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Nachrichtensüchtig: Ein Ex-Suchtie packt aus

Freizeit – oder etwa doch nicht?

Eigentlich bin ich mit den Kindern unterwegs in einem Vergnügungspark. An einem Werktag. Einfach mal so. Wir Selbstständige können uns das ja erlauben. Aber … was, wenn ich gerade jetzt gebraucht werde? Kaum angekommen, packe ich mein Handy aus. Kein Empfang. Wie kann das sein? Bestimmt läuft genau jetzt alles aus dem Ruder. Ich MUSS wissen, welche Mails ich in der letzten halben Stunde bekommen habe. Verzweifelt renne ich durch den Park auf der Suche nach einer Insel im Funkloch. Vergeblich. Anstatt den Tag zu genießen, quälen mich die Gedanken an das, was gerade passieren könnte, ohne dass ich es mitbekomme.

Aber ganz ehrlich. Was soll denn bitte schön passieren? Dass mir der Super-Duper-Vertrag für mein nächstes Buch angeboten wird, mit dem ich den internationalen Durchbruch schaffe? Selbst wenn: Es wäre nicht schlimm, wenn ich diese Nachricht erst am nächsten Tag bekäme, oder?

Die obige Geschichte ist erfunden, aber so ähnlich lief es schon manchmal ab. Auch hier zu Hause im Büro. Wenn meine Kinder gegen 9 Uhr außer Haus waren, hatte ich bereits gefühlte 35 Mal den Refresh-Knopf meines Mailprogramms gedrückt. Und den Rest des Tages wurde es nicht besser. Viel zu mächtig war der Gedanke, dass ich etwas verpassen könnte.

Wie damals in der Jugend …

Wenn frau drüber nachdenkt, ist das eine interessante Parallele zur Teenie-Zeit. Ich bin sicher, viele kennen das: Da schreibt man dem Schwarm eine SMS und weicht den Rest des Tages keine drei Wimpernschläge vom Telefon, schließlich könnte er sich ja melden. Was er natürlich nicht tut. Warum nicht? Man könnte fast glauben, dass er den Druck, den sich die Frauen machen, spürt – und all die Verzweiflung, die dahintersteht. Die Abhängigkeit, die sich die Frauen in ihrem Kopf zusammenspinnen. Und wann hat er sich dann gemeldet? Richtig, immer dann, wenn wir endlich beschlossen hatten, uns wieder dem Leben zuzuwenden und den Typen zu vergessen.

Frau mit Handy, Foto von Matthew Kane, Unsplash

Foto von Matthew Kane, Unsplash

Tja, und so ähnlich funktioniert das heute in der Business-Welt auch. Es ist die Suche nach Bestätigung im Außen. Wird mir in der aktuellen Facebook-Diskussion, auf die ich mich eingelassen habe, jemand zustimmen? Oder werden sie mich niedermachen? Je nachdem, wie die Reaktion ausfällt, hat das einen Einfluss auf meine Laune.

Nicht vom Außen ablenken lassen

Muss das so sein? Ich sage: Nein! Mit Gelassenheit lebt es sich nämlich leichter. Das Gleiche gilt für News im Allgemeinen. Einem Nachrichtenportal verdanke ich übrigens diesen Artikel hier: Ich hatte die täglichen, wichtigsten News per Mail abonniert. Irgendjemand wollte offenbar, dass ich diese Nachrichten nicht mehr bekomme. Von einem auf den anderen Tag bekam ich keine Mails mehr, obwohl ich nichts abbestellt hatte. Heute weiß ich: Ein technischer Defekt war dafür verantwortlich. Ich bin dem Defekt sehr dankbar, denn: Ich hab nicht das Gefühl, dass mir seither etwas fehlt. Im Gegenteil. Ich bekomme nichts mehr mit von den Grausamkeiten, die „da draußen“ passieren. Muss ich auch nicht, denn dank zwischenmenschlicher Kommunikation kriege ich trotzdem noch genug davon ab.

Was tun?

Wie ich es geschafft habe, von meiner Nachrichtensucht wegzukommen? Klarheit ist das Stichwort. Mir wurde bewusst, dass das, was da passiert, mir nicht guttut. Jetzt habe ich einen Filter eingebaut: Nur das, was ich durchlassen möchte, kommt noch bei mir an, und zwar dann, wenn ich mich auch darauf konzentrieren möchte. Wenn ich merke, dass ich eigentlich keine Lust zum Arbeiten habe, mache ich lieber was für mich. Was hätte ich vor ein paar Wochen stattdessen gemacht? Mails refresht oder mich am besten gleich bei Twitter, Facebook, Xing & Co. eingeloggt.

