterliche Aufsicht ist ja immer unerlässlich, aber dort ganz besonders).

Jugendzeltplatz Schimbach bei Langenburg

Ausblick auf die Jagst vom Jugendzeltplatz Schimbach aus
Landschaftlich wunderschön und weg vom Schuss: der Jugendzeltplatz Schimbach

Der Zeltplatz ist mitten im Wald gelegen. Man muss die Übernachtung bei der Stadt Langenburg anmelden (Nummer gibts vor Ort) und kann dann dort die Ruhe und Idylle genießen. Einmal am Tag wird das megasaubere Toilettenhäuschen geputzt. Ich war echt erstaunt, dass es da mitten im Nichts sogar Seife und Papiertücher gibt. Eine Dusche hats dort nicht, aber notfalls tuts auch mal eine Katzenwäsche mit kaltem Wasser. Wir hatten den Zeltplatz übrigens komplett für uns allein. Er liegt so abgelegen, dass viele wohl einfach vorbeifahren, was uns vielleicht auch passiert wäre, wenn nicht gerade eine Schulklasse beim Tagesausflug ordentlich Krach gemacht hätte. 😉

Naturcamping Braunsbach

Dieser Campingplatz hat nicht nur deshalb eine Erwähnung verdient, weil die Inhaber dort unfassbar nett, freundlich und hilfsbereit waren, sondern auch, weil dort an die Tiere gedacht wird: Es gab eine Wassertonne, aus der ein Stock ragte. Auf mein Nachfragen wurde mir bestätigt, dass das die „Leiter“ für beim Trinken abgestürzte Insekten, aber auch größere Tiere wie Mäuse, Katzen oder Waschbären ist. Sehr sympathisch.

Rezeption Campingplatz Braunsbach mit tierfreundlicher Wassertonne
Beweisfoto für die Tier- und Kinderfreundlichkeit im Naturcamping Braunsbach

Was alles passieren kann: Schockmomente im Fahrradurlaub

Nach all den schönen Erlebnissen der Horror: die Camping-Begegnung des Grauens

Seltsam dreinblickender Strauß
Say whaaaaat? Manchmal erlebt man Dinge, die lassen einen genau so dreinblicken

Es gibt da noch einen ganz anderen Campingplatz. The Campingplatz which must not be named. Ehrlich, ich habe lange überlegt, ob ich etwas drüber schreibe. Die Locals haben es sich gewünscht, weil sie meinen, der Inhaber habe eine Lektion verdient. Ich glaube aber nicht, dass das der richtige Weg ist. Ich glaube nicht, dass es etwas ändern würde. Lasst mich das Ganze einfach als Geschichte erzählen:

Stellt euch vor, ihr seid einen ganzen Tag bei knallender Hitze auf dem Fahrrad unterwegs gewesen. Aufgrund der schlechten Infrastruktur beträgt der Abstand von eurem gestrigen bis zum nächsten Campingplatz über 50 km. Aber ihr spornt euch gegenseitig an, schließlich habt ihr dort zu Beginn eurer Tour eine richtig schöne Zeit gehabt.

Abends um kurz nach 21 Uhr kommt ihr völlig platt und mit extrem müden Kindern am sehnlichst erwarteten Campingplatz an, doch alles ist dicht, total verrammelt. Aber hey, welch ein Glück, hinter den geschlossenen Läden der Rezeption brennt noch (bzw. schon) Licht.

Ihr lunzt rein und seht einen Mann vor einem Berg Münzen sitzen. Euch schießt ein Comic-Bild durch den Kopf. Die Ähnlichkeit zu Dagobert ist unverkennbar. Ihr klopft an die Scheibe. Dagobert schaut euch hasserfüllt an und raunzt: „Ich hab Feierabend – und mir ist es scheißegal, wo Sie unterkommen!“

Ich bin eigentlich nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen, aber in dem Fall konnte ich nicht anders als zurückzuschießen. Zumal der Mann nicht aufhörte, uns Gemeinheiten an den Kopf zu schmeißen.

Ein netter Campinggast, der das Ganze am Rande mitbekommen hatte, sagte uns, wir sollten den Vorfall nicht so ernst nehmen – der Typ sei immer so. Da ist man doch echt gerne Gast. Öhm. Nicht …

Ein hilfsbereiter Radfahrer nannte uns eine Stelle in der Nähe, wo wir zelten konnten. Als ich am nächsten Morgen aus dem Zelt kam, begrüßte mich ein Mann mit den Worten: „Na, hatter Se net reiglasse, der alte Schlawiner?“

Egal, welchem Local wir auf unserer Reise von unserer Erfahrung erzählten, niemand wunderte sich. Dieser Typ ist in der Gegend bekannt dafür, dass er mit Vorliebe seine Gäste schikaniert. Ich las im Nachhinein die Google-Rezensionen, staunte – und nahm mir vor, in Zukunft IMMER vorab die Rezis zu lesen.

