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Interview mit Lisa Albrecht von „Ich lebe grün!“

Wie viele von euch wissen, schlägt mein Herz grün. In Lisa Albrecht von „Ich lebe grün!“ hab ich eine Gleichgesinnte gefunden. Wie man entspannt Weihnachten feiern kann, wie sich die grüne Bloggerszene verändert hat und wie man das eigene Leben am besten nachhaltiger gestaltet, das erzählt sie euch heute selbst.

Lisa, damals, 2010, als ihr angefangen habt, grün zu bloggen, wie sah da die Szene aus – und wie ist sie im Vergleich dazu heute?

Puh, du stellst Fragen. 🙂 Damals war es ziemlich schwer, eine grüne Alternative zu finden, ganz egal im welchen Bereich man sich bewegt hat. Wir haben den Blog in erster Linie aus Eigenbedarf gestartet, wir wollten einfach mehr Produkte, Inspirationen, Bücher, Menschen und Methoden – whatever – entdecken, festhalten und anschließend das Wissen auch für andere bereitstellen. Ich habe immer ein enormes Mitteilungsbedürfnis und das Bloggen ist genau der richtige Kanal dafür. Heute ist der grüne Markt sehr viel größer, aber nicht unbedingt übersichtlicher. Alles hat also Vor- und Nachteile. 🙂 Zuerst fand man nichts, weil es nicht viel gab … und jetzt findet man so viel, weiß aber nicht, was gut ist.Lisa Albrecht

Ich finde den Gedanken unvorstellbar, dass man von Beruf Bloggerin sein kann. Wie geht das?

Ich habe mir ehrlich gesagt mein Berufsleben auch anders vorgestellt, als ich noch studiert habe. Für mich war klar, dass ich eine kreative Karriere als Designerin hinlegen werde. Echt lustig, welche Überraschungen das Leben so für einen bereithält. Das Absurde daran ist noch, dass ich Deutsch nicht als Muttersprache gelernt habe und mit 11 Jahren kein deutsches Wort sprechen konnte. Hätte mir jemand vor 20 Jahren gesagt, ich blogge mal hauptberuflich – hätte ich ihn ganz schön blöd angeguckt. Nicht nur, weil ich keinen blassen Schimmer hätte, was er da sagt, sondern weil es zu der Zeit keine Blogger gab – zumindest kannte ich keinen. Ich finde es überhaupt nicht schlimm, dass ich nicht mehr im Design-Bereich arbeite. Die Fähigkeiten, die ich habe, nutze ich für meinen Blog – ganz einfach.

Thema Vereinbarkeit Familie und Beruf: Wie klappt das bei euch?

Jetzt schläft meine Tochter und ich beantworte deine Fragen auf meinem Smartphone. Ich arbeite zu 80% mit diesem Ding. Unfassbar! Wir bemühen uns, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen (wie die meisten Menschen), aber die Familie geht immer vor. Ich kämpfe ein wenig mit der Krankheit „Langsam-Vorankommen“, da ich gerne alles auf einmal machen würde. Aber wenn man sich immer wieder klarmacht, was einem wichtig ist, kann man viele Dinge problemlos auf eine Warteliste setzen. Ein gutes Zeitmanagement ist schön und gut, aber die Einstellung im Kopf ist noch viel wertvoller.

Über welche Themen schreibst du am liebsten?

Im Moment schreibe ich sehr gerne über Gesundheit und Ernährung. Ich beschäftige mich viel damit und nerve meinen Mann und Freunde immer mit neuen Erkenntnissen. 🙂 Ich bin so froh, dass ich meine Eindrücke und mein Wissen im Blog mit interessierten Lesern teilen kann, sonst würde ich vermutlich einfach platzen.

ichlebegruen- Lisa Albrecht

Schreibst du nur über Themen, die dir gefallen, oder nimmst du auch Themen an, mit denen du nicht so viel anfangen kannst, weil sie dich irgendwie weiterbringen?

Zum Glück bin ich mein eigener Chef und suche mir Themen aus, die ich spannend finde. Selten schreibe ich über etwas, was mir nicht gefällt. Denn jedes Thema kann spannend oder langweilig sein, es ist doch immer der Blickwinkel, der dabei entscheidend ist. Toll ist vor allem das Feedback der Leser. Wenn man helfen konnte, ist selbst das langweiligste Thema plötzlich total klasse. Manchmal merke ich auch, dass ein Thema schwierig ist – es lässt sich schlecht beschreiben oder man muss sehr lange für sehr wenig recherchieren. Wenn man sich aber durchgekämpft hat, freut man sich umso mehr über das Ergebnis.

Welche drei Artikel auf deinem Blog muss man unbedingt gelesen haben (und ggf. warum …)?

Spontan würde ich sagen… Minimalismus auf Japanisch, Karies heilen und Selbst ist die Frau. Das sind Artikel, die mich persönlich sehr weitergebracht haben. Ich habe Werkzeuge in die Hand gedrückt bekommen, die man auf das gesamte Leben anwenden kann und keinerlei Kosten dabei hat. Ich liebe Artikel, die die Augen öffnen und den Horizont erweitern.

