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Von spannenden Doppelberufen …

Ich kann sehr neugierig werden, wenn ich jemanden treffe, der einen Beruf hat, der mich irgendwie interessiert. Bei Karin Klug ist das so: Sie ist Journalistin – und Psychologin. Und schreiben tut sie auch noch nebenbei.

Ihr kennt ja schon die Aktion Blogwichteln des Netzwerks Texttreff, die jedes Jahr wieder stattfindet. Wer meinen Beitrag noch nicht gesehen hat, hier verrate ich bei Katja Flinzner von Content IQ, warum ich das Internet mag, auch wenn ich mit Technik nach wie vor auf Kriegsfuß stehe.

Und wie ihr euch bei der Einleitung wohl schon gedacht habt, wurde ich dieses Jahr von Karin Klug mit einem Artikel beschenkt. Ich hab ihr per Mail ein paar Denkanstöße für einen Artikel gegeben. Witzigerweise hat sie die 1:1 in einem Artikel verbraten. Und nun: Bühne frei für Karin!

Aus meinem Doppelleben

Darf ich mich vorstellen: Karin Klug, Psychologin und Autorin, in Graz beheimatet, 52 Jahre alt, Sternzeichen Stier, selbständig tätig, leidenschaftliche Tänzerin, Leseratte, Minimalismusfan, mit einem großen grünen Herzen …

Wie ich hierher komme, auf den Blog von Sandra?

Nun, einmal im Jahr herrscht in unserem texttreff-Netzwerk-Kosmos „Blogwichtel-time“. Da dürfen wir uns gegenseitig mit einem Text bewichteln. Wer mit wem, das wird ausgelost … und so bin ich in diesem Jahr bei Kinderbuchautorin Sandra Schindler gelandet.

Und Sandra hat mir gleich eine Unmenge an Fragen geschickt, kreuz und quer durch mein berufliches „Doppelleben“, so dass ich nun nur versuchen kann, einige davon einigermaßen zu beantworten 😉

Zuerst der Schwenk zur Psychologie

Sandra: „Hm, also mich würden ja schon die verschiedenen Methoden interessieren, die es da so gibt – und wie du entscheidest, welche davon am besten hilft. Vielleicht noch, ob du Unterschiede erkennst zwischen heute und deinen Praxis-Anfangszeiten oder dem, was du im Studium gelernt hast. Sind die Menschen heute „anders krank“?

Also, liebe Sandra, kurz zum ersten meiner zwei beruflichen Standbeine: Einerseits bin ich Psychologin. Ich habe das Studium in Österreich abgeschlossen und bereits in vielen psychosozialen Bereichen gearbeitet: In der Wohnbetreuung für junge Erwachsene, im Qualitätsmanagement im Krankenhaus, im Bereich beruflicher Neu- bzw. Umorientierung, in der Konzepterstellung für soziale Projekte usw.

Vor ca. 15 Jahren habe ich eine eigene Praxis als Psychologin in Graz aufgemacht. Anfangs habe ich noch vieles angeboten, mittlerweile haben sich meine Themen und Schwerpunkte deutlich verringert –  von der Quantität zur Qualität. Ich arbeite mittlerweile nur mehr im Einzelsetting (so nennt man das im Fachjargon) mit Erwachsenen. Und Methoden gibt es vermutlich so viele wie Sterne am Himmel 😉 … Ich habe im Laufe der Zeit so mein eigenes kleines „Handwerksköfferchen“ zusammengestellt –  mit vielen Elementen aus der Verhaltenstherapie, aus der Gesprächstherapie und zunehmend aus der Positiven Psychologie.

Ich entscheide sehr intuitiv, biete Methoden individuell an und schaue, was angenommen wird. Wenn das eine nicht funktioniert, nehme ich etwas anderes. Das bespreche ich auch oft mit meinem Klienten. Natürlich arbeite ich heute ganz anders als früher. Viel entspannter, intuitiver, ich lasse mich selbst mehr auf mein Herz hören, versuche mehr beim Menschen zu sein und nicht bei der Methode. Und ja, ich trau mich auch mal mit unkonventionellen Strategien daherzukommen, solange es hilft … Ob Menschen heute „anders krank“ sind, kann ich nicht sagen. Mich schreckt nur manchmal, wie stark stressbedingte Krankheiten und Symptome am Zunehmen sind, wie schlecht manche Menschen mit sich selbst umgehen

Dann wollte Sandra auch von meinem zweiten Standbein etwas wissen: „Worüber schreibst du am liebsten? Was waren die größten Fehler, die du am Anfang deiner Karriere gemacht hast? Wie kommst du zu deinen Aufträgen? Schreibst du nur über das, worüber du schreiben willst – oder „musst“ du über alles schreiben, wenn es deine Auftraggeber verlangen? Gehen deine 2 Berufe Hand in Hand oder trennst du sie relativ klar?

