Menschen, die gutes Marketing machen, sind wie Frauenärzte oder Hebammen: Sie helfen anderen.

Buchmarketing: Du willst mehr Erfolg? Sei mein Frauenarzt!

Gibt es etwas Unangenehmeres als Arztbesuche? Frauenarztbesuche ranken in meiner ganz persönlichen Unbeliebtheitsskala ziemlich weit oben. Dennoch gehe ich immer wieder gerne zum Frauenarzt. Ein Paradox? Nö. Es ist der Frauenarzt selbst, der den Besuch so angenehm macht. Warum? Weil er mir das Gefühl vermittelt, dass er mich als Mensch schätzt, weil er mich sein lässt, wie ich bin – und sich immer für das interessiert, was ich zu sagen habe. Von meinem Frauenarzt kann so mancher was lernen über gutes Marketing.

Wie er es schafft, den Patientinnen dieses besondere Gefühl zu vermitteln? Durch Freundlichkeit und Einfühlsamkeit, klar. Aber auch durch Notizen. Er fragt mich dank Notizen nicht nur, wie es mir geht, sondern nimmt Bezug auf das, was er über mich weiß: „Und, wann kommt Ihr nächstes Buch raus? Wie geht es Ihrer Tochter Maxi in der Schule? Und wann kommt Mini an die Reihe?“

Menschen, die gutes Marketing machen, sind wie Frauenärzte oder Hebammen: Sie helfen anderen.
Ein guter Frauenarzt interessiert sich auch für das Leben und die Kinder seiner Patientinnen (Foto: Alex Hockett, Unsplash)

Eigentlich kein Hexenwerk, oder? Es ist so leicht, Menschen ein Gefühl von Wertschätzung zu vermitteln. Und klar, wenn man wie Frauenärzte oder auch kontaktfreudige Autorinnen immer wieder auf viele Leute trifft, sind Notizen unerlässlich. Für den Anfang tuts eine einfache Excel-Liste, in der ihr die wichtigsten Highlights vermerkt:

So brauche ich Bloggerin Ute nicht mehr anzusprechen, wenn ich wieder mal Vampire als Protagonisten habe, weil sie keine Vampirbücher mag. Bei Bloggerin Tina weiß ich, dass sie auf Weltreise ist und erst im kommenden Frühjahr wieder kontaktiert werden möchte – und Bloggerin Beate bekommt im Sommer ihr Baby.

Langfristig denken, das ist die Devise. Ich möchte ja auch nicht als Einmal-Nummer für einen kurzen Gefallen missbraucht werden, also bemühe ich mich, das umgekehrt auch nicht zu tun. Gutes Marketing heißt, eine Beziehung aufzubauen. Aber gutes Marketing heißt noch viel mehr.

Gutes Marketing heißt emotionales Marketing. Sprich: Ich selbst handle aufgrund meiner Emotionen und gehe gleichzeitig auf die der anderen ein. Im Englischen gibt es da ein schönes saying: „to wear one’s emotions on one’s sleeve“, also die eigenen Emotionen für jeden sichtbar auf dem Ärmel tragen. Das sehen die Marketing-Traditionalisten als großen Makel, doch ich sage: Emotionales Marketing ist das Marketing der Zukunft. Wer bringt denn die Menschen dazu mitzufühlen? Diejenigen, die einen Preis mit Pokerface entgegennehmen – oder diejenigen, die so von ihrem Gefühl der Dankbarkeit überwältigt werden, dass sie unmöglich ihre Tränen zurückhalten können? Eben. Also: Tragt eure guten, menschlichen Emotionen nach außen.

Sonst noch was? Klar.

Die 10 wichtigsten Punkte für gutes Marketing und damit für langfristigen Erfolg

1. Meine Lieblingsstrategie: Hangeln

Kennst du das? Du schaust auf eine Startseite und denkst dir: Wow, hat der gigantische Referenzen. Was man dabei vor lauter Ehrfurcht vergisst: Weder sind die Referenzen von Anfang an da gewesen noch kamen sie alle auf einmal, daher: Fang doch einfach klein an. Wenn du im Lokalblättchen vorgestellt wirst, fragst du dort nett an, ob du den Artikel über dich verlinken und das entsprechende Logo verwenden darfst. Schon kannst du zur nächstgrößeren Zeitung gehen und sagen: Wochenblatt XY hat über mich geschrieben, wollt ihr nicht vielleicht auch? Und so hangelt man sich langsam, aber sicher nach oben – und sammelt ganz nebenbei viele tolle Referenzen für die Start- bzw. die Presseseite.

