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Schneemann aus Knete

Scheiß auf Work-Life-Balance

Schneemann aus Knete

Stell dir vor, du willst die Kinder in den Kindergarten bringen, da sagt plötzlich Kind 1: „Mama, mir ist so schlecht, ich glaub, ich muss gleich kotzen.“

Kind 2: „Mir ist plötzlich auch ganz furchtbar schlecht, ich kann auch nicht in den Kindergarten!“

Großartig, denke ich. Der erste Tag seit einer Woche, an dem ich gehofft hatte, beide Kinder wären wieder gesund. Der erste Tag, an dem ich gehofft hatte, endlich mal wieder ordentlich was geschafft zu kriegen.

Also sage ich: „Okay, dann bleibt halt noch einen Tag da, aber ihr müsst euch wirklich mit euch selbst beschäftigen. Ich muss dringend ein paar Sachen machen, ich hab heute Morgen keine Zeit, mit euch zu spielen.

Wie viele Minuten kann sich ein Kind allein beschäftigen?

Ich sitze gerade mal 10 Minuten am Schreibtisch, ruft Mini: „Mamaaaaaaaaaaaaaaa!?????“

Ich eile zur kranken Kinderschar, frage in einem Tonfall irgendwo zwischen mitfühlend und genervt: „Was denn?“

Mini: „Ich will doch in den Kindergarten!“ Okay, also Kind angezogen, losgedüst und so spät vor Ort, dass schon wieder abgeschlossen ist. Nach peinlichem dreimaligen Klingeln erbarmt sich jemand, uns doch noch einzulassen.

Krank sein: Früher war alles anders

Ich bin ansatzweise erleichtert, denn Maxi kann sich immerhin schon halbwegs alleine beschäftigen. Wieder einmal denke ich zurück an die Zeiten, als ich früher als Kind krank zu Hause war. In meiner Erinnerung schlief ich den ganzen Tag, wurde von merkwürdigen Fieberträumen gequält, musste inhalieren oder bekam Wadenwickel. Ich war völlig ausgeknockt.

Irgendwas ist heutzutage anders: Krank heißt hier: Zu krank, um in den Kindergarten zu gehen, aber zu fit, um mehr als 3 Minuten ruhig und in Hoffnung auf Genesung darniederzuliegen.

Geschäftsgespräche im Home Office mit Menschen- und Hundekindern

Kaum bin ich jedenfalls wieder zur Tür rein, schreit der Mann: „Telefon für dich!“ Stimmt, da war ja der wichtige Geschäftstermin.

Maxi verspricht mir, in der Zeit ein Hörspiel zu hören. Ich atme mehrmals tief durch, bevor ich das Gespräch beginne. Kaum sind wir in medias res, unterbreche ich meine Gesprächspartnerin: „Moment kurz, der Hund kotzt gerade!“

Windhundmischling auf Sofa

Umsorgtes Familienmitglied: Der kranke Hund

Jaja, der Hund. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber ich kann die Uhr danach stellen, dass er immer zeitgleich mit den Kindern krank wird. Als würde er sich denken: Wenn ich da jetzt nicht mitziehe, finden mich die Menschenkinder bestimmt voll doof.

Vielleicht ists auch nicht nur psychologisch, sondern er kämpft tatsächlich gegen die gleichen Viren, schon möglich.

Seufzend stelle ich die vierte Waschmaschine in der Woche an.

Bevor ich mir das Telefon erkämpfe, um das zweite Geschäftsgespräch des Tages zu führen, registriere ich mit einem Blick ins Kinderzimmer, dass Maxi in sorgfältiger Arbeit den kompletten Boden mit feinsten Papierfizzelchen bedeckt hat. Das aufzusammeln macht fast genauso viel Spaß wie Knete aus den Sofaritzen zu pulen.

Schneemann aus Knete

Knetmännchen erfreuen sich in frisch gereinigten Wohnungen besonderer Beliebtheit.

Wieder einmal bin ich dankbar, dass die ich die wichtigsten Geschäftsbeziehungen entweder mit Menschen führe, die selbst Kinder – oder zumindest Verständnis für berufstätige Mütter haben.

Störfaktor Kirschbaum

Gerade als ich hoffe, nun endlich meinen Arbeitsrückstand aufholen zu können, klingelt es an der Tür: „Darf ich Ihren Kirschbaum abschneiden? Er wächst in die Stromleitung“, erklärt irgendein Typ in Arbeitskleidung. Mach, was du willst, Hauptsache, ich hab meine Ruhe.

Kurz darauf fällt der Strom aus. Hätte wir dem Kirschbaummann vielleicht doch lieber die Arbeit verbieten sollen …

Zweiter Versuch zu arbeiten. Es klingelt wieder. Diesmal: Die Post. Gerade bin ich wieder im Büro, klingelts erneut. Post hat was vergessen. Nrrrrch, darf ich jetzt endlich mal arbeiten?

Es dauert ganze 2 Minuten, bis der Paketdienst anklopft. Ihr wollt mich doch alle verarschen heut, oder?

Kochen: Wieder mal umsonst

Inzwischen hat das kranke Kind Hunger und wünscht sich Spaghetti mit Tomatensoße. Ich schiebe in der Küche den Geschirrberg beiseite – seit Tagen hat keiner die Spülmaschine ausgeräumt.