Lange habe ich mich gefragt, warum ich ausgerechnet mit so jemandem aneinandergeraten musste, schließlich glaube ich daran, dass jede Begegnung, egal ob schön oder furchtbar, uns etwas aufzeigen, uns in irgendeiner Weise weiterbringen möchte. Und tatsächlich kann ich mir das Ganze inzwischen erklären. Es zeigte mir einerseits, wie locker ich mit dem „Rausschmiss“ umgehen konnte. Bei unserem ersten Zelturlaub wäre ich wahrscheinlich vor lauter Verzweiflung durchgedreht. So dachte ich einfach nur: Armer, armer Mensch. Und: Es wird sich was Besseres auftun.

Tatsächlich: Wir wurden wunderbar unterhalten und verpflegt von den lieben Menschen, die „auf unserer Wiese“ ein Fest vorbereiteten.

Außerdem soll ich mich wohl mal mit dem Thema Wut beschäftigen. Man kann angemessen mit Wut umgehen, sodass sie heilsam ist. Oder eben nicht. So wie der Typ, bei dem ich mich bedanke für das abschreckende Beispiel dafür. Jetzt weiß ich, wie ich niemals mit meiner Wut umgehen möchte. Irgendwann schreib ich da vielleicht noch mal was drüber.

Kornfeld mit Dorf im Hintergrund in Schwaben
Irgendwo auf der Route: Total idyllisch.

Weitere schräge Momente

Das mit dem Campingplatzbesitzer war mit Abstand der skurrilste Moment der ganzen Reise. Aber es gab noch mehr Erwähnenswertes:

Begegnung mit außergewöhnlichen Dieben

Wir frühstückten fröhlich vor dem Zelt auf der Wiese eines Ferienhofes bei Krautheim, als plötzlich zwei Pferde um die Ecke bogen und begannen, alles anzuknabbern, was sie zwischen die Mäuler bekamen, egal, ob Isomatte oder Kuchengabel.

Amüsiert begann ich mit der Verteidigung unserer Besitztümer, während der Großteil meiner Familie in die hintersten Ecken flüchtete. Bei der Flucht wurde allerdings auch unsere Brötchentüte liegen gelassen. Die Pferde fanden sie schnell. Nichts mehr zu machen …

Nach einer Weile kam dann die Besitzerin. Ich half ihr, die Ausreißer wieder in den Stall zu bringen.

Im Garten grasende Pferde auf dem Ferienhof Hettinger
Die tierischen Frühstücksdiebe kurz nach ihrem Überfall: völlig unschuldig. 😉

Kurz nach diesem Vorfall und einer gefräßigen Katze, die tatsächlich unserem Hund das (wohlgemerkt vegane) Futter wegfraß, kam die Besitzerin mit einer Bäcker-Tüte zu uns und entschuldigte sich. Von dem aufregenden Frühstück mit diesen frechen, unheimlich niedlichen Dieben erzählen unsere Kinder noch immer.

Ellwangen „unter Drogen“

Ich mochte Ellwangen sehr. Eine schnucklige kleine Stadt mit vielen netten Menschen, doch ich hab mich wirklich gefragt, was da besonders Krasses um die Stadt herum blüht. Ich habe nämlich sonst nur ab und zu mal ein klein wenig Heuschnupfen. Nichts, was man nicht ertragen könnte. Aber in der Nähe von Ellwangen fing plötzlich die schlimmste Heuschnupfenattacke meines Lebens an. Durch die dauertränenden, geröteten Augen fast blind schwankte ich mit triefender Nase und körperlich völlig am Ende wie unter Drogen ins Reformhaus und anschließend in die Apotheke. Meine Güte. Da sage ich echt: Liebe Allergiker, haltet dort in der Nähe eure Medikamente bereit!

Lost in Schwäbisch Hall

Auch ein Novum: Ich fahre munter voraus – und stelle plötzlich fest, dass die Hälfte meiner Familie verschollen ist. Mit meinem Handy, wohlgemerkt, das mein Mann als Navi verwendete.

