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Fehler

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Welche typischen Anfängerfehler passieren Schreibenden deiner Meinung nach am häufigsten?

  • Fehler 1: Extrem viele Rechtschreibfehler: Bevor ich ein Manuskript an eine Lektorin oder irgendeine andere Verlagsmitarbeiterin schicke, würde ich erst mal die Autokorrektur meines Textverarbeitungsprogramms drüberlaufen lassen. Das dauert auch bei langen Texten nicht ewig und man wird es euch danken.
  • Fehler 2: Kommafehler: Die Kommaregeln sind eigentlich nicht schwer – und seit der Rechtschreibreform sind sie sogar sehr flexibel. Klar muss man nicht alle Regeln können, aber ein paar Grundregeln wären nicht schlecht. Wo ihr die findet, steht bei „Lektorat“ unter dem Punkt „Gibt es Bücher, die du Einsteigern empfehlen kannst“
  • Fehler 3: Die Erzählperspektive stimmt nicht: Da wählen Autoren z. B. einen personalen Erzähler, aber immer mal wieder bauen sie Stellen ein, an denen der Erzähler plötzlich Dinge weiß, die er nur wissen könnte, wenn er ein auktorialer Erzähler wäre. Achtet also darauf, in eurer Erzählperspektive konsequent zu bleiben. Natürlich ist es nicht verboten, die Perspektive zu wechseln, aber dann bitte so, dass es sowohl für den Lektor als auch für die Leser nachvollziehbar ist.
  • Fehler 4: Wort- oder Satzbauwiederholungen: Wenn ihr euren Text überarbeitet, achtet auf Wortwiederholungen. Mit am häufigsten sehe ich, dass etliche Sätze in Folge im Verb ein „war“ oder ein „hatte“ haben und dann auch noch alle mit dem gleichen Subjekt beginnen. Man kann schon mal ein Wort wiederholen, auch eine Satzstellung, aber dann bitte gezielt.
  • Fehler 5: Stilbrüche: Wenn ein Buch in umgangssprachlichem Plauderton geschrieben ist, kein Problem. Aber wenn der Erzähler dann plötzlich 20 Fremdwörter nacheinander einbaut, stimmt irgendwas nicht. Haltet den gewählten Stil durch und brecht ihn nur, wenn ihr das wirklich beabsichtigt, z. B. wenn ihr durch die Wortwahl in direkter Rede unterschiedliche Bildungsniveaus skizzieren wollt.
  • Fehler 6: Anglizismen: Die sind sicher nicht immer falsch, aber fast in jedem Manuskript finde ich irgendwo ein „realisieren“ im Sinne von „erkennen“, aber noch heißt „realisieren“ im Deutschen nur „umsetzen“, sonst nichts. Bei manchen Anglizismen muss man inzwischen schon differenzieren. Sagt der Ich-Erzähler, dass etwas Sinn macht, dann streiche ich das in der Regel an, weil man es sicher besser sagen kann. Aber ist der Protagonist ein Amerikaner, der in der wörtlichen Rede feststellt, dass etwas Sinn macht, dann wäre es in meinen Augen ein Fehler, ihn sagen zu lassen, dass es Sinn ergibt.
  • Fehler 7: Dialoge von einem anderen Stern: Bitte lest euch eure Dialoge laut vor, wenn ihr sie geschrieben habt, und fragt euch, ob es realistisch ist, dass jemand so etwas sagt. Kürzt gerne ab und macht in der direkten Rede aus „Ich habe das eruiert“ „Ich hab da was rausgekriegt“, zumindest, wenn euer Protagonist ein Jugendlicher und kein Professor ist.
  • Fehler 8: Schachtelsätze: Bitte vermeiden. Schachtelsätze sind nur dann in Ordnung, wenn sie trotzdem noch leicht lesbar sind. Leider gelingt das den wenigsten Autoren, von daher: Im Zweifelsfall lieber mehrere Sätze draus machen.
  • Fehler 9: Unkonkrete Aussagen: Was erzeugt mehr Bilder im Kopf? „Sie hörte Musik.“ oder „Sie drehte das Autoradio lauter und sang zu Adeles ‚Hello‘.“? Ihr kennt die Antwort, daher: Bitte werdet konkret, fokussiert euch auf Kleinigkeiten, die eure Geschichte echt wirken lassen, aber:
  • Fehler 10: Unterlasst unnötige Beschreibungen: Nicht gleich auf der ersten Seite muss man genau wissen, wie alle Protagonisten eines Buchs aussehen. Und man muss es dem vielbeschäftigten Leser auch nicht zumuten, die Routine des Protagonisten in aller Ausführlichkeit zu lesen. Lasst das alles weg und beginnt da, wo es spannend wird!
  • Fehler 11: Nominalstil: Macht es euren Lesern so einfach wie möglich, euch zu verstehen. Ein guter Schreiber kann die schwierigsten Dinge so einfach ausdrücken, dass ihn jeder versteht. Schwer verständlich werden Sätze durch sogenannten Nominalstil. Das heißt, dass der Autor ein Substantiv ans andere reiht. Es ist immer besser, mehr Verben einzubauen und dabei kurze, einfache Wörter zu verwenden. Beispiel: „Der Beschluss zur Modifikation der Allgemeinen Geschäftsbedingungen wurde in Erwägung gezogen.“ Leichter verständlich wäre: „Die Geschäftsführer dachten darüber nach, die AGB zu überarbeiten.“