Man hört ja oft, dass die Menschen einfach so weitermachen wie bisher, weil sie glauben, dass es nichts bringen würde, wenn sie etwas ändern würden. Hast du eine Botschaft für diese Menschen?

Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt – ein sehr wahres Zitat von Mahatma Gandhi. Das trifft es ziemlich gut. Ich denke, die meisten wollen in Wirklichkeit nichts verändern. Sie jammern nur, weil sie nicht negativ auffallen wollen. Wenn ich etwas doof finde, aber genauso weitermache wie bisher, lüge ich mir doch selbst ins Gesicht. Das ist für mich ein inakzeptabler Zustand, da bekomme ich früher oder später Gewissensbisse oder psychische Probleme. Mein Körper zwingt mich dann dazu, die Dinge endlich anzupacken. Wer ehrlich etwas verändern möchte, sollte dies einfach tun. Ohne Ausreden, ohne Rechtfertigungen: Einfach machen! Und bei sich anfangen. Wie sagt man so schön? Vor der eigenen Haustür kehren.

Wie grün lebt ihr, wo hast du selbst das Gefühl, da ginge noch mehr, wo drückst du mal ein Auge zu?

Wir leben durchschnittlich grün, denn es gibt krassere Leute da draußen. 🙂 Wir haben uns im Moment gegen ein Auto entschieden, kaufen überwiegend Bio ein und tragen gerne Second Hand. In unserem kleinen Garten baue ich das eine oder andere selbst an. Aber wir sind nicht die typischen Aussteiger, abseits vom Konsum und der Gesellschaft. Ich würde gerne noch mehr Zero Waste leben, leider ist so viel verpackt. Ohne Auto habe ich nicht ständig die Gelegenheit, auf den Markt zu fahren – da muss ich Kompromisse eingehen. Generell muss ich ein Auge zudrücken bei Dingen, die ich entweder so in Grün nicht finde oder mir die grüne Alternative zu teuer ist. Wir fragen uns immer, ob wir dies oder jenes wirklich benötigen, aber nicht immer gelingt uns ein vorbildliches Handeln und an dieser Stelle ist es wichtig, nicht zu resignieren. Gut, dann hat es eben gerade nicht so grün geklappt. Beim nächsten Mal werde ich mich aber wieder bemühen! Lernen, aufstehen, weitermachen.

Da wir ja hier auf einem Kinderbuchblog sind: Was ist das Lieblingsbuch deiner Kindheit und welche Bücher würdest du deinem Kind heute am ehesten kaufen?

Schwierige Frage, da ich in der Ukraine mit völlig anderen Büchern aufgewachsen bin und die deutsche Kinderbuchwelt zusammen mit meiner Tochter erst entdecke. Ich liebe den Titel „Pippi findet einen Spunk“ von Astrid Lindgren und schmelze dahin von den Illustrationen von Katrin Engelking. Hier muss ich ergänzen, dass ich Pippi Langstrumpf auch als Kind gelesen habe. Manche Bücher sind ja auch international. Sehr gut kamen bei uns auch diese Bücher an: von Moni Port „Das Schwein Uwe“ und von Daniela Kulot „Reim dich nett ins Bett“. Ich mag fantasievolle Bücher mit schönen Illustrationen, aber auch Sachbücher, die bestimmte Alltagssituationen detailreich erklären (aktuell bei uns im Einsatz alles über die Müllabfuhr und den Beruf Pilot).

Hast du einen Tipp für entspannte, grüne Weihnachten?

Lustig, dass du fragst. Auf dem Blog einfachbewusst.de wurde gerade ein Artikel von mir genau über dieses Thema veröffentlicht. Wann hat man entspannte Weihnachten? Meistens dann, wenn man keinen Druck hat. Und was erzeugt Druck? Alles, was uns nicht in den Kram passt. Zu hohe Erwartungen und zu viele Dinge, die man vielleicht gar nicht braucht. Wir haben so viele Gewohnheiten, die unnötig sind – aber Stress verursachen. An dieser Stelle könnte man richtig „ausmisten“. Mit einem grünen Weihnachtsfest assoziiere ich ein schmackhaftes veganes Essen und viel Zeit mit der Familie. Man muss auch nicht völlig auf Geschenke verzichten – aber ein bewusster Konsum sollte schon sein.

Gibt es etwas, womit dir meine Leserinnen und Leser helfen könnten?

Das ist eine interessante Frage! Sofort möchte ich deine Leser einladen, meinen Blog zu besuchen und dort zu stöbern. Ganz klar! Aber eigentlich geht es mir nicht darum, ganz viele Besucher auf meinem Blog zu haben (auch wenn das toll wäre!). Ich freue mich, wenn die Botschaften, die ich in die Welt entlasse, bei jemandem im Herzen ankommen. Wenn Menschen inspiriert und animiert sind, Neues auszuprobieren, ihr Leben zu verändern, sich weiterzuentwickeln – das ist ein Ziel, das ich verfolge.

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