Journalistin Karin Klug

Ich denke mal kurz zurück zu meinen Anfängen …

Es gibt da nämlich noch diese andere Seite in mir: Ich habe immer schon gerne geschrieben. Als Kind habe ich mal ein Tagebuch geschenkt bekommen, seither schreibe ich. Ich habe damals kleine Geschichten erfunden und (wie wohl viele) im Teenie-Alter auch mit Gedichteschreiben begonnen. Vieles davon ist irgendwann verloren gegangen. Als Jugendliche hatte ich alle möglichen Berufswünsche – eine Vorstellung sah so aus, dass ich als Schriftstellerin in Paris lebe, in einer kleinen Dachkammer hause und mir die Finger wund schreibe. Damals war literarisches Schreiben aber nicht wirklich ein ernstzunehmender Beruf, zumindest keiner, mit dem man Geld verdienen und überleben konnte. Deshalb eben einmal ein Studium (wobei Psychologie anno dazumal wohl ebenso als brotlose Sache gesehen wurde).

Nichtsdestotrotz habe ich während meines Studiums angefangen, als Journalistin zu arbeiten. Das war insofern einfach, als es damals noch keine wirkliche Ausbildung für Journalisten gab. Man ist so „reingerutscht“, hat Texte geschrieben, angeboten und wenn sie gut waren, durfte man weiterschreiben. Und zu Pressekonferenzen gehen. Das war für Anfänger wie mich jedoch eher der Schmetterlingszüchterverband, der sein 30. Jubiläum feierte oder der Supermarkt, der neu eröffnet wurde. Learning by doing war das. Und so konnte man sich weiterarbeiten und mehr und neue Aufträge lukrieren. Wenn man in der Branche einmal drin ist, erfährt man auch schneller, wenn jemand gesucht wird. Und so habe ich mir im Laufe der Zeit einige Auftraggeber geangelt, für die ich als „Freie“ Texte abliefern durfte. Meist gab es konkrete Aufträge, manchmal habe ich aber auch selber Themen angeboten.

Die größten Fehler damals? Hmm, ich weiß nicht recht, es war einfach viel ausprobieren, vielleicht hätte ich von Anfang an stärker netzwerken sollen, mir besser oder andauernde Kontakte aufbauen. Ich bin dann ja in meinen anderen Beruf gefallen und hab die Schreiberei immer wieder mal stark vernachlässigt. Da ich aber immer als „Freie“ gearbeitet habe, konnte ich mir die Themen schon aussuchen (oder eben vorschlagen). Ich bin keine Sensationsreporterin und von Politik, Wirtschaft, Sport lasse ich mal lieber die Finger.

Meine „Lieblinge“ sind Portraits, Reiseberichte, Glossen, Kultur, Bücher und eben der ganze psychosoziale Bereich. Außerdem schreibe ich gerne Kurzgeschichten. Heute ist es sehr viel schwerer an Aufträge zu kommen als früher, finde ich. Es gibt viele Journalisten mit Top-Ausbildung, es gibt Profis, die Zeit ihres Lebens nichts anderes machen als schreiben, es gibt Netzwerker, die allen voran erfahren, wann wo wer gesucht wird … Im Moment habe ich nur eine Zeitschrift als fixen „Abnehmer“, aber ich konzentriere mich gerade auch mehr auf meine 2 Blogs, die mir sehr am Herzen liegen …

Ob ich meine zwei Berufe voneinander trenne? Nicht immer, ich schreibe natürlich viel über Psycho-Themen, das ist mein Spezialgebiet. Ich habe eine Zeitlang Psycho-Ratgeber-Texte für eine Frauenzeitschrift verfasst und Leserbriefe beantwortet. Manchmal ist es mir auch wichtig, Themen aufzugreifen, mit denen ich in der Praxis immer wieder konfrontiert bin. Im Grunde mag ich es durchaus, wenn meine zwei Berufe miteinander verschmelzen. Vielleicht schreibe ich auch mal ein Buch über die Arbeit mit Menschen in meiner Praxis

Übrigens, zum Abschluss noch ein eigener sachdienlicher Hinweis 😉 : Ich habe überlegt, welche Bücher ich als Kind verschlungen habe, ich weiß aber nicht mal, ob es sie heute noch gibt: Der Struwwelpeter, Emil und die Detektive, Hanni und Nanni, der Trotzkopf …

So das war‘s. Ich schicke dir liebe Grüße aus der steirischen Landeshauptstadt. Wenn du dich mal hierher verirrst, komm mich besuchen!

Karin

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Dr. Karin Klug lebt in Graz und arbeitet als Psychologin in freier Praxis und als freie Autorin ).

Spannend, oder? Und sehr sympathisch. Herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag, liebe Karin. 🙂

 

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