Internetmüde? Bocklos? Oder: Die fiese Sache mit der Aufmerksamkeit (plus Gewinnerverkündung)

Krank? Nein. Nur internetmüde

Ich hab keinen Bock mehr. Bloggen, Präsenz zeigen in den Social Media? Bringt kurzfristige Sichtbarkeit. Wenn man dranbleibt, sicher auch langfristige. Aber will man das? Aufmerksamkeit um jeden Preis?

Wie vielen Lesern ist eigentlich bewusst, wie lange das Schreiben eines gut recherchierten Blogbeitrages braucht? Schreiben, Bildersuche, SEO-Optimierung – und dann noch das Verbreiten in den Social-Media-Kanälen. Damit geht schon mal ein halber Arbeitstag flöten.

Ich will nicht mehr

Nein, ich will nicht einmal pro Woche einen halben Arbeitstag aufopfern, nur weil ich muss. Wer sagt eigentlich, dass ich das muss? Nun ja, zumindest einige Seiten, auf denen Blogger gelistet sind. Da steht teilweise wörtlich, dass man nicht mehr gelistet wird, wenn man nicht mindestens einmal die Woche postet. Und das, liebe Leute, ist der Grund, weshalb ich mir schon seit Wochen unnötig Stress mache. Weil ich im Hinterkopf habe: Oh je, die könnten mich ja rausschmeißen.

Könnten sie, ja. Wäre doof, aber soll ich mein Leben wirklich abhängig machen von Bloggerauflistungsseiten?

Internetmüde: Davon sind mehr Menschen betroffen, als man glaubt
Internetmüde: Davon sind mehr Menschen betroffen, als man glaubt (Foto: Sydney Sims, Unsplash)

Einen Scheiß muss ich!

Neulich hat eine Frau von einem T-Shirt erzählt, auf dem stand: “Einen Scheiß muss ich!” So ein T-Shirt muss ich mir auch dringend zulegen, um mich immer wieder daran zu erinnern. Denn genau so ist es: Gar nix muss ich. Wer ist denn wirklich der Einzige, der Druck macht? Egal, ob es um den Blog geht, um das Schreiben von Büchern, um die Sauberkeit meines Hauses, um die Zeit, die ich mit den Kindern verbringe, um das Schreiben meiner To-do-Liste? Moi. Niemand sonst.

Ich finde, es ist an der Zeit, meine innere Kritikerin zurechtzuweisen. Denn ganz ehrlich: Durch das Bloggen werde ich ganz bestimmt nicht berühmt. Völlig egal, ob ich täglich oder nur einmal im Jahr blogge. Es ist scheißegal, wie oft ich blogge. Wichtig ist doch nur, dass ich immer und überall das mache, was ich machen möchte. Dass ich Spaß habe an meiner Arbeit. Und Spaß funktioniert – zumindest bei mir – nur ohne Druck.

Der Druck hinter dem Druck

Schreiben, weil man sich dazu gezwungen fühlt, ist echt keine gute Idee. Im Gegenteil: Es führt zu Schreibblockaden, wie ich festgestellt habe.

Woher kommt eigentlich der Druck, den die inneren Kritiker auf uns ausüben? Vom Außen. Von der völlig falschen und doch so schwer vermeidbaren Orientierung an dem, was andere sagen.

Ich bewundere die Menschen, die täglich gesagt bekommen, dass das, was sie machen, scheiße ist – und dass es ohnehin nicht funktionieren wird. Diese bewundernswerten Menschen, die ich meine, nehmen das zur Kenntnis und machen trotzdem weiter.

Das ist nichts, was man über Nacht lernt. Aber man kann es schaffen. Immer mal wieder. Ein Lernprozess.

Die Offenheit und Authentizität, die mit meinem Auftreten einhergeht, könnte gefährlich sein, weil ich dadurch verletzlich werde. So what?

Ich reime wie Helene Fischer? So what?

Das Buch, an dem ich gerade schreibe, wird eh keinen Verlag finden, weil das Thema zu krass ist? So what?

Soll ich etwa aufhören damit, das zu tun, was ich liebe, weil andere versuchen, mich zu entmutigen? Außerdem: Alles, was andere über dich sagen, ist doch nur deren Meinung. Es ist an dir, diese Meinung zu übernehmen – oder tief in deinem Herzen deine eigene Sicht der Dinge zu bewahren!

Sich von Kritik lähmen lassen = Anderen Recht geben

Was ich aus den Ereignissen der letzten Wochen inklusive meiner Schreibblockade gelernt habe? Dass ich immer noch zu sehr am Außen orientiert bin. Für wen schreibe ich denn eigentlich? Für das Lob durch andere? Keine gute Motivation.

Besser: Ich schreibe, weil ich weiß, dass es meine Berufung ist, die Liebe und Hoffnung, die in meinen Geschichten mitschwingt, zu anderen zu tragen. Ob die Botschaft ankommt, kann ich jedoch nicht beeinflussen. Sie wird zu denjenigen kommen, die sie hören wollen. Alle anderen kann und soll ich nicht erreichen. Fertig.

