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Murmeltiermütter am Rande des Nervenzusammenbruchs

Und täglich grüßt das Murmeltier

Heute früh dachte ich an Bill Murray. Jeden Morgen passiert das Gleiche: Ich wache irgendwann auf, denke mir: Scheiße, ist das schon wieder spät!

Und dann bin ich schon im Stress, noch bevor der Tag richtig beginnt. Würde ich nach dem Aufstehen gleich duschen und dann die Family wecken, gäbe es kein Problem. Aber meistens will ich noch ganz fix ein paar Dinge erledigen, ehe die anderen hier herumspringen und mich in Beschlag nehmen. Also fange ich an:

Wetterbericht anschauen, Mails checken, was auf der Facebook-Fanseite posten, in meinen Gruppen vorbeischauen, einheizen, frühstücken … und schwupps … schon wecke ich die Familie wieder zu spät. Na das war aber heute mal ausnahmsweise sowas von überraschend. Ist ja nicht die letzten 487 Wochentage genau so passiert, von daher hätte man da ja nie drauf kommen können …

Einmal zu spät – alles verschoben

Und dann kommt der Teufelskreis in Gang: Wenn ich anfange zu trödeln, nehmen sich alle anderen ein Beispiel an mir. Erst wollen sie nicht aufwachen, dann wollen sie sich nicht anziehen, dann wollen sie nicht frühstücken, sich nicht kämmen, keine Zähne putzen … und so weiter. Und wie jeden Morgen steige ich dann schon wieder genervt ins Auto, weil ich genau weiß, dass wir mal wieder zu den paar unvorbildlichen Loser-Familien gehören, die es einfach nie schaffen, ihre Kinder rechtzeitig in den Kindergarten zu bringen.

Wer ist schuld? Die Mama!

Ich ertappe mich dann oft dabei, dass ich sauer bin auf Mann oder Kinder, weil die es mal wieder nicht gebacken kriegen. Aber die Wahrheit ist: Ja, sicher, sie alle tragen ein klein wenig zum Unmut am Morgen bei, aber eigentlich geht es um mich, schließlich weiß ich ja, dass der Rest im Haus einfach total gemütlich bis hin zu tagträumerisch ist. Und all die Wut, die sich da äußert, ist eigentlich eine Wut auf mich selber, weil sich doch immer wieder dieser fiese Gedanke in mein Hirn schleicht, der flüstert: Versager-Mutter, Versager-Mutter.

Ein Taum: den ganzen Tag ein lachenendes Kind mit glücklicher Mama

Ein Traum: den ganzen Tag ein lachenendes Kind mit glücklicher Mama

Mysteriöses Verschwinden von Schlüsseln und anderen Gegenständen

Ein weiterer Klassiker: Maxi wollte aus dem Auto ein paar Bilder holen, die sie dort vergessen hatte, also gab ich ihr den Schlüssel, wie ich ihn ihr schon so oft gegeben hatte, schließlich weiß sie, dass sie drauf aufpassen muss, doch: Kaum war sie wieder zur Haustür reingekommen und ich verlangte den Schlüssel, sagte sie: „Er ist weg. Ich hab ihn gerade aufs Sofa gelegt, aber da ist er nicht mehr!“ Und schon wieder meldete sich der innere Fiesling zu Wort: „Das da ist ein Kind. Wie kannst du so blöd sein, ihm so viel Verantwortung zuzutrauen? Selber schuld!“

Maxi und ich verbrachten den restlichen Abend vergeblich damit, nach dem Schlüssel zu suchen. Natürlich passierte im Anschluss eine Katastrophe nach der anderen. Zum Beispiel hab ich das Sofa so blöd verrückt, um darunter nach dem Schlüssel zu suchen, dass ich es nicht schaffte, es allein wieder zurückzuschieben. Mit dem Resultat, dass es die Terrassentür blockierte (zum Glück kam der Mann durch die andere Tür später trotzdem ins Haus). Das und noch zwei, drei andere Kleinigkeiten führten dann doch wieder dazu, dass ich laut wurde, obwohl ich mir kurz vorher geschworen hatte, genau das nicht zu tun.