Wir hatten es sehr eilig, schließlich hätten wir wahnsinnig gerne die Aufführung von Schlupp im Traditionstheater Gerhards Marionettentheater gesehen, daher war ich mit allen Sinnen auf Eilfahren eingestellt – und dachte, mein Mann auch. Falsch gedacht.

Während Mini und ich vergeblich auf die anderen warteten, gerieten wir ins schlimmste Unwetter der ganzen Fahrt. Triefnass erreichte ich einen Vorort von Schwäbisch Hall, wo ich eine Sportlerin vor einer Trainingshalle ansprach. Mit ihrem Handy rief ich die Schwiegermutter an, die meinen Mann verständigen konnte (der nicht an mein Handy ging, von dem ich die Nummer gewusst hätte. Wäre ja auch zu einfach gewesen. Aber an sein eigenes ging er immerhin).

Tja, und nach 2 oder 3 Stunden Chaos fanden wir einander dann auch wieder. Logisch, oder? Natürlich hätte ich auch die Zeit damit verbringen können, Panik zu schieben, aber warum? In den meisten Momenten ist Panik einfach so unnötig. Ruhe ist das Einzige, was hilft.

Ausblick von der Brücke in Schwäbisch Hall mit Kindern und Hund
Wiedervereint nach dem Mini-Drama in Schwäbisch Hall

Massentierhaltung in klein: Übernachten auf dem Bauernhof

Wie bereits erwähnt: Zeltplätze sind auf dem Kocher-Jagst-Radweg im Vergleich zu anderen Radwegen sehr spärlich gesät. Deshalb sind wir dazu übergegangen, alle Optionen mitzunehmen, die sich boten. Das waren öfter mal Bauernhöfe.

Überwiegend bedeutete Bauernhof sowas wie Hund, Katze, Maus, Pferd und Hühner. Doch bei einem Bauernhof kamen auch noch Kühe dazu. Nicht 4, sondern über 100. Ich sag mal: Von dem, was ich sehen konnte, war es einer der besseren konventionellen Bauernhöfe. Ich konnte nirgendwo offensichtliche und beabsichtigte Quälerei entdecken. Aber mir reichte es schon zu sehen, dass die frisch geborenen Kälbchen sofort von ihren Müttern getrennt wurden. In kleinen Boxen standen die Kälbchen den ganzen Tag herum und lernten, aus „Zitzeneimern“ statt aus dem Euter der Mutter zu trinken.

Wenn sie ein paar Wochen alt waren, wanderten die Kälbchen in den „Kindergarten“ – und von dort immer weiter, bis der Zyklus entweder endete, indem die Bullen gemästet wurden und dann auf Nimmerwiedersehen vom Bauernhof verschwanden, oder indem die Kühe trächtig wurden, nur um dann festzustellen, dass man ihnen ihre Babys auch nicht ließ.

Ich fragte die Bäuerin, ob denn Mütter und Kinder sich irgendwann wiedersehen würden. Die Antwort: „Ja, sicher sehen die Kälbchen irgendwann ihre Mütter wieder. Nämlich wenn sie den ganzen Zyklus einmal durchlaufen haben. Aber dann kennen sie einander nicht mehr.“ Ernsthaft?

Später sprach ich die Bäuerin vorsichtig auf Weidehaltung an. Ihre Meinung: „Wir haben auch schon mal versucht, die Kühe auf die Weide zu stellen. Macht ja heutzutage fast keiner mehr. Nur die Biobauern, die immer noch meinen, dass das was bringt. Aber die Kühe wissen überhaupt nichts mit sich anzufangen, wenn sie den Stall verlassen. Die stehen dann dumm rum und langweilen sich.“ Jo, ist klar. Wäre ich mein ganzes Leben lang eingesperrt und dürfte dann plötzlich mal bei Sonnenschein einen Fuß nach draußen setzen, wäre ich auch erst mal vorsichtig, würde in die Beobachterrolle gehen und mich fragen, wer mich da jetzt eigentlich verarschen will. Warum sollte es einem so feinfühligen Wesen wie einer Kuh da anders gehen?

Der Aufenthalt auf dem Bauernhof hat viel mit mir gemacht. Ich kann nur jedem raten, sich so etwas mal aus nächster Nähe anzusehen. Eins meiner Kinder beschloss nach dieser Übernachtung sofort, Gnadenhofbesitzerin zu werden.

Wie hätten wir das erlebt, wenn wir nicht ohnehin schon vegan gewesen wären? Ich weiß es nicht … Habt ihr mal eine solche Erfahrung gemacht? Ich freu mich auf eure Kommentare.