Während ich für Maxi Tomatensoße und für die Erwachsenen Sojahack zubereite, weil ich Tomatensoße gerade einfach nicht mehr sehen kann, dem armen, kranken Kind aber seinen Wunsch nicht ausschlagen will, denke ich mir: Mann, hier müsste auch dringend mal wieder geputzt werden.

Wie meistens in solchen Fällen hat das Kind auf einmal keine Lust mehr auf Spaghetti mit Tomatensoße und ich frage mich, weshalb ich mir überhaupt die Mühe gemacht habe.

Emergency: Suchen Sie dringend die nächste Energietankstelle auf

Die kurze Zeit, die mir bleibt, nutze ich für einen erneuten und diesmal erfolgreichen Versuch zu arbeiten, um dafür zu sorgen, dass ich trotz allem Chaos meine Deadline halten kann. Dann hole ich Mini aus dem Kindergarten ab, während ich mir denke: Vor dem Werkstatttermin nächste Woche muss ich unbedingt das eigentlich gerade erst gesäuberte Auto noch mal sauber kriegen. Wie sagte eine Freundin neulich? „Lieber 3 Riesenhunde mit langen Haaren als zwei Kinder im Auto mitnehmen.“

Ich verdränge den Gedanken an das Dreckauto und gönne mir, als der Mann wieder von seinem Außentermin da ist, die tägliche Auszeit mit dem Hund, die ich dazu nutze, im Geiste diesen Blogartikel vorzuschreiben. Und um runterzukommen. Hätte ich diese Not-Energie-Tankstelle im Wald nicht, ich glaube, ich wäre längst wahnsinnig geworden.

Niedriger Hochsitz

Raus in die Natur: Der Ort, um zur Ruhe zu kommen

Work-Life-Balance: Im unerwartetsten Moment kommt er doch, der Lohn für die Mühen

Kaum wieder zu Hause, schreibe ich den Blogartikel auf, während die Kinder malen. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß: Mini hat sich das komplette Gesicht mit Kuli verschönert.

Während ich die letzten Sätze dieses Artikels schreibe, lässt die Konzentration nach, denn Maxi kommt im Sekundentakt von links, um mich zu fragen, wie man dies und das und jenes schreibt, während Mini von rechts kommt, um mir ihre neusten Kunstwerke zu präsentieren.

Die Kinder haben schon wieder Hunger. Ich übrigens auch. Fressen ist dieser Tage mein liebstes Hobby.

Dreifacherdbeere, Erdbeeren mit anzüglicher Form

Meine liebste Nervennahrung zu dieser Jahreszeit: Erdbeeren

Manchmal denke ich mir: Scheiß auf die Work-Life-Balance. Hauptsache, du lebst.

Aber wenn ich nach solchen Tagen mit den Nerven am Ende bin und dann plötzlich ein Kind zu mir kommt, mir einen Kuss auf die Wange drückt und sagt: „Mama, du bist die Allerbeste!“, dann weiß ich wieder genau, warum ich das alles mache. Weil es sich lohnt. Irgendwie, irgendwo, irgendwann.

Da war ja noch was: Die Verlosung zum Welttag des Buches

Jetzt versteht ihr hoffentlich, warum ich die Gewinnerinnen der Verlosung erst jetzt bekanntgebe. Hinweis: Ich habe mich spontan entschlossen, 2 Bücher zu verlosen. Gewonnen haben Katja und Nele E. Herzlichen Glückwunsch und viel Spaß mit dem Fieber-Biber.

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Kaum hatte ich diesen Beitrag online gestellt, erfuhr ich von Melanies Blogparade zum Thema Arbeiten im Home Office. Schaut mal vorbei, hier hat Melanie all die anderen Beiträge gesammelt.

Mit diesem Beitrag habe ich mich spontan für den diesjährigen scoyo ELTERN! Blog Award beworben. Ich bin gespannt … 🙂

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Dieser Eintrag könnte aus meinem Leben sein!

    Ich kenne das alles nur zu gut und das sind wahrlich die Momente, in denen ich mich frage, ob ein Homeoffice das Richtige ist. Bestes Beispiel: Ich nutze eine vermeintlich ruhige Minute für ein wichtiges Telefonat mit der Chefredakteurin, die mich aufgrund meiner chaotischen Phasen eh auf dem Kieker hat. Plötzlich kommt das Kind um die Ecke (aufgrund der ungünstigen Raumaufteilung ist mein Büro direkt neben dem Kinderzimmer) und kräht ganz nahe an die Telefonmuschel: „Ich muss kacken!“

    Jedenfalls fühle ich absolut mit dir. Bei mir geht es mindestens genauso chaotisch zu, obwohl ich nur ein Kind habe. Das ist zum Glück auch mal beim Vater und dann bin ich auch in der Natur unterwegs, um mal runterzukommen.

    Antworten

    • 😀 Ja, solche Geschichten kenne ich auch. Ich bin trotzdem überzeugt, dass ein Home Office das Richtige ist, aber eben nur, solange die Kinder nicht im Haus sind. 😉

      Mein Mitgefühl ist auch bei dir, liebe Conni. Und ich finde, das hilft schon: Das Wissen an Tagen wie dem beschriebenen, dass frau mit solchen Erfahrungen nicht allein ist. Unglaublich tröstlich. 🙂

      Antworten

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