Und wer bekam es ab? Mini, denn die setzte sich aufs Sofa, als ich gerade wieder vergeblich versuchte, es zu verschieben – und das, obwohl ich den Kindern gesagt hatte, dass sie beide vom Sofa weggehen sollten.

Von oben auf die Situation schauen

In solchen Situationen spaltet sich oft mein Körper ab. Anders kann ich es nicht erklären. Ichs sehe mich dann, wie ich von oben auf die Situation draufschaue – und ich erkenne, wer mich wirklich wütend macht. Das hilft mir, die Emotionalität abzustreifen und wieder ein normaler Mensch zu werden.

Geborgenheit fühlen: Der Nährboden für eine gesunde Seele

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Was tun?

Ich fürchte, egal, wie gelassen man ist, solche Ausraster wird man nie ganz vermeiden können. Aber wie man damit umgeht, das kann man schon beeinflussen. Früher hätte ich vielleicht den ganzen restlichen Abend meine schlechte Laune an den anderen ausgelassen. Heute trete ich einen Schritt zurück, knie mich vor Mini und sage: „Entschuldigung, es tut mir leid. Ich war nicht sauer auf dich, sondern ich war sauer auf mich. Und darauf, dass der Schlüssel verschwunden ist, aber du kannst nichts dafür.“ Und wisst ihr was? Das ist das, was hängen bleibt bei den Kindern. Dass sie keine Schuld daran haben, und ich glaube, das ist für die kleinen Kinderseelen das Wichtigste. Außerdem sehen sie, dass Mama kein emotionsloser Roboter ist, sondern dass sie wie die Kinder selbst mit ihren Aufs und Abs klarkommen muss – mit der Wut und der Euphorie, wie es in dem Lied von Tim Bendzko so schön heißt.

Der Alltag mit Kindern ist harte Arbeit, vor allem harte Arbeit an der eigenen Persönlichkeit. Und wenn die sich langsam in die Richtung verändert, die man gerne einschlagen möchte, ich glaube spätestens dann wird auch die Endlosschleife des Murmeltiertags durchbrochen. Wer weiß, vielleicht schon morgen?

Und der Schlüssel? Der lag am nächsten Tag plötzlich auf dem Sofa, und zwar genau dort, wo ihn Maxi nach eigener Aussage am Vortag hingelegt hatte. Gefunden hat ihn Mini. Und wer hatte ihn die letzten 24 Stunden versteckt gehalten? Vielleicht ahnt es jemand bereits: Seit meiner Weihnachtsgeschichte trägt die Schuld an allem, was im Hause Schindler schiefgeht, grundsätzlich der arme, kleine Koboldengel Archibald. 😉

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Kenn ich … das mit den Ausrastern wird besser. Falls es dich tröstet: Pünktlich aufzustehen und nach den Frühstücksvorbereitungen erst die Gruppen zu checken, hilft oft nicht. Die Jugend trödelt trotzdem. (Been there, done that.)

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    • Ja, das glaub ich, dass es die „Rückfälle“ immer wieder geben wird. Dennoch stelle ich mal wieder fest, dass Schreiben bei mir Wunder wirkt: Heute waren die Kids zum ersten Mal seit gefühlten Jahrzehnten pünktlich im Kindergarten. Ich hoffe sehr, dass wir es schaffen, diesen Trend beizubehalten. 🙂

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  2. Oh das kenne ich nur zu gut.

    Versuche es doch mal mit „ich schaffe es NOCH nicht, früher aufzustehen und direkt in den Tag zu starten“ warum das so wirksam ist, erklärt Coach Tina in ihrem Gastbeitrag in meinem Blog: http://mami-startup.de/self-talk/

    Zum Ausrasten und laut werden: da hat mir eine Meditation sehr geholfen. Die Übung habe ich für mich entdeckt und wende die universell an. Man sollte sich ein Vorbild nehmen. Jemanden, den man für seine Ruhe und Würde in allen möglichen Situationen bewundert. Da ist mir prompt die Queen eingefallen und immer, wenn hier alles drunter und rüber geht, dann stelle ich mir vor, wie ich die Nase wieder nach oben nehme, damit mein Hut nicht rutscht, drück den Rücken durch, streiche mir mit den weißen Handschuhen den Rock glatt……. und schon geht es ein bisschen besser.

    Ist auf jeden Fall einen Versuch wert.

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