  • Fehler 12: Füllwörter: Offenbar scheinen Autoren davon überzeugt zu sein, dass möglichst viele Adjektive einen Text ganz besonders anschaulich machen. Lasst das bleiben! Na, wer hat die zwei überflüssigen Wörter im ersten Satz bemerkt? Wenn etwas offenbar irgendwie ist, dann muss es nicht auch noch so scheinen – eins der Wörter ist überflüssig. Und welchen Unterschied macht es, ob die Adjektive den Text „ganz besonders“ oder einfach nur „besonders“ anschaulich machen?
  • Fehler 13: Abgedroschene Floskeln: Aus irgendeinem Grund ist das der Punkt, der den Autoren am wenigsten einleuchtet. Da werden fleißig Blicke geworfen, bis alle knallrot sind, auch wenn die Nacht pechschwarz ist und das Wasser im Bach leise plätschert, während sich Hinz und Kunz hassen bis aufs Blut und dann bald die Flinte ins Korn werfen. Tja, leider haben es abgedroschene Floskeln an sich, dass sie nicht nur den Lektor gähnen lassen. Entweder lasst ihr also die abgedroschenen Vergleiche ganz weg und nehmt lieber einfache Wörter für eure Beschreibungen – oder ihr überlegt euch einen komplett neuen, aber originellen Vergleich, der zum Text passt. Wer mal sehen will, wie das die Profis machen, dem sei Jojo Moyes‘ „Ein ganzes halbes Jahr“ empfohlen (in dem übrigens auch kein einziges Adjektiv zu viel ist …). Kleiner Tipp am Rande: Wenn ich schreibe, verwende ich durchaus abgedroschene Floskeln, aber ich markiere sie auch gleich im Text – und wenn ich den dann überarbeite, werden die bösen Dinger alle ersetzt oder rausgeschmissen.
  • Fehler 14: Zu lange Sätze, zu viel Information: Überlegt euch bei jedem einzelnen Wort, ob ihr es wirklich braucht oder ob der Leser nicht genau das Gleiche auch mit der Hälfte der Wörter verstehen würde. Besonders oft überflüssig ist es, wenn man beschreibt, wie Personen reagieren, wenn sie etwas hören. Verhalten sie sich so, wie man es standardmäßig in der Situation tun würde, dann brauche ich das nicht zu erwähnen – zumindest nicht jedes Mal. Verhält sich dagegen ein Protagonist anders, als es der Leser wahrscheinlich erwartet, dann würde ich das schon auch schreiben. Beispiel: „‚Ich hasse dich so sehr‘, schrie Anna wütend, warf Anton einen bösen Blick zu, drehte sich um und stürmte davon.“ Besser wäre: „‚Ich hasse dich so sehr‘, schrie Anna, drehte sich um und rannte davon.“
  • Fehler 15: Zu komplizierte Sätze, zu wenig Interaktion: Klar hat jeder den Wunsch, von anderen geschätzt zu werden. Manche Autoren glauben, dass man sie höher schätzt, wenn sie sich möglichst kompliziert ausdrücken, denn das lässt sie doch intelligenter erscheinen. Oft sind das dann auch diejenigen Autoren, die sich scheuen, Dialoge einzubauen. Nur: Der Text liest sich dann wie ein nicht besonders leserfreundlich geschriebener wissenschaftlicher Text, daher: Kurz, knapp, einfach – und Dialoge einbauen, die das Leben schreibt.
  • Fehler 16: Freude am Passiv: Man darf schon mal das Passiv verwenden. Aber wenn ihr wollt, dass man euch versteht, dann schreibt im Aktiv, wo es nur geht. Das wirkt persönlicher und lebendiger.
  • Fehler 17: Die Leser belehren: Ich liebe gerade Kinderbücher mit pädagogischem Wert. Solange der erhobene Zeigefinger gut versteckt ist, finde ich das auch völlig in Ordnung. Anstrengend für die Leser wirds hingegen, wenn man ihnen das Gefühl gibt, dass man sie für doof hält und ihnen etwas beibringen möchte. Eng damit verbunden ist die Angewohnheit, Dinge explizit zu sagen, anstatt dem Leser die Möglichkeit zu geben, sie sich selbst zu erschließen. Natürlich will ich jetzt nicht dazu auffordern, in Rätseln zu schreiben. Wie bei vielem müsst ihr da vermutlich einfach einen guten Mittelweg finden. In Jonas Jonassons „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ gibt es z. B. immer Rückblenden in die Jugend des Protagonisten, der sich durch merkwürdige Zufälle mit bedeutenden Menschen aus der Vergangenheit anfreundet. Einer dieser Menschen, Harry Truman, muss sozusagen fast nur noch auf einen Knopf drücken, um die Erfindung eines Herrn Oppenheimer über einer Insel im Pazifik abzuwerfen. Dann steht da: „Es war der 6. August 1945.“ Auf diese Weise hat jeder halbwegs gebildete Leser verstanden, was Sache ist, aber er ist glücklich, weil er sich den Kontext selbst erschließen durfte.

