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Tanja Suppiger: Hochsensibilität ist kein Fluch

Zitat für Pinterest zum Thema hochsensible Eltern

Tanja coacht vor allem hochsensible Frauen, weil sie selbst hochsensibel ist. Bin ich übrigens auch, worüber ich aber noch nie öffentlich gesprochen habe, weil es mich nicht stört. Im Gegenteil. Ich empfinde es als Segen. Tanja auch. Gefunden habe ich sie über ein Video, das mich sehr berührt hat. Und hier ist es:

Nachdem ich das gesehen hatte, musste ich Tanja einfach ein paar Fragen stellen:

Wieso tust du das, was du tust – und wie bist du dazu gekommen?

Ich tue, was ich tu, weil irgendwann mal jemand in meiner Brust extrem rebelliert und mein Leben in Frage gestellt hat. Es war mein Herz. Es hat gefragt, was ich hier so ganz genau tu. Und ob ich das Leben, das ich gerade führe, so weiterführen möchte.

Die Rebellion ging so lange, bis ich wirklich mal ganz genau hingeschaut habe. Und verstanden habe, dass ich nicht mein erlernter Beruf oder der Titel Zahntechnikermeisterin bin. Sondern mein ganz individuelles Werk. Mein eigenes HerzBauchWerk. Und das wollte ich mit vielen Menschen teilen. Denn jeder Mensch auf diesem Planeten ist ganz wundervoll. Herzen zum Leuchten zu bringen, ist eine wunderschöne Arbeit.

Das alles ist nicht von heute auf morgen geschehen, sondern war ein Prozess. Ganz viele Wendepunkte haben mich dorthin gebracht, wo ich heute bin:

  • der Mut, einfach aus dem schlechten Gefühl auszusteigen und den Job ins Blaue hinein zu kündigen, im Vertrauen, dass etwas Besseres kommen würde.
  • die Erkenntnis, dass Karriere nicht alles ist.
  • vieles loszulassen, um voll und ganz Mama zu werden.
  • den Mut zu haben, sich als Mama und Mompreneur neu zu erfinden.
  • dem Ruf des Herzens zu folgen und einfach mal zu machen. Im Rahmen der eigenen Möglichkeiten.

Wie hast du deine eigene Hochsensibilität entdeckt?

Eigentlich gab es da nicht viel zu entdecken. Mir war schon von Kind an bewusst, dass ich sensibel bin. Es wurde mir auch immer wieder gesagt und unter die Nase gehalten. Vielmehr war es für mich ein großer Prozess, meine Hochsensibilität anzunehmen, die großen Gaben darin zu entdecken und zu trainieren, meiner Wahrnehmung zu vertrauen und als Letztes auch es nach außen zu tragen, dass ich hochsensibel bin.

Ich bin keine Freundin von Schubladendenken und hab lange die Definition Hochsensibilität außen vor gelassen. Bis ich erkannt habe, dass ich mit meinem Wirken hochsensible Frauen, wie ich eine bin, anspreche. Wir Menschen brauchen heute noch Definitionen als Orientierung. Deshalb spreche ich oft von Hochsensibilität.

Wenn man sich so umhört, scheinen ganz viele Hochsensibilität als Handicap zu empfinden. Ich persönlich empfinde sie zu 95 % aber als Gabe und nicht als Hindernis. Wie siehst du das? Hat sich das im Laufe der Zeit bei dir verändert?

Ich sehe das genauso wie du. Hochsensibilität ist eine riesengroße Gabe. Ja sogar ein Power-Tool. Wir müssen nur lernen, sie richtig nutzen zu können. Wir leben in einer Gesellschaft, die immer abgestumpfter wird, sich immer mehr im Außen zu orientieren scheint. Vieles ist irgendwie künstlich aufgepusht und aufgebauscht. Das Leben ist laut, hektisch und schnell geworden. Leistungsdruck macht sich schon in der Schule bemerkbar.

Das sind alles Einflüsse, die für viele Hochsensible nur sehr schwer zu verarbeiten sind, wenn man sich nach dem Außen orientiert und dort mit halten will. Deshalb ist der Ansatz meiner Arbeit immer der, meine Klientinnen mit ihrer Mitte, ihrer Essenz zu verbinden und zu zeigen, dass sie vollkommen okay sind, so wie sie sind. Dass einfach die Welt da draußen etwas anders tickt als sie. Und sie lernen dann, auf sich, das eigene Wahrnehmen, das eigene Energiefeld zu vertrauen und bei sich zu bleiben. So werden sie nicht mehr so schnell von äußeren Einflüssen weggetragen.

Schweizer Frau in der Natur

Coach Tanja Suppiger (Foto: privat)

Kurz zusammengefasst: Wenn jemand die Hochsensibilität als Last empfindet, was wird da dann meist als das Schlimmste daran wahrgenommen?