Gute Strategie für gutes Marketing am Anfang der Autorenkarriere, egal ob als Blogger oder als Buchautor: Hangeln
Die Affen machens uns vor, wir müssen es nur nachmachen: Hangeln (Foto: Unknown Wong, Unsplash)

2. Jeder hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Was ist deine?

Hast du ein wenig Hemmungen, mit der Presse in Kontakt zu treten? Ging mir früher bei Musikern so. Bis ich erkannte: Hey, das sind auch nur Menschen. Und im Falle von Journalisten Menschen auf der Suche nach spannenden Geschichten. Mach also auf keinen Fall den Fehler, dich auf deine Bücher zu reduzieren, denn du selbst bist als Autorin/Autor Teil deiner Marke – mit all deinen Interessen und Erfahrungen. Was sind deine Hobbys? Aus welchen Fehlern der Vergangenheit hast du am meisten gelernt? Folgst du irgendeinem neuen Trend aus den USA, den hier noch keiner kennt? Mach den verantwortlichen Journalistinnen (nicht irgendwelchen Journalistinnen, sondern denen, die für das entsprechende Ressort zuständig sind) einen Themenvorschlag. (An dieser Stelle möchte ich dir die tollen PR-Tipps der Journalistin Marike Frick ans Herz legen.)

3. Mach was. Irgendwas. Ein bisschen Marketing ist besser als gar kein Marketing

Ja, ich weiß, Marketing ist Verlagssache. Auch. Aber nicht ausschließlich. Verlage arbeiten viel lieber mit Menschen zusammen, die Eigenverantwortung zeigen und sich engagieren. Die bekommen dann auch viel eher ein Marketingbudget zur Verfügung gestellt als diejenigen, die ohnehin nur halbherzig an die Sache herangehen, weil sie Marketing ohnehin nicht als ihre Aufgabe sehen. (Cally Stronk hat in der Federwelt [März-Ausgabe 2018] übrigens einen tollen Artikel darüber geschrieben.)

4. Zeig dich in den Social Media

Nicht jeder Social-Media-Kanal passt zu einem. Und keiner muss alle Kanäle bedienen. Beginn doch einfach mal mit einem Kanal, den du auch privat gerne nutzt, und schau, wie weit du kommst. Manchmal kommt man weiter als gedacht. Ich bin z. B. nicht der Mega-Twitterer und verbringe vielleicht 10 min die Woche auf Twitter. Dennoch kommt magischerweise ein Großteil meines Social-Media-Traffics über den Kanal. Unschlagbar für Autoren natürlich noch immer Facebook. Darüber hab ich schon mal geschrieben. Hier gehts zu meinen Facebook-Tipps. Bloglovin’ hilft dabei, gefunden zu werden. Im Kommen sind Instagram und Pinterest. (In Kürze findest du bei KaleidoCom einen Artikel von mir, in dem ich dir verrate, weshalb du als Autor unbedingt jetzt bei Pinterest einsteigen solltest.)

5. Helfen, helfen, helfen

Nein, das heißt nicht, dass man sich ausnutzen lassen muss. Im Gegenteil: Hilf dann, wenn du kannst und willst. Mal schnell einen Artikel auf der Fanseite geteilt, mal kurz in einem Netzwerk Tipps gegeben zu einem Thema, über das du viel weißt, mal über irgendeinen Chat einer Freundin in Not Beistand geleistet. Das kommt garantiert auf irgendeine Weise zurück. Und selbst wenn nicht: Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass altruistisches Helfen glücklich macht. Und wer möchte nicht gerne glücklich sein?

6. Qualität zeigen

Die Entscheider lesen mit. Auf den Blogs, auf der Webseite, in den Social Media und sogar in den Newslettern. Verlagsmitarbeiter ebenso wie Journalistinnen schauen ganz genau, was du so machst im Netz. Ob du öffentlich ausflippst, wenn eine schlechte Rezension reinkommt, ob du schlecht über Kollegen redest oder jammerst, wie schlimm das Autorendasein heutzutage ist. Du wirst beobachtet. Vergiss das nie.

Sind deine Social-Media-Profile aktuell und aussagekräftig – oder hast du deine Amazon-Autorenseite schon Jahre nicht mehr gepflegt? Führen die Links, auf die du verweist, auf existente Seiten – oder verärgerst du Interessenten, weil sie ständig ins Nichts klicken? (Wie du solche SEO-Fehler vermeidest, lernst du übrigens bei Mareike von Mami-Startup.)