Ich glaube, es ist hilfreich, sich immer wieder zu sagen: Du wirst nichts verpassen. Egal, was passiert, wenn es wichtig ist für dich, dann wirst du es erfahren, sobald die Zeit dafür reif ist.

Der Draht zur Welt: Überall dabei. Foto von Avi Richards, Unsplash

Der Draht zur Welt: Überall dabei. Foto von Avi Richards, Unsplash

5 Tipps gegen die Nachrichtensucht

Möglicherweise helfen auch ein paar Regeln. Ich verrate euch meine:

  1. Morgens, bevor meine Schreibarbeit beginnt, checke ich meine Mails und schaue in meinen Portalen vorbei, klinke mich in die Diskussionen ein, wenn ich Lust darauf habe. Den Rest des Tages meide ich die Netzwerke, logge mich höchstens als Erholung 1 oder 2 Mal am Tag kurz (!) in ein oder zwei davon ein. Die Mails werden automatisch nach einer vordefinierten Zeit abgerufen. Kann euch gar nicht sagen, was ich da eingestellt habe. Eine Stunde? Zwei? Keine Ahnung. Jedenfalls schaue ich mal statt 100 Mal am Tag unter 10 Mal dort rein und reagiere nur, wenn ich reagieren will.
  1. Bevor ich mit der Arbeit anfange, kümmere ich mich um mich selbst, dusche in Ruhe, ziehe mich ordentlich an und schminke mich. Auch wenn so gut wie nie jemand unangekündigt hier klingelt außer der Postbotin. Nicht, dass ich glauben würde, dass potenzielle Online- oder Telefon-Kommunikationspartner es merken würden, wenn ich hier mit zerzausten Haaren im Bademantel säße. Aber ich fühle mich wohler. Ich bin es mir wert und ich möchte erst anfangen zu arbeiten, wenn ich mich in jeder Hinsicht bereit fühle. Dazu gehört übrigens auch, dass ich mir eine Kerze anzünde, zumindest jetzt im Winter. Zur Inspiration, zur Beruhigung, zum Runterkommen, zum Reinstarren. Egal. Ich fühl mich gut damit. Und das ist das Wichtigste. Denn nur wenn ich zufrieden bin, kann ich vernünftig arbeiten.
  1. Mein Handy ist den Großteil des Tages aus oder nicht in Gebrauch, auch wenn ich unterwegs bin.
  1. Ich arbeite an irgendwelchen Büchern, solange ich Lust habe und mich konzentrieren kann. Merke ich irgendwann, dass das nicht mehr zutrifft, gönne ich mir eine Pause, die ich oft dazu nutze, raus in die Natur zu gehen. Bin ich dann zurück und habe den Tieren, Bäumen und anderen Lebewesen im Wald gelauscht, bin ich oft inspirierter als zuvor. Und wenn nicht? Dann lass ich es eben mit der Schreiberei für den Rest des Tages, denn auf Zwang geht gar nichts. Hab ich nur Zeit für eine kurze Pause, nutze ich sie oft für eine Mini-Meditation, um wieder fit und wach zu werden.
  1. Newsletter beziehe ich schon immer noch, aber die Schreckensnachrichten sind weg. Übrigens ebenso wie Massen an (ungelesenen, weitervererbten) Büchern, die mich belastet haben. Warum? Entweder aufgrund des Inhalts – oder einfach, weil sie da waren und mir eingeflüstert haben: „Du hast uns noch nicht gelesen. Wieder ein Tag vergangen und wieder hast du es nicht geschafft, auch nur eins von uns abzuarbeiten.“

Wer sich übrigens lieber mit guten Nachrichten als mit Horrorszenarien beschäftigen möchte, dem empfehle ich Bettina Sahlings Newslichter. Und wer der Meinung ist, eine zu rastlose Seele zu haben, um sich jemals auf Meditationen einlassen zu können, dem empfehle ich die CDs und Meditationen von Pascal Voggenhuber. Hier ein Beispiel, für das ihr nicht mal 10 Minuten Zeit braucht. Und dran glauben müsst ihr auch nicht unbedingt. Es funktioniert trotzdem. 🙂

Eine entspannte Zeit wünscht euch

Sandra

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