Welche Anfängerfehler hast du sonst noch so erlebt?

Ich staune immer wieder über die Reaktion beleidigter Autoren auf schlechte Rezensionen. Da wird von einem enttäuschten Käufer das eigene Buch verrissen – und schon wird der Autor ausfallend. Bitte nicht auf solche Verrisse reagieren, das würde kein gutes Licht auf euch werfen. Klar: Über schlechte Rezensionen ärgert man sich, man zweifelt an seinem Können, aber irgendwann lernt man auch, drüberzustehen.

Ein weiterer Fehler, den ich zugegebenermaßen auch schon selbst begangen habe: Buch fertig geschrieben und zack – ab damit an den Verlag. Auch wenn es schwer fällt: Bitte erst mal ein paar Tage liegen lassen, besser noch ein paar Wochen oder Monate, dann wieder anschauen, überarbeiten und sich freuen, dass man sich einige Peinlichkeiten erspart hat.

Was war dein schlimmster Anfängerfehler?

Ich bin neu in einem Netzwerk gewesen und habe in lockerem Plauderton irgendetwas erzählt, was für mich total eindeutig war. Nur: Es kam bei den Mitlesenden komplett anders an – und zwar gar nicht gut. Daher: Wenn ich jetzt irgendwo neu bin und nicht weiß, wie die Leute ticken oder ob man das, was ich zu sagen habe, so versteht, wie ich es meine, dann halte ich mich lieber erst mal bedeckt.

Ein weiterer blöder Fehler: Ich hatte auf der Buchmesse Kontakt mit einer Verlegerin, die mir spontan einen Gesprächstermin gegeben hat und die mir auch sehr sympathisch war und nach der Messe auf meine Bewerbungsunterlagen wartete. Die hab ich dann geschickt, mit dem Hinweis, dass ich – so ist das halt bei Lektoren oft – ein paar Fehlerchen auf ihrer Webseite gefunden hätte und dass ich sie ihr gerne bei Interesse kundtun könnte. Erstaunlicherweise (Vorsicht, Ironie!) habe ich nie wieder etwas von diesem Verlag gehört.

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