Warum meinen bloß so viele von uns, dass wir jemanden brauchen, der uns sagt: Das, was du machst, ist gut? Sitzt da nicht tief in uns allen jemand, der das weiß?

Doch, diesen Jemand gibt es. Er versteckt sich manchmal gut. Aber er ist da. Und er sagt:

Mach dein Ding. Für dich. Lass dir nichts vorschreiben. Nicht wann und wie oft du zu bloggen oder deine Social-Media-Kanäle zu bedienen hast, weil du sonst untergehen wirst. Nicht, dass du Mainstream schreiben musst, weil du sonst nie gelesen wirst. Und lass dir auch nicht einreden, dass das, was du tust, sinnlos ist, weil du einfach zu wenig mit der Masse schwimmst. Gerade das ist es doch, was dich ausmacht!

Meine Blog-Unlust hat mir geholfen, das zu erkennen. Lausch doch mal in dich und schau, was für eine Botschaft dein innerer Mutmacher für dich bereithält. 

Bloggen und Nutzen von Social Media: Die Suche nach Aufmerksamkeit
Bloggen und Nutzen von Social Media: Die Suche nach Aufmerksamkeit (Foto: Ali Morshedlou, Unsplash)

Bloggen: Die Suche nach Aufmerksamkeit

Heute bloggt wirklich jeder. Und es kommt mir jeden Tag mehr wie ein Kampf um die größtmögliche Aufmerksamkeit vor. Wer hat die krassesten Überschriften, wer macht sich aufgrund der Inhalte am meisten nackt? Wer wird für das, was er schreibt, virtuell gesteinigt – und wer wird für alles gepriesen?

Was ich gemerkt habe, seit ich auf einigen großen Seiten gelistet bin? Aufmerksamkeit ist nicht immer angenehm, denn was nutzt mir die Aufmerksamkeit der falschen Menschen? Der Menschen, die die Welt so anders wahrnehmen als ich. Menschen, die nicht meine Zielgruppe sind, weil einfach die Resonanz fehlt. Warum versuche ich trotzdem, sie zu erreichen?

Aufmerksamkeit. Es ist ein Hoffen auf die Einsicht derer, die die Welt anders sehen. Weil ich gerne jede Situation aus verschiedenen Blickwinkeln betrachte und durch diese verschiedenen Perspektiven unglaublich bereichert werde, hoffe ich, mit meinen Beiträgen auch eine Bereicherung für diejenigen zu sein, die die Welt bisher immer nur aus einer bestimmten, sehr persönlichen Brille betrachtet haben. Aber ich kann durch meine Worte nicht beeinflussen, dass sie diese Brille absetzen. Meine Sichtweise einzunehmen darf kein Zwang, sondern allenfalls eine Einladung für neue, magische Kontaktlinsen sein. Und wenn sich nur wenige eingeladen fühlen, dann ist das einfach so.

Wie es weitergeht …

Für mich ist die Zeit gekommen, mehr nach innen zu schauen. Mehr Bücher zu schreiben, mich nebenbei weiter fortzubilden und mehr an mich selbst und weniger an andere zu denken.

Natürlich werde ich weiterbloggen und meine Social-Media-Kanäle bedienen, aber nur dann, wenn ich es für richtig halte – und nicht, wenn ich das Gefühl habe, dass es mir jemand vorschreibt.

Das alles hier mag vielleicht negativ klingen, aber für mich ist es das nicht. Es ist ein dringend notwendiger Schritt in die richtige Richtung, hin zu mehr Unabhängigkeit und einer noch stärkeren Verbindung zu mir selbst.

Kommunikations-Overkill

Die Internetmüdigkeit scheint übrigens in der Luft zu liegen. Ich kenne einige, denen es gerade so geht. Manche von ihnen machen bewundernswerterweise eine wochenlange, komplette Medienpause, um die Verbindung zu sich selbst wiederzufinden, die durch diesen momentanen Kommunikations-Overkill fast verloren gegangen ist.

“Die Frage ist: Was lassen wir an Kommunikation und Information zu und was nicht? Kommunikation hat für mich in der Idealform immer etwas mit Achtung zu tun … ich nehme mir die Zeit für mein Gegenüber, das mich an seinem Leben teilnehmen lässt … Ich fühle mich schlecht, wenn ich nur zwischen Tür und Angel auf eine Nachricht antworte und mir nicht die nötige Zeit für eine „tiefe“ Antwort nehmen kann, weil schon wieder andere Sachen anstehen.” So schrieb es mir eine liebe Freundin. Wie wahr: Das Internet soll helfen zu kommunizieren – nicht dazu führen, dass wir uns Vorwürfe machen, nicht für alle da zu sein, für die wir da sein müssten.