Hochsensible fühlen sich oft als schwach und verletzbar. Weil sie sehr feinfühlig sind. Sie spüren auch, wenn ein Gegenüber nicht ehrlich ist. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie mich das fertiggemacht hat, wenn ich Menschen zu gehört hab, die mir was erzählten, und gefühlt hab ich genau das Gegenteil. Lange habe ich das verdrängt oder mir eingeredet, dass ich falsch fühle. Sich von diesen Gefühlen und der Wahrnehmung wegtragen zu lassen und nicht mehr klar denken zu können und bei sich zu sein, das ist wohl das, was Hochsensible als Last empfinden. Es bringt das Gefühl zum Vorschein, in dieser Welt nicht richtig funktionieren zu können und schwach zu sein. Man hat dann immer das Gefühl, sich vor diesen Einflüssen schützen zu müssen. Viele Hochsensible verkriechen sich und gehen deshalb keine Freundschaften mehr ein.

Und wie verändert sich das im Laufe des Coachings? Kannst du da ein Beispiel nennen bzw. wie läuft so ein Coaching eigentlich ab?

In meinen Coachings zeige ich meinen Klientinnen erst einmal auf, dass ihre eigene Wahrnehmung richtig ist. Und ich zeige, dass wir uns nicht schützen müssen, sondern erst einmal unsere hochsensiblen Kanäle annehmen sollen. Ich zeige, wie man in seine Mitte kommt. Dem Ruf des eigenen Herzens lauschen kann. Die eigenen Bedürfnisse erkennen und vor allem annehmen kann. Denn Hochsensible haben andere Bedürfnisse als die „Normalos“. Ich zeige auch auf, dass es kein Besser oder Schlechter gibt zwischen Hochsensiblen und normal tickenden Menschen (wobei ich ja finde, dass es kein „normal“ gibt, aber das ist ein anderes Thema).

Das Wichtigste, was wir kennen lernen, ist das eigene Energiefeld und wie man es stärkt und ausdehnt, damit man sich nicht mehr von diesen fremden Energien wegtragen lässt und geerdet ist. Wir schaffen Ordnung in den Gedanken und kreieren ein neues Mindset.

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Auf welche Weise machst du Hochsensiblen Mut?

Ich möchte den Hochsensiblen zeigen, dass es vollkommen okay ist, sensibel und feinfühlig zu sein, dass wir nicht schwach sind oder nicht richtig funktionieren in einer Welt, die nicht zu uns zu passen scheint. Ich möchte den Hochsensiblen zeigen, dass es auch an der Zeit ist, sich zu zeigen und dazu zu stehen, um die Welt da draußen ein bisschen gefühlvoller zu machen. Wir sollten uns nicht verstecken.

Mein Video zeigt kurz und knapp meine Message.

Gibt es große Unterschiede zwischen hochsensiblen Erwachsenen und hochsensiblen Kindern?

Eigentlich nicht. Es gibt nur einen Stolperstein oder eine Abwärtsspirale im Umgang mit hochsensiblen Eltern und Kindern. Hochsensible Eltern wollen für ihre Kinder nur das Beste.

Stell dir jetzt mal eine hochsensible Mutter vor, die ihre Hochsensibilität mehr als Fluch statt als Segen ansieht, weil sie selber schon von Kind an erfahren hat, dass Hochsensibilität etwas Schlechtes ist, dass sie schwach und viel zu emotional ist. Es liegt auf der Hand, dass sie sich für ihr Kind nicht dasselbe wünscht. Hat sie also nie gelernt, ihre Hochsensibilität anzunehmen, wird sie Mühe damit haben, sie beim eigenen Kind anzunehmen. Denn Kinder sind unsere größten Meister und Spiegel. Übrigens finden Frauen oft durch ihre hochsensiblen Kinder zu ihrer eigenen Hochsensibilität, weil sie durch die Kinder damit konfrontiert werden.

Das Kind will aber einfach nur so wahrgenommen und angenommen werden, wie es ist. Viele hochsensible Eltern wollen ihr Kind stärken, wünschen sich, dass es nicht so viel leidet. Das Kind bekommt bewusst oder unbewusst das Gefühl, dass es so, wie es ist, nicht richtig ist. Da Hochsensible sehr anpassungsfähig sind, fängt es an, sich anzupassen. Was, wie wir wissen, sehr anstrengend sein kann.

Ich beobachte bei meinem Sohn, der gerade angefangen hat mit dem Kindergarten, dass er sich dort sehr stark anpasst, gut sein möchte, dazugehören möchte. Kommt er nach Hause, in seinen sicheren Raum, kommt es oft vor, dass er den Druck in Form von Aggressionen loswerden muss. Das ist für mich als Hochsensible nicht immer angenehm. Oder besser gesagt: nie angenehm. Ihm aber den geschützten Raum zu ermöglichen, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen, sie zu spüren und sich zu Hause nicht auch anpassen zu müssen, das ist meine große Aufgabe als Mutter. Die Challenge für mich besteht darin, seine Emotionen anzunehmen, in meiner Energie zu bleiben und nicht auch in seine Wut mit einzusteigen. Manchmal braucht es auch einfach nur eine tiefe, innige Umarmung in dieser emotionalen Phase und die Worte: „Ich liebe dich so, wie du bist!“