Und dieses Thema, das mir immer wieder am Herzen liegt, ist die perfekte Überleitung zum nächsten, nämlich:

Vegan in Schwaben

Unsere Erfahrungen mit veganem Essen in Schwaben: Katastrophal, schließlich waren wir überwiegend nicht in Großstädten unterwegs, wo die Lage mit Sicherheit anders gewesen wäre. Aber auf dem Lande war außer Pommes mit Salat und Pizza ohne Käse nicht viel zu machen. Bzw. schien ein besonderer Essensfluch auf uns zu lasten: Immer dann, wenn wir an einem Ort waren, wo es eigentlich laut Internet veganes Essen hätte geben sollen (Pimpls Biergarten in Künzelsau oder im Rosmarie in Aalen) war das vegane Essen aus. Wie verhext.

vegane Burger in Schwaben
Lichtblick auf der Reise: Endlich mal ein veganes Restaurant. Und dann auch noch mit so gutem Essen. Das Velo in Heilbronn

Doch zum Glück gab es auch zwei absolute vegane Highlights auf der Route. Einmal das rein vegane Restaurant Velo in Heilbronn. Ein Traum. Und kinderfreundlich waren sie dort auch noch. Das würde ich jedem, der mich fragt, sofort empfehlen. Und auch denen, die mich nicht fragen, aber nach Heilbronn reisen, hihi.

Dann gab es in Dörzbach noch die Kochstube Bitzer. Da bekommt man zwar alles zu essen, aber für den Küchenchef ist vegan nicht nur kein Fremdwort, sondern er ist in der Lage, wirklich unfassbar leckeres veganes Essen zu zaubern. In den Sommermonaten kann das im wunderbaren Naturbiergarten genossen werden. Sollte ich jemals wieder dort in die Ecke kommen, werde ich auf jeden Fall einen Abstecher machen. Ich liebe Slow Food – und das dort ist wirklich etwas ganz Besonderes.

Gegrillte Auberginen und Zucchini in Knoblauch geschwenkt.
Die wohl leckerste Vorspeise, die ich je gegessen habe. Vegan. Und speziell für uns gekocht im Slow-Food-Paradies Kochstube Bitzer in Dörzbach

Wo Kinder willkommen sind: Kinderfreundlichste Restaurants auf dem Kocher-Jagst-Radweg

Abgesehen von den zwei bereits im Vegan-Kontext erwähnten gab es zwei, die herausstachen:

Brauerei Gasthof Lamm in Untergröningen

Wo man an anderen Orten nicht mal Zettel und Bleistift zur Beschäftigung der Kinder bekam, gab es im Gasthof Lamm gleich schöne Ausmalbilder – und die besonderen Traubenzuckerlutscher, die ich schon in meiner eigenen Kindheit geliebt habe (nicht dieses bappsüße Zeug, das man normalerweise überall kriegt). Außerdem ist mir die Bedienung als unfassbar nett zu Kindern im Gedächtnis geblieben. Mal ganz davon abgesehen, dass sie sich darum gekümmert hat, dass wir dort neben Ponys und Trampolin im Garten der kleinsten Brauerei im Kochertal unser Zelt aufschlagen durften (weil sonst mal wieder weit und breit kein Camping-Platz in der Nähe war).

Wagen mit Bierfässern der kleinsten Brauerei im Kochertal
Im Hinterhof des kinderfreundlichen Gasthofs Lamm in Untergröningen

Altstadtbistro in Ellwangen

Im Bistro Altstadt gab es griechisches Essen. Der Inhaber war unglaublich sympathisch und aufmerksam – und man hat gemerkt, dass ihn in der Stadt offenbar auch jeder Einwohner kennt und schätzt. Das Essen war frisch und sehr lecker (und es gab sogar eine eigens ausgezeichnete vegane Pizza, auch wenn die jetzt inhaltlich nichts anderes war als Pizza ohne Käse mit viel Gemüse. Dennoch hab ich mich gefreut, das explizit auf der Karte ausgewiesen zu sehen). Nachtisch hatte er für die Kids zwar keinen, aber er zeigte uns den Weg zur nächsten Eisdiele und erlaubte den Kindern, das Eis dann in aller Ruhe in seinem Restaurant zu essen. Das fand ich schon sehr besonders.

