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Lektorat

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Lektorat und Testleser, ja oder nein?

Jeder braucht ein Lektorat – oder zumindest Testleser, die sehr, sehr auf Zack sind. Autoren sind bekanntermaßen für den eigenen Text betriebsblind. Gute Lektoren hingegen bringen die Autoren durch ihre Entdeckungen zum Staunen.

Wie finde ich geeignete Testleser?

In der Familie sowie im Freundes- oder Bekanntenkreis gibt es oft sehr fähige Testleser. Ich würde dort einfach mal nachfragen, wenn ihr das nächste Mal von einem eurer Buchprojekte erzählt. Oft kommen die Testleser auch ganz von selbst und fragen, ob sie denn auch mal ein Manuskript sehen und beurteilen dürfen.

Ich habe zusätzlich einige schreibende Kolleginnen, die meine Texte lesen. Einige Testleseanfragen bekam ich auch, weil ich bei meinen Facebook-Freunden gefragt hatte, ob es da nicht jemanden gebe …

Wichtig finde ich nur: Klar ist es schön, wenn eure Testleser eure Texte super finden und nichts zu meckern haben, aber: Es bringt euch nicht weiter, daher: Haltet euch die Testleser warm, die am meisten zu meckern haben. Natürlich nur dann, wenn die Kritik berechtigt ist, aber zumindest bei meinen Testlesern war sie das immer!

Wie finde ich einen Lektor?

Der VFLL hat eine wunderbare Datenbank, die man sowohl nach Fachgebieten als auch nach Leistungen (z. B. Korrektorat, Übersetzen, Lektorat) filtern kann. Viele freie Lektoren haben da ein aussagekräftiges Profil inklusive Referenzen, sodass interessierte Autoren einen ganz guten Einblick bekommen können.

Sollte man, um den richtigen Lektor für sich zu finden, einen Probetext lektorieren lassen?

Da gehen die Meinungen unter Kollegen auseinander. Ich spreche mich ganz klar für Probetexte aus, wobei ich mir die Arbeit daran auch bezahlen lasse. Mir hilft der Probetext, ein Gespür für den Text zu bekommen, das man definitiv nicht bekommt, wenn man mal schnell einen Textausschnitt überfliegt. Wenn ich aber ein Stück Text bearbeite, weiß ich viel eher, wie aufwändig das Lektorat für das gesamte Buch sein wird.

Außerdem merke ich, wie der Autor auf meine Vorschläge reagiert. Ich hatte manchmal Autoren, die – bis auf die Rechtschreib- und Kommafehler, über die man nicht diskutieren kann – grundsätzlich all meine Verbesserungsvorschläge ablehnten, weil sie den Text für perfekt hielten, so wie er war. Ich habe mich dann gefragt, warum sie eigentlich mit mir zusammenarbeiten wollten – und es abgelehnt, das komplette Manuskript für sie zu bearbeiten. Hätte ich den Probetext nicht gehabt, hätte ich vielleicht später ein riesengroßes Problem bekommen. Die Chemie zwischen Autor und Lektor muss unbedingt stimmen, sonst kann das nichts werden.

Und natürlich muss dem Lektor der Text liegen. Ob mir ein Text liegt, merke ich aber erst, wenn ich zumindest einen Teil davon schon bearbeitet habe.

Was ist ein guter Lektor?

Ein guter Lektor macht den Eindruck, dass er etwas von seiner Arbeit versteht. Er kennt die Rechtschreib- sowie die Kommaregeln und kann all seine Entscheidungen jederzeit begründen (und in seltenen Fällen muss er das auch – mit Hilfe von Duden & Co.). Er deckt Wortwiederholungen und Stilbrüche auf und moniert unverständliche Schachtelsätze. Und er findet Inhaltsfehler, die weder dem Autor noch seinen Testlesern aufgefallen sind. Ein guter Lektor streicht außerdem sehr viel, denn so gut wie jeder hat die Angewohnheit, mehr zu schreiben, als nötig ist. Damit meine ich nicht nur die Wiederholung ganzer Textpassagen, sondern auch unnötige Füllwörter und überflüssige Adjektive. Bei einem guten Lektor sind nach getaner Arbeit so viele Textstellen rot, dass es fast schon sein kann, dass der Autor in Schockstarre verfällt. Aber wenn sich der Schreck gelegt hat, sollte der Autor erkennen, dass der Lektor oft Recht hat.

Ein guter Lektor hat übrigens nicht immer Recht. Nicht alle Änderungen, die ein Lektor vorschlägt, müssen umgesetzt werden. Aber der Autor sollte so viele Vorschläge umsetzen, dass nach getaner Arbeit beide Seiten zufrieden sind.

Und: Ein guter Lektor nimmt nie Änderungen an Wörtern vor, die so in Ordnung sind, für die es aber noch eine ebenfalls akzeptierte Alternative gibt. Wenn sich der Autor für eine bestimmte Formulierung entschieden hat und die stilistisch und sprachlich in Ordnung ist, dann darf sie bleiben. Wenn der Autor allerdings mal die eine, mal die andere Variante benutzt, ist es legitim, wenn sich der Lektor für die Variante entscheidet, die er lieber mag. Aber einheitlich sollte die Verwendung dieses bestimmten Wortes dann schon sein.

Das Ziel ist ein zufriedener, dankbarer Autor, der den Lektor in seiner Danksagung erwähnt und ihm ankündigt, dass er weiterhin mit ihm zusammenarbeiten möchte. Und der Autor sollte trotz aller Textveränderungen nach wie vor das Gefühl haben, dass es ganz allein sein Text ist – und nicht der des Lektors.

Bezahltes Lektorat, ja oder nein?