Zitat für Pinterest zum Thema hochsensible Eltern

Gekürztes Statement von Tanja Suppiger zur Hochsensiblität

Wenn ich mich auf deiner Webseite umschaue, dann fallen mir sofort folgende Wörter ins Auge: Attachment Parenting, bedürfnisorientiert, Intuition, selbstbestimmt gebären und Meditation. Alles Themen, die mir auch wichtig sind. Meine Intuition sagt mir, dass diese Einstellung zum Leben sehr oft mit einer angenommenen, positiv empfundenen Hochsensibilität konform geht. Siehst du das auch so? Und falls ja: Warum bzw. inwiefern hängt das miteinander zusammen?

Absolut. Ich bin ja der Meinung, dass die ganze Attachement-Parenting-Bewegung von hochsensiblen Menschen ins Leben gerufen wurde. Hochsensible Eltern denken halt einfach in größeren Zusammenhängen, sie verstehen, dass alles miteinander verbunden ist, und können sich in andere Menschen hineinfühlen. Ihre Gedanken gehen immer sehr tief und sie sind sich der Konsequenzen ihres Handelns bewusst. Hochsensible sind oft Menschen mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein.

Da Hochsensible eine sehr feine Wahrnehmung haben und sich der Macht ihrer Gedanken bewusst sind, finde ich es sehr wichtig, dass sie ihre Intuition und ihr Mindset trainieren. Meditation ist ein wunderbares Werkzeug dafür. Nur so am Rande möchte ich noch erwähnen, dass ich keinen sensitiven oder medialen Menschen kenne, der nich hochsensibel ist. Das alles läuft ineinander.

Das selbstbestimmte Gebären ist ein großes Herzensthema von mir. Deshalb biete ich auch mentale Geburtsvorbereitung an. Hochsensible Frauen sind anders schwanger, gebären anders. Sie haben andere Bedürfnisse. Ihnen ist zum Beispiel die Verbundenheit zum Baby sehr wichtig und sie können die kleine Seele oft sehr gut wahr nehmen.

Viele Hochsensible haben eine Abneigung gegen Krankenhäuser und Ärzte und haben Mühe damit, von fremden Personen umgeben zu sein. Deshalb ist es wichtig, dass eine Hochsensible sich bewusst macht, was sie braucht, um in ihrer Kraft gebären zu können. Was sie braucht, damit sie sich sicher und beschützt fühlt unter der Geburt. Hier arbeiten wir auch sehr stark damit, dass wir die eigenen Bedürfnisse erkennen, am Mindset arbeiten, den Geburtsraum kreieren, den die Frau oder das Paar braucht, um im Vertrauen und der eigenen Kraft bleiben zu können. Interventionen werden von Hochsensiblen immer viel stärker empfunden als von anderen Frauen.

Kraftbild Lebensbaum

Einer von Tanjas LebensBäumen

Du malst. Unter anderem LebensBäume. Kannst du mal erklären, was es damit auf sich hat?

Meine LebensBäume machen das sichtbar, was ich wahrnehme, wenn ich mich mit einem Menschen medial verbinde. Ich nehme seine Essenz wahr und bringe sie auf Papier. Es entstehen viele Symbolbilder, verschiedene Aspekte. Meine LebensBäume sind individuelle Kraftbilder. Mir werden verschiedene Lebensthemen gezeigt und zum Schluss bringe ich diese zu Papier. Zu jedem Lebensbaum gibt es eine Anleitung, um ihn selber zu lesen, und eine kurze, schriftliche Deutung von mir, wo ich erkläre, was ich in welchem Bereich empfangen hab.

Ein LebensBaum kann viele Bereiche aufzeigen: Die eigenen Wurzeln, Glaubensmuster, das Lebensthema, die eigene Essenz. Er kann zeigen, was der Mensch braucht, um sich selber leben zu können, aus vollstem Herzen heraus.

Zum Schluss meine fast schon traditionelle Abschlussfrage: Welche Bücher aus deiner Kindheit haben dich geprägt?

Die Bücher, die mich am meisten geprägt haben, sind wohl die Geschichten aus dem Fabelwald vom Mondo-Verlag. Ich konnte die wunderschönen Bilder von Tony Wolf stundenlang bestaunen.

Herzlichen Dank für dieses wunderbare, inspirierende Interview, liebe Tanja. Und wer sich jetzt mehr mit der eigenen Hochsensibilität beschäftigen möchte, für den gibt es bei Tanja einen Online-Kurs, der am 15. Januar 2018 startet. Es geht darum, Hochsensibilität zu erfahren, sie anzunehmen und sie als Power-Tool zu erkennen.

Werbung Kurs für Hochsensible, um Hochsensibilität als Power-Tool zu erkennen

Tanjas Online-Kurs für Hochsensible

Mehr über Tanja erfahrt ihr auf ihrer Homepage.

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