Natürlich gilt das Beobachten auch für die Qualität deiner Texte im Netz. Wenn ich die Literatur-Stars von morgen finden müsste, würde ich erst mal schauen, ob sie die Schreib-Basics beherrschen. Ist das bei den Online-Texten nicht erkennbar, würde ich lange überlegen, ob ich mich überhaupt mit einem eingereichten Manuskript näher beschäftige. Hier habe ich ein paar Tipps für bessere Texte aus meinen Arbeitsjahren als Lektorin für dich zusammengetragen.

Gutes Buchmarketing geht nur, wenn man es gern und von Herzen tut. Ohne Zwang, mit ganz viel Liebe und Geduld. 10 Marketingtipps für Autorinnen und Bloggerinnen
Buchmarketing und Glück sollte Hand in Hand gehen (Foto: Josh Felise, Unsplash)

7. Was kannst du mit deiner Arbeit für andere tun?

Es geht bei gutem Marketing niemals um dich, sondern ausschließlich um die anderen. Womit kannst du deinen Leserinnen und Lesern helfen? Warum erzählst du überhaupt Geschichten? Warum bist du im Netz präsent? Es ist ein Unterschied, ob man schreibt, um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen – oder ob man auf andere eingeht und ehrliches Interesse an ihnen zeigt.

Du hast ein Problem gelöst? Haben andere vielleicht das gleiche Problem? Wenn ja, würde es ihnen helfen, wenn sie von deinen Erfahrungen wüssten? Könnten sie ihr Leben durch deinen Text verbessern? Da fällt mir gerade der Artikel von Ich lebe grün! zum Thema Wasserqualität ein. Lisa hat eine Skepsis gegenüber dem Trinkwasser entwickelt, sich dann in die Thematik eingelesen, gehandelt – und am Ende über ihre Erfahrungen geschrieben, sodass auch andere bei Bedarf handeln können, wenn ihnen etwas an ihrem Wasser liegt. Solche Informationen bieten Mehrwert. Das macht sie so WERTvoll.

8. Enthusiasmus, das Universum und Elizabeth Gilbert

Neulich habe ich das Buch „Big Magic“ von Elizabeth Gilbert gelesen, ein Buch, das wirklich jeder Kreative unbedingt gelesen haben sollte. Die Bestsellerautorin, die viele vielleicht von „Eat, Pray, Love“ kennen, fragt dich: Ist das Schreiben wirklich das, was dein Herz erfüllt, das, was dich aufblühen lässt, selbst wenn mal alles schiefläuft? Gibt es Bereiche deines Autorenlebens, die du nicht so magst? Falls ja: Ist es okay für dich, dass du dich mit ihnen herumquälen musst? Nur wenn du alles liebst, was das Autorendasein ausmacht, kannst du dauerhaft erfolgreich sein.

Es ist manchmal schwierig, „Gutes“ wie „Schlechtes“ einfach fließen zu lassen, aber es ist das Einzige, was funktioniert. Versuch, nicht mit irgendwelchen Resultaten zu rechnen, sondern die Chancen zu nutzen, die sich ergeben. Gastartikel in Online-Magazinen oder Print-Zeitschriften sind eine Mega-Chance, aber wer glaubt, durch einen gut geschriebenen Gastartikel massig neue Fans oder auch Verkäufe zu generieren, der irrt. Doch jeder neue Artikel lässt dich als Expertin aufscheinen, macht dich bekannter – und bringt dich im Optimalfall auch einen tollen neuen Backlink ein.

Sei einfach offen für Neues und sieh jeden neuen Tag als Chance. Gerade wenn man am wenigsten damit rechnet, kommen die Menschen von selbst und bieten einem Dinge an, mit denen man nie gerechnet hätte. Dann heißt es: Zugreifen und Spaß an allem haben, was dein Weg dir bringt. Enthusiasmus ist nichts, was man faken kann. Enthusiasmus lebt. Die Begeisterung für das, was du tust, zeigt sich in deinem Lächeln, lässt dich bei einem Auftritt scheinen – und man hört bzw. liest sie sogar zwischen den Zeilen.

Du hast einen blöden Fehler gemacht? Blöde Fehler gibt es nicht, nur Möglichkeiten, etwas zu lernen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem du für deinen „Fehler“ dankbar sein kannst.