Abkühlung erwünscht? Die schönsten Badeorte

Kloster Schöntal

Die Wehrbadestelle ist durch die Nähe zum gigantischen, beeindruckenden Kloster alles andere als ein Geheimtipp. Dennoch: Es lohnt sich. So schön wie dort ist es sonst zum Baden an der ganzen Jagst nicht (oder wenn, dann haben wir die Stelle nicht gefunden).

Bucher Stausee

Bucher Stausee mit Wolken
Wunderschön anzuschauen und sehr erfrischend: Der Bucher Stausee

Dort wird gerade einiges umgebaut. So, wie das auf den Plakaten aussieht, wird das bald ein absolutes Kinderparadies. Wobei es das eigentlich auch jetzt schon ist. Eine wunderbare Gelegenheit für eine kurze Abkühlung an heißen Fahrradtagen.

Kocherfreibad Künzelsau

Dort musste ich mehrmals den Kopf schütteln. Warum?

1. Da die Wasserqualität so schlecht war, wurde im Freibad kurzerhand vom Baden im Kocher abgeraten, aber gleichzeitig das Bad für alle dauerhaft (also wohl zumindest für diese Saison) kostenlos zugänglich gemacht.

2. Ich habe ja schon öfter AN einem Freibad gecampt, aber noch nie direkt IM Freibad. Dort ist das möglich. Sobald die anderen Badegäste weg sind, hat man das ganze Freibad für sich. Na ja, abgesehen von den Enten, denn die baden, wie man hier sehen kann, auch sehr gerne im Planschbecken.

Enten im Planschbecken am Kocher auf dem Kocher-Jagst-Radweg
Auch Enten mögen Planschbecken: Das Kocherfreibad in Künzelsau

3. Ist dort alles offen. Man könnte also theoretisch auch nachts baden gehen – und jeder könnte auf dem Zeltplatz herumstiefeln. Dennoch ist laut dem netten, immer zu einem Plausch aufgelegten Bademeister noch nie etwas vorgefallen. Was sehr für die Bewohner von Künzelsau spricht.

Kinderbuchautorin meditiert am Strand
Seltener Moment der Ruhe: Morgenmeditation im menschenleeren Kocherfreibad Künzelsau

Kinderfreundlichste Städte und Ausflugsmöglichkeiten

Folgendes haben wir getestet und für gut befunden. Deshalb sollte es auf jeden Fall auch auf eurer To-do-Liste stehen.

Stadt Aalen

Überall in der Stadt gibt es besondere (und wunderbar schattige) Spielplätze. Da war zum Beispiel ein Wikingerschiff zu finden und ein Karussell, das von den Kindern (oder Eltern) selbst gedreht werden konnte. Nur an Übernachtungsmöglichkeiten für Zeltgäste müsste die Stadt noch arbeiten.

Stadt Schwäbisch Hall

Ausflug mit Kindern nach Schwäbisch Hall
Der tolle Kletterspielplatz am Wasser in Schwäbisch Hall

Gerhards Marionettentheater habe ich ja schon erwähnt. Es gab dort auch einen tollen Kletterspielplatz (mit Seilbahn, direkt am Wasser). Ein weiteres Highlight: der Puppenspielautomat. In den konnte man mit einem Euro die Figuren Frau Schäufele und Frau Kehrer zum Leben erwecken. Die beiden alten Damen erzählten daraufhin in wunderbar Schwäbischem Dialekt unglaublich witzige Geschichten. Spannend übrigens: Wer Schwäbisch Hall besucht, kann den Automaten auch als Überraschung umfunktionieren lassen. Die witzigen Damen erzählen dann eine ganz eigene Geschichte nur für den Beschenkten. Automaten von dem begabten Erschaffer der beiden Damen gibt es übrigens in der ganzen Stadt verteilt. Schade, dass uns die Zeit nur für diesen einen reichte.

Puppentheater in Schwäbisch Hall
So sehen sie aus: Die witzigen Schwäbinnen Frau Kehrer und Frau Schäufele in Aktion

Besucherbergwerk Tiefer Stollen

Nicht verpassen solltet ihr das Erzbergwerk in Aalen. Da wird mit einer Bahn in den Stollen gefahren – für die Kinder das Spannendste am ganzen Ausflug. Erwachsene werden durch eine tolle Führung und informative Kurzfilme zum Erzabbau unterhalten.

Einfahrt zum Tiefen Stollen in Aalen
Da gehts rein ins Erzbergwerk Tiefen Stollen in Aalen

Besucherbergwerk Bad Friedrichshall

Noch ein Bergwerk gibt es in Kochendorf. Dort, im Vorort von Bad Friedrichshall, wird Salz abgebaut. Noch nie habe ich solche Raumdimensionen erlebt wie in Kochendorf unter der Erde. Die Räume sind von so unvorstellbarer Größe, dass wahrscheinlich selbst das größte Kino der Welt winzig dagegen wirkt. Sehr beeindruckend.

