Gedankensplitter: Vom Ziegenbock, der nie genug kriegen konnte

Tierfütterung mit Folgen

„Boah, jetzt werde ich echt gleich sauer!“, schimpfte ich und war kurz davor, den aggressiven Ziegenbock an den Hörnern zu packen, in der Hoffnung, ihn in seinem Wahn zu bremsen. Eine gefühlte Ewigkeit hatten meine Mädels und ich ihn im Gehege beobachtet, wie er immer wieder die anderen Artgenossen – stets die kleineren, schwächeren – wegschubste. Oder fast schon –schleuderte. Aggressionsbolzen ohne Ende. Und die süßen Kleinen starrten uns mit weit aufgerissenen Ziegenaugen hilflos an.

Jetzt schon mal gar nicht!

„So kriegst du erst recht nix ab!“, knurrte ich dem Ziegenbock entgegen – und verhielt mich damit wahrscheinlich so wie 99 Prozent aller Besucher des Freizeitparks, die sich dieses Drama eine Weile anschauen. Was dazu führt, dass der Ziegenbock, der Angst hat zu kurz zu kommen, sich immer mehr in seine Angst reinsteigert und dadurch nur noch aggressiver wird.

Ich wusste, dass meine Reaktion falsch war, denn ich reagierte auf Angst mit Angst. Ich spiegelte die Panik und Wut des Ziegenbocks, weil ich fürchtete, die Kleinen würden zu kurz kommen. Böse Zungen mögen da jetzt die Parallele ziehen, dass so kleine menschliche Zeitgenossen wie ich sich gut in diese kleinen Ziegen reinversetzen können, weil sie auch öfter mal Angst haben, zu kurz zu kommen. Warum? Weil sie genau das immer wieder erlebt haben. Ich sag nur: Ich steh an der Theke und will bestellen … Meine ganze Jugendzeit hindurch habe ich gedacht, ich muss wohl unsichtbar sein. Das änderte sich erst, als ich lernte, laut und auffällig zu sein. Das hatte ich irgendwann drauf. Auch ohne Aggression. (Geheilt bin ich davon inzwischen zum Glück aber auch wieder. 😉 )

Aber gut, zurück zum Thema: Mir war klar, dass ich nichts bewirke, wenn ich Angst mit Angst bekämpfe, aber mir fiel beim besten Willen nicht ein, wie ich es hätte anders machen können.

Ziegen füttern: Schwierig, wenn einer immer so aggressiv ist, vordrängelt und schubst. Doch was steht dahinter? Angst: Die Angst, wertlos und ungeliebt zu sein. Kennen wir aus der Menschenwelt
Ziegen füttern: Schwierig, wenn einer immer so aggressiv ist, vordrängelt und schubst.

Meine Tochter: Heute Expertin im Handeln aus Liebe

Doch dann kam Maxi. Sie sagte: „Ich geb dem auch was, weil sonst kriegt der ja gar nix!“ Sie fütterte erst ihn – und dann alle anderen. Schön gerecht verteilt. Und sie hatte Recht: Wenn man den Ziegenbock von seiner Angst, zu kurz zu kommen, befreien will, dann hat man nur eine Chance, indem man ihn trotz oder gerade wegen seiner Aggression liebevoll und gerecht behandelt.

Gerade heute hab ichs erst wieder gelesen: Robert Holden sagt in seinem Buch Loveability, dass jede Angst der Welt darauf zurückzuführen ist, dass man sich unwert fühlt. Jede!

Wenn ich so etwas sehe, frage ich mich wirklich, inwieweit das auch bei Tieren zutrifft. Ist es das Gleiche wie bei uns Menschen? Oder verhalten sie sich nur so, um uns auf den Irrsinn hinzuweisen, den wir stets aufs Neue veranstalten? Immer wieder treibt uns die Angst um, nicht wertvoll, nicht genug zu sein. Warum fällt es uns nur so schwer, unseren eigenen Wert zu erkennen? Vermutlich vergessen wir ihn so oft, weil wir viel zu selten nach innen schauen. Nach innen, wo das Wissen um diesen Wert so klar und so deutlich sichtbar und vor allem auch fühlbar ist. Also, liebe Leute, schaut öfter mal nach innen. Oder lasst euch durch solche bewundernswerten Gesten der Liebe und Weisheit an euren eigenen Wert erinnern. 🙂

Liebe ist so einfach. Man muss nur auf die Kinder schauen, um sich wieder an die Grundregeln zu erinnern. 🙂

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Ähnlichkeiten zwischen Ziegenböcken und testosteronbeladenen menschlichen Artgenossen: Aha-Erlebnisse der besonderen Art. Die an Robert Holdens Buch Loveability erinnern. Ein Appell für Liebe statt Angst #handelnausliebe

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