Und ja, ich weiß, der Weg zu mehr Bekanntheit vollzieht sich manchmal so schleichend langsam, dass man glaubt, vor Ungeduld jeden Moment platzen zu müssen. Aber auch das hat seinen Sinn. Die Promiwelt ist voll von Menschen, die von plötzlichem Erfolg überrumpelt wurden und daran zerbrochen sind. Dann doch lieber langsam und schön auf das Tempo vertrauen, das das Universum für dich vorgesehen hat. Wichtig ist, dass du dem Universum immer wieder signalisierst, dass es dir ernst ist mit deiner Berufung. ☺

Wer es ernst meint mit dem Schreiben und damit Erfolg haben möchte, muss das dem Universum immer wieder versichern
Das Universum sorgt schon für Erfolg. Wenn man ihm nur versichert, dass man es ernst meint. (Foto: Clemente Ruiz Abenza, Unsplash)

9. Dranbleiben

Wenn dir jemand gesagt hat, er macht was mit dir zusammen – und es kommt nix, dann sprich ihn nach einer Weile wieder an (du hast ja schließlich dein Frauenarzt-Kommunikations-Überwachungssystem, im Fachjargon CRM genannt). Die Gratwanderung dabei ist, nicht zu nerven. Da hilft eine gute Intuition, über die du automatisch verfügst, wenn du empathisch bist.

Dranbleiben heißt auch, überhaupt weiter Marketing zu machen. Kontinuierlich. Über Jahre. Also nicht einen Monat volle Power geben, dann frustriert sein und aufgeben, weil nicht gleich alle Fanfaren blasend vor der Haustür defilieren. Nein, dranbleiben heißt weiterdenken. Langfristig planen, jedem Buch mindestens ein halbes Jahr Vollzeit (!) Marketing-Aufmerksamkeit zu geben (zumindest bis der erste Bestseller da ist).

Und dranbleiben heißt natürlich auch, trotz der Selbstzweifel, die jeden gesunden Menschen gelegentlich überkommen – und trotz der Kritik, die es mit steigender Bekanntheit zwangsläufig immer wieder rieseln oder auch mal hageln wird, nicht aufzugeben und immer wieder neue Bücher nachzulegen. Nicht mit dem Anspruch, einfach mal wieder was rauszuhauen, sondern mit dem Anspruch, dass das nächste Buch das vorhergehende qualitativ übertrifft.

10. Netzwerken

Man muss wirklich nicht alles können, aber man muss wissen, wer helfen kann. Ich sage es immer wieder: Wer das Kinderbuch einer Kollegin kauft, hat nicht ausgesorgt für die nächsten Jahre, sondern sucht vermutlich noch mehr gute Kinderbücher. Wie schön, wenn er dich dann bei deiner Kollegin positiv wahrnimmt! Wer in Kooperation statt Konkurrenz denkt, dem bieten sich ständig neue, fast schon wundersame Chancen. Wer netzwerkt, der wird bei den Leuten hängen bleiben.

Gute Beziehungen sind nicht nur das wichtigste für gutes Marketing, sondern auch, um glücklich und dankbar zu sein. Und Dankbarkeit sowie eine positive Lebenseinstellung sind ohnehin das Wichtigste. Sagt z. B. auch der großartige Bruce Lipton.

(Ein bisschen was über mein großartiges Netzwerk habe ich übrigens hier verraten.)

Netzwerken funktioniert natürlich nicht mit jedem. Manche Menschen sind untereinander nicht kompatibel. Wer auf seine Intuition hört, merkt das ziemlich schnell. Das sollte man dann nicht forcieren, sondern das einfach akzeptieren.

Manche Leute sind auch nicht für große Netzwerke gemacht (glauben sie zumindest). Aber selbst diese Menschen werden glücklich durch das Netzwerken im kleinen Rahmen. Ein paar wenige Kolleginnen, mit denen man sich austauscht, dazu die Freunde. Das reicht schon.

Wer im großen Stil netzwerken kann und möchte, dem wird so unglaublich viel gegeben. Alles, was man an Hilfe anbietet, kommt genau in dem Augenblick zurück, in dem man es braucht. Garantiert!

In diesem Sinne: Fröhliches Netzwerken!

Gutes Marketing? Einfach so sein wie ein guter Frauenarzt. Buchmarketing mal anders. 10 Tipps für mehr Erfolg mit dem eigenen Buch für Verlagsautoren, Kinderbuchautoren und Selfpublisher von Autorin und Marketingexpertin Sandra Schindler

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2 thoughts on “Buchmarketing: Du willst mehr Erfolg? Sei mein Frauenarzt!

  1. Antworten
    Weinmann - 20. Februar 2018

    Genialer Titel und wie recht du hast mit dem FrauenarztIn bzw. einem Arztbesuch. Zeigt der Arzt/Arztin ein Interesse an meiner Person, gehe ich lieber zu ihr/ihm, als wenn sie/er “nur” ihren/ seinen Job macht…Dankeschön für diesen Beitrag…

    1. Antworten
      Sandra - 21. Februar 2018

      Und ich danke dir für das Kompliment und deine ansteckende Begeisterung, liebe Iris. 🙂

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