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Restaurant Terrasse Spanien

Reizthema Essen: Vom Olivenbaby zum Ketchupmonster

Restaurant Terrasse Spanien

Babybrei? Nein, danke!

Ach, was war dieser Urlaub in Spanien entspannend! Nervig nur: die gefühlten 23.000 Gläschen im Gepäck, die fast den kompletten Kofferraum unseres Autos einnahmen.

Und dann, eines Tages in einem Restaurant passierte es: Das Baby schnappte sich eine Olive. Und noch eine. Und noch eine. Irgendwann sahen die Backen aus, als hätte das Kind einen dieser Noppenmassagebälle verschluckt. Aber Baby war happy.

Und zack, vorbei war die Gläschenzeit – Maxi aß fortan eigentlich alles, was fest war. Aber wehe, man kam wieder mal mit Brei, oh, die Empörung war unüberhörbar!

Kaum hatte das inzwischen ebenfalls anwesende Baby 2 den Greifreflex perfektioniert, stopfte es sich wie die Schwester alles in den Mund, was es in die Finger bekam. Das durfte es auch – von Anfang an, denn inzwischen hatte ich von baby-led weaning gehört.

Offenbar wirkte Babys Hang zum Vielfraß allerdings sehr abschreckend auf die größere Maxi. Fortan verweigerte sie fast alles.

Restaurant Terrasse Spanien

Restaurant einer spanischen Jugendherberge

Und heute? Essen kochen ist irgendwie sinnlos …

Heute ist Maxi ein Schulkind. Leider gibt es in der Schule nicht mehr wie im Kindergarten die liebevolle Köchin, die für alle bio und für meine Kinder sogar vegan kocht. Deshalb koche ich lieber selbst, und zwar zwischen 5 und 6 Uhr morgens (mit veganer Ernährung ist der konventionelle Caterer hoffnungslos überfordert).

Anfangs dachte ich mir noch: Machen wir es doch wie im Kindergarten: Vielfältiges Essen mitgeben – wenn sie Hunger hat, wird sie es schon essen – was im Kindergarten wundersamerweise nämlich immer funktioniert hat. Gruppenzwang lässt grüßen. Aber nix wars. Vermutlich koche ich einfach zu schlecht. 😉

Ja, was esst ihr denn dann überhaupt noch?

Inzwischen habe ich resigniert. Es gibt also nur noch das in der Warmhaltebox, was das Kind ganz sicher isst. Das da wäre: Ketchup. Gerne mit Pommes oder Veggie-Würstchen.

Nicht umsonst heißt es in meinem kleinen Milchvampirkleinen Milchvampir: „Ganz stolz isst er am Esstisch mit, am liebsten Ketchup mit Pommes frites.“ – und nicht umgekehrt.

Szene Esszimmer kleiner Milchvampir zur Muttermilch

Ketchup für den kleinen Milchvampir

Ansonsten: Alles andere mit Kartoffeln, aber bitte ohne Gemüse. Alternativ: Spaghetti (aber NUR Spaghetti, bloß keine anderen Nudeln) mit Tomatensoße – oder Tortellini mit Oliven- oder Trüffelöl (bei uns als „Grüffelöl“ bekannt – herzliche Grüße an Axel Scheffler und Julia Donaldson), dazu Salz und Parvesan.

Alle paar Tage wage ich dann doch mal wieder eine Alternative – und zu 50 % glückt das Experiment sogar. Deshalb denke ich, es ist nur noch eine Frage der Zeit. Es wird, es wird!

Entering the stage: Olivenmonster Nr. 2

Und Mini? Die macht ihrer Schwester inzwischen den Olivenmonster-Rang streitig und isst ansonsten die gleichen Sachen wie ihre Schwester – nur ohne Ketchup und ohne jegliche Soße. Öl genügt.

Ach, da fällt mir ein: Spinat lieben sie beide. Und in den lassen sich wunderbar gesunde Sachen schmuggeln. Chia zum Beispiel. Oder auch Giersch. Manchmal ersetze ich auch den kompletten Spinat durch Giersch. Merkt kein Mensch.