Ich kann anderen nur dann ein Vorbild und ein Licht auf ihrem Weg sein, wenn mein eigenes Licht leuchtet, und zwar in seiner eigenen, natürlichen Intensität – nicht im Computer-Kunstlicht.

Daher bin ich der Meinung: Egal, ob Bloggen, Social-Media-Präsenz, Chatten oder Mails schreiben: Weniger ist mehr. Zum Wohle aller. 🙂

But now to something completely different: Meine Gewinner

Heute wurden die Gewinner meiner beiden April-Gewinnspiele gezogen.

Die Lagerfeuergeschichten vom Interview mit Esel Fridolin gehen an Petra, Bine und Lisa.

“Ich bin das Licht!” von Neale Donald Walsch geht an Anette. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank fürs Mitmachen.

Euch allen einen schönen, hoffentlich internetarmen Restfrühling!

Internetmüde? Warum die Suche nach Aufmerksamkeit im Internet der falsche Weg ist - und welcher Weg besser ist, verrät Kinderbuchautorin Sandra Schindler

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3 thoughts on “Internetmüde? Bocklos? Oder: Die fiese Sache mit der Aufmerksamkeit (plus Gewinnerverkündung)

  1. Antworten
    Sonja - 17. Mai 2018

    Liebe Sandra,
    ich glaube du sprichst einen sehr wichtigen Punkt ganz deutlich an.
    Etwas nur zu tun, weil ich das Gefühl habe “ich muss” kann meiner Meinung nach selten Postives hervorbringen.
    Ja, ich kenn diese Phasen auch. Und ich versuche sie dann einfach anzunehmen. Ein Wochenende, eine Woche mal nichts posten – klingt komisch, wenn man mitten drin ist im virtuellen Hamsterrad. Ist aber eigtl nicht so schlimm. Dann hab ich in der Woche halt weniger Abrufe. Na und?
    Ich genieße doch gerade hier auf meinem Blog die Freiheit tun und lassen zu können, was ICH will. Und kein Verleger, Produzent oder Chefredakteur redet mit. Was ich mir als Taktik für die Zukunft von großen Plattformen vorgenommen habe, ist mir das Archiv dann vorzunehmen. Ich habe doch schon recht viel veröffentlicht. Es schadet auch nicht ältere Artikel z.b. über Social Media noch mal zu verbreiten. Das kann ja auch vorgeplant werden. Und funktioniert vielleicht auch für die Bloggerlisten. 🙂
    Und vielleicht muss ich auch nicht alle Kommentare immer sofort frei schalten. dann warten die User halt mal ein paar Tage. So what?

    Zur Schreibblockade: Ich merke immer wieder, dass die Texte, die mir am Herzen liegen und in denen ich sehr aus mir heraus spreche, die besten sind. Und diese fließen auch immer wahnsinnig schnell aus mir heraus.
    Immer wenn ich aber krampfhaft ein Thema bearbeiten will, wird das nur mäßig gut. Und das zeigt sich dann auch in den Klickzahlen.

    Also versuche ich auch digital nach dem Motto: “Wer nichts zu sagen hat, einfach mal die Klappe halten”, zu verfahren. 🙂

    In diesem Sinne wünsche ich dir eine schöne Offlinezeit und freue mich trotzdem darauf, wenn ich wieder was von dir höre.
    Denn ich bin sicher, deine Zielgruppe wird dich auch so finden! <3

    LG Sonja

  2. Antworten
    Sandra - 18. Mai 2018

    Danke für deine wunderbaren, bestärkenden Worte, liebe Sonja! <3

    Das Re-Posten auf den Social Media wäre echt ne Idee. Nur wäre ich dann ja wieder öfter in den Social Media, was ich gerade nicht will. Tjaja, die Katze und ihr angebissener Schwanz und so. 😉
    (Bei den Bloggerlisten geht das mit dem alten Content allerdings nicht, denn dort wird automatisch ausschließlich der neuste Beitrag gepostet.)

    Das mit den Texten ist bei mir genauso. Man merkt genau, ob Druck dahinter ist oder ob die Kreativität die treibende Kraft ist. 🙂

    Dein Motto ist super. Und passt perfekt zum Artikel. 🙂

  3. Antworten
    Helen - 22. Mai 2018

    Gut gebrüllt, Löwe bzw. Katze 🙂 (Jaja, ich weiß, die Katze auf dem Bild gähnt, aber beim Lesen habe ich eher an eine angriffslustige Katze gedacht)
    Nee, im Ernst: Wirklich richtige und wichtige Dinge, die Du hier schreibt. Was tut man nicht alles, damit man nach außen wirkt, wie man das gerne möchte. Und sich unnötig Druck und Stress macht. Aber ist es das wert? Man hört viel zu wenig auf den inneren Bauch und die eigenen, wirklichen Bedrüfnisse.
    Danke für Deinen schönen Artikel! 🙂

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