Emotional sehr bewegend ist die Ausstellung über das ehemalige KZ Kochendorf. Solche Sachen hallen bei mir noch Wochen später nach. Während die Erwachsenen intensiv in die dunklen Momente der deutschen Geschichte eintauchen, können die Kinder sich mit der Dinosaurierausstellung beschäftigen. Ganz zum Abschluss wartet eine Rutsche auf die ganze Familie.

Bergwerk Statue
Die heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute, in der unterirdischen Kapelle im Stollen Bad Friedrichshall

Ausflugs-Highlights in der Nähe der Strecke

Tripsdrill

Mit den Öffis ist der Freizeitpark Tripsdrill sehr bescheiden angebunden. Zumindest empfanden wir es so: Der herausgesuchte Zug fiel einfach aus und wir mussten eine ganze Stunde am Bahnhof warten. Dann ging es mit dem Bus weiter, aber zuvor warteten wir wieder ewig, nur diesmal nicht am Bahnhof, sondern an der Bushaltestelle. Der Bus gondelte dann auch erst mal noch durch sämtliche Käffer, ehe er endlich den Freizeitpark ansteuerte. Wegen der bescheidenen Verbindung mussten wir dann auch noch eine Stunde früher gehen.

Aber der Freizeitpark an sich ist toll: Überall in Tripsdrill wird nicht nur auf Unterhaltung und Vergnügen wertgelegt, sondern es gibt für Geschichtsinteressierte auch ganz viel über die Vergangenheit des Geländes bzw. der verschiedenen Attraktionen zu lernen (zum Beispiel zur Tradition von Bauernhochzeiten oder zur Verarbeitung von Produkten in Mühlen). Die drei Stunden, die wir dank der schlechten Anbindung verloren, hätten wir locker noch gut zu nutzen gewusst.

Aquatoll in Neckarsulm

Gleich zwei Ausflüge machten wir vom nahegelegenen chilligen Campingplatz in Neckarsulm zum Freizeitbad Aquatoll, das wir als etwas ganz Besonderes empfanden. Für Kinder gibt es eine liebevoll hergerichtete Piratenlandschaft. Für die größeren eine tolle Dunkelrutsche – und für die Erwachsenen eine Wildwasserrutsche, wie ich sie noch nie in einem Spaßbad gesehen habe. Nicht ungefährlich, weil die Strömung teilweise sehr stark ist und einen immer wieder unter Wasser zieht, und deshalb auch nur von geübten Schwimmern zu benutzen. Für diejenigen, die sich trauen, definitiv ein Erlebnis.

Fazit

Abgesehen von ein paar kleinen Ausrutschern in Form von Menschen, die in der Tourismusbranche völlig fehl am Platz sind, zeichnet die Gegend besonders die Nettigkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen aus. Man kann nicht so schnell ratlos gucken, wie die Einheimischen schon zur Hilfe eilen.

Strauße mit Kindern
Immer was zu sehen: Unterhaltung auf dem Kocher-Jagst-Radweg. Irgendwo mittendrin: eine Straußenfarm, die Jagsttalranch in Großforst

Weniger beeindruckend, wie erwähnt, die Infrastruktur: Wer den Kocher-Jagst-Radweg mit Kindern abfahren will, sollte sich nicht nur auf teilweise sehr bergige Streckenabschnitte gefasst machen, sondern auch absolut flexibel sein, was Übernachtungsmöglichkeiten angeht. An Essen und Trinken solltet ihr auf jeden Fall immer eine Notration dabei haben, weil nicht sicher ist, wann es die nächste Einkehrmöglichkeit gibt. Was die Übernachtungskosten angeht, so waren die Preise bis auf zwei (hier nicht erwähnte) Campingplätze mit Wucherpreisen wirklich moderat.

Spielplätze gibt es massig und auch Unterhaltungsmöglichkeiten für Kinder sind ausreichend vorhanden.

Der Vorteil einer Route mit ausbaufähiger Infrastruktur: Viele schreckt das ab, was dann wiederum den Vorteil hat, dass sehr wenig los ist.

Ob wir uns nächstes Jahr wieder aufs Rad schwingen? Bestimmt. Welche Route könnt ihr uns empfehlen?

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