Ich kenne einige wenige Menschen, die zwar nicht als Lektoren tätig sind, aber ein extrem gutes Gespür für Texte haben. Die könnten es eventuell schaffen, auch ohne Lektorat zu einem Verlagsvertrag zu kommen. Für alle anderen aber gilt: Wenn ihr wirklich bei einem Verlag punkten wollt, dann kann sich ein Lektorat durchaus lohnen, denn mit Hilfe eines guten Lektors wird aus einem mittelmäßigen Text ein guter Text – und aus einem guten Text ein wahres Juwel.

Ja, ich gebs zu: Auch hier kenne ich ein Beispiel von jemandem, der es ohne Lektorat zu einem Verlagsvertrag geschafft hat. Aber ich kenne wirklich nur ein einziges …

Wie viele Lektoratsdurchgänge sind üblich?

Die Angebote der Lektoren sind da sehr unterschiedlich. So viele Lektoratsdurchgänge wie bei mir sind eher eine Seltenheit. Ich mache in der Regel 3 Durchgänge, bei denen ich den Text bearbeite und dabei komplett lese. Ab dem vierten Durchgang geht es nur noch darum, die übrigen offenen Textstellen zu finalisieren und die restlichen Kommentare umzusetzen. Der erste Durchgang dauert sehr lange, danach geht es immer schneller. Bei den letzten Durchgängen schaue ich wirklich nur noch die Passagen an, bei denen noch etwas geändert wurde.

Erscheint das Buch bei einem kleineren Verlag, der kein separates Korrektorat hat – oder auch im Eigenverlag –, dann schaue ich mir am liebsten auch noch mal die gesetzte Version an, da sich da erfahrungsgemäß noch einige Fehler einschleichen. Denn wer bei der Lektüre einen dieser Fehler entdeckt, wird denken, der Lektor sei mal wieder schuld. Deshalb ist es mir lieber, ich habe da noch mal die Chance zu intervenieren. Der letzte Korrekturschritt ist mir auch deshalb wichtig, weil ich mir da das Manuskript ausdrucke, es laut lese und dabei auf Papier korrigiere. Da finde ich oft noch ein paar wenige Sachen, die mir vorher entgangen sind.

Hilfe! Der Lektor hat sich meinen Probetext vorgenommen und es ist alles rot! Sollte ich das Schreiben aufgeben?

Nein. Es kommt ganz darauf an, was der Lektor sonst noch dazu sagt. Wenn ich z. B. sage, dass ein Text zwar aufgrund der Korrekturen ziemlich schlimm aussieht, aber dass ich trotzdem Potenzial sehe, dann meine ich das auch so. Wenn ein Autor in so einem Fall nicht vor Schreck gleich das Handtuch wirft, sondern die Kritik einige Tage sacken lässt und dann versucht, das, was er für sinnvoll erachtet, umzusetzen, dann kann daraus ein tolles Gemeinschaftsprojekt werden. Wenn der Lektor euch allerdings empfiehlt, euch erst mal einen Co-Autor zu suchen und dann ggf. noch mal ein Lektorat in Anspruch zu nehmen, dann ist schon einiges im Argen.

Der Lektor, mit dem ich unbedingt zusammenarbeiten wollte, hat einen Blick auf mein Manuskript geworfen und dann die Zusammenarbeit mit mir komplett abgelehnt. Warum?

Vielleicht hat er einfach zu viele Aufträge und möchte euch nicht zu lange warten lassen. Oder aber das Thema liegt ihm nicht. Wenn ich in einen Text reinschaue und mich nicht zumindest irgendetwas fesselt oder neugierig macht, dann lehne ich die Zusammenarbeit lieber gleich ab. Brenne ich nicht für den Text, kann ich dem Autor gegenüber auch nicht enthusiastisch und zuversichtlich sein. Dann hätte ich Angst, dass ich nicht die Qualität abliefern könnte, die ich von mir selbst erwarte. Das muss übrigens nicht zwangsläufig heißen, dass das Manuskript schlecht ist. Vielleicht liegt mir einfach das Thema nicht, aber eine Kollegin kann sich durchaus dafür begeistern.

Welchen Rat kannst du angehenden Autoren mit auf den Weg geben?

Wenn ihr es wirklich ernst meint, dann gebt nicht gleich auf, wenn ihr Rückschläge einsteckt. Ihr könnt immer dazulernen. Wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr gute Geschichten erzählt, aber es mit der Rechtschreibung hapert, dann besorgt euch ein Buch zum Thema gutes Deutsch. Wenn ihr gerne schreiben wollt, aber euch nichts einfällt, belegt doch mal ein Seminar für kreatives Schreiben. Wenn euch der Austausch fehlt, trefft euch mit Gleichgesinnten und holt deren Meinung ein, auch wenn das Feedback hart sein mag. Irgendwann werdet ihr euren ersten Text mit anderen Augen sehen und erfreut feststellen, wie viel ihr dazugelernt habt. Eine Alternative, etwas dazuzulernen, ist, mit einem Lektor zusammenzuarbeiten.

Gibt es Bücher, die du Einsteigern empfehlen kannst?

Klar. Aber da der Wissensstand jedes Lesers anders ist, kann ich schlecht Pauschalempfehlungen machen. In meiner Lektoratszeit haben mich vor allem folgende Bücher geprägt: Walter Heuers „Richtiges Deutsch“, Wolf Schneiders „Deutsch für Kenner“ und Klaus Mackowiaks „Die 101 häufigsten Fehler im Deutschen“. Der gelbe und der grüne Duden sind unverzichtbare Nachschlagewerke.

Als Autorin haben mich Stephen Kings „On Writing“ und Titus Müllers „Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben“ inspiriert.

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