Mütter als Healthy-Food-Schmuggler

Tjaja, die geheimen Gesundheits-Tricks der Mütter. Dazu zählt auch, ab und zu Zucchini, Karotten oder Süßkartoffeln in den Kuchenteig zu schmuggeln. Ist der Kuchenteig schokoladig (alles andere wird ja eh verweigert), kann man auch Dinkelvollkornmehl nehmen, denn in der Kombi mit Schokolade schmeckt man keinen Unterschied.

Blätterteigtaschen sind ebenfalls praktisch, denn da sieht man nicht, was drin ist. Auch bei komplett pürierten Suppen oder Soßen habe ich manchmal Glück.

Mangel kennt der Kinderkörper nicht

Habe ich bei dieser trotz allem geringen Ausbeute Angst, dass meine Kinder an Mangelernährung zugrunde gehen?

Eigentlich nicht, nein. Ich beobachte sie genau. Sie essen nebenbei viel Obst und rohes Gemüse. Außerdem hören sie auf ihren Körper. Und der sagt manchmal: „Komm schon, iss dieses komische Zeug, auch wenn du nicht weißt, was es ist. Du brauchst es!“

Leider sagt der Körper solche Sachen meist nur einmal.

Freust du dich: „Oh, Kind isst Feldsalat!“ und kaufst in deiner Freude bald wieder welchen, kann es sehr gut passieren, dass er verweigert wird.

Aber was solls? Irgendwann wird der kindliche Körper bestimmt die nächste Bestellung aufgeben!

Was schon immer eine kulinarische Todsünde für meine Kinder war: Knoblauch – und Zwiebeln. Was ich beides trotzdem gern verwende, aber es müssen wirklich mikrobengroße Stücke sein, sonst werden sie sofort mit der Pinzette aus dem Essen gefischt.

Und jetzt: ein Buchtipp!

Übrigens möchte ich euch an dieser Stelle auch verraten, wem ich die Gelassenheit verdanke, mit der ich meinen kleinen Gourmet-Katzenkindern begegne: Herbert Renz-Polster. Er hat in „Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt“ (Kösel-Verlag) nämlich ein komplettes Kapitel dem Essen gewidmet.

Alles auch irgendwie logisch: Sobald die Kinder mobil genug sind, um sich von ihrer sicheren Milchquelle zu entfernen, schlägt das evolutive Warnsystem Alarm, denn es will ja nicht vergiftet werden. Ungefährlich ist nur, was bereits bekannt ist oder ungefährlich erscheint (z. B. Süßes).

Wie liebe Menschen dafür sorgen können, dass eure Kinder auch mal unbekannte Nahrungsmittel probieren, wie viele Male der Mensch etwas Neues probieren muss, bis er es tatsächlich mag – und warum ein aus heutiger Sicht total unethisches, aber sehr interessantes Experiment aus einem Kinderheim der 60er-Jahre vermutlich jede besorgte Mutter beruhigt … Das lest ihr am besten bei ihm selbst nach.

Cover Buch evolutive Entwicklung Babys und Kleinkinder

„Kinder verstehen“ von Herbert Renz-Polster

Das Thema Ernährung auf der FEBuB

Und auch an dieser Stelle sei noch mal gesagt: Wer Herbert Renz-Polster live treffen möchte, der kann das im November in Bochum tun, bei FEBuB, der Konferenz für bedürfnisorientierte Erziehung. Dort spricht er zwar nicht übers Essen, sondern über artgerechte Erziehung, aber es geht trotzdem ums Futtern. Meine Verlagskollegin Carmen Hercegfi erzählt euch nämlich, was Bindung mit Essen und Ernährung zu tun hat.

Ich bin dabei. Ihr auch?

Logo der bindungsorientierten Familienkonferenz im November 2017 in Bochum

Logo der FEBuB

Dieser Artikel ist im Rahmen der vom Elternhandbuch initiierten Blogparade „Essen für Kinder“ entstanden. Danke, Nicole und Heike, schöne Idee!

Alle anderen Artikel der Blogparade findet ihr hier direkt auf der Seite des Elternhandbuchs.

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