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Rebecca Schwab, die Frau mit den 1000 Projekten

Als mein erstes Kind kam und ich schleichend zur Ökomama mutierte, hatte ich die Idee, ein Magazin zu gründen, in dem sich alles um grüne Themen drehen sollte – und um Natürlichkeit. Ich googelte – und landete bei GreenFamily, denn dort geht es um einige meiner Herzensthemen: Attachment Parenting, Stillen, Familienbett, Tragen und Umweltschutz. Meine Idee konnte ich mir also sparen, denn sie wurde schon sehr gut umgesetzt, und zwar von Rebecca Schwab. Inzwischen hat Rebecca GreenFamily verkauft, weil sie sich neuen Projekten widmen möchte. Sie ist aber nach wie vor als Gast-Autorin für das Online-Magazin tätig.

Rebecca, du bloggst seit 16 Jahren, hast bereits als Zwölfjährige damit angefangen. Weißt du noch, um was es in deinem ersten Artikel ging?

In meinem ersten Blog ging es um die kleinen und großen Abenteuer, die ich mit meinem Shetlandpony Gizmo erlebt habe. Das Design war typisch für die 1990er-Jahre: bunt, mit viel Glitzer, Animationen und Hintergrundmusik.

Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Zu Beginn habe ich meine Website mit einem Baukasten von Beepworld aufgebaut. Später habe ich selbst Tabellen-Layouts erstellt – bis sich die kostenfreien Content-Management-Systeme durchgesetzt haben. Heute arbeite ich fast ausschließlich mit WordPress und sehe darin eine unheimliche Arbeitserleichterung. Das ist die wohl positivste Veränderung der letzten 16 Jahre.

Daneben hat sich in Sachen Suchmaschinenoptimierung einiges getan. Früher war es leicht, auf Seite eins bei Google zu landen. Man hat seine Website fleißig mit Keywords gefüttert (teilweise weiße Schrift auf weißem Grund) und Google ist darauf reingefallen. Die neuen Richtlinien von Google sind fairer – aber auch wesentlich komplexer, man muss sich richtig in das Thema einarbeiten.

Eine weitere Veränderung ist die Masse an privaten Websites und Blogs. Zu meinen Anfängen war die Internetnutzung noch teuer, es gab keine Smartphones und keine sozialen Medien wie Facebook und Twitter. Heute kann quasi jeder Laie eine Website erstellen und schnell verbreiten. Das hat Vor- und Nachteile. Wer nicht aus der Masse heraussticht, geht schnell unter.

Ich bin fürchterlich altmodisch – und lese Magazine am liebsten als Print-Ausgaben. So hattest du damals bei GreenFamily auch angefangen, das aber irgendwann eingestellt. Warum?

GreenFamily war ursprünglich im Printformat geplant – das Onlinemagazin sollte nur ergänzend dazu laufen. Da die Umsetzung  eines solchen Projekts unheimlich viel Geld kostet, habe ich mich auf die Suche nach einem Verlag gemacht. Diesen hatte ich letztlich gefunden. Ich hatte eine mündliche Zusage, nach etlichen gemeinsamen Treffen (mit dem Geschäftsführer, dem Vertrieb und dem Medienberater) stand das Magazin. Blöderweise bin ich damals in Vorkasse gegangen, was Texte und Bilder anging, und hatte die Grafikerin beauftragt. Einen Tag vor Vertragsunterzeichnung ist der Verlag unverhofft abgesprungen und ich saß da mit einem fertigen Printmagazin, das nur noch in den Druck hätte gehen müssen.

Damit habe ich mich dann bei einem anderen Verlag vorgestellt. Dieser war interessiert, aber nicht risikobereit. Ich habe bei diesem Treffen ein weiteres Konzept auf den Tisch gelegt: Die Zeitschrift „LandKind“. Die Bosse, mit denen ich damals am Tisch saß, waren begeistert davon und haben mich gefragt, ob ich den Titel bereits geschützt hätte. Hatte ich nicht (da ich noch genug Schulden vom ersten Projekt hatte). Einige Monate später stand ich im Buchhandel und bin beinahe in Ohnmacht gefallen, als ich die „LandKind“ im Regal stehen gesehen habe. Das hat mir einen solchen Stich verpasst, dass ich mich mit meinen Ideen an keinen weiteren Verlag gewandt habe. Stattdessen habe ich damals ein Volontariat bei einer Tageszeitung begonnen und GreenFamily.de als Onlinemagazin weitergeführt.

Wird es unter der neuen Leitung wieder eine Print-Ausgabe von GreenFamily geben?

Nein, das glaube ich nicht. André Blau ist Online-Unternehmer und war gezielt auf der Suche nach einem Blog. Er betreibt mehrere Internet-Plattformen und konzentriert sich auf die Akquise von Online-Werbekunden.

Du hast gerade ein Buch veröffentlicht. Auch das gibts momentan nur als E-Book. Vorübergehend – oder für immer?

Ich habe 2009 zwei Bücher in klassischer Form herausgegeben: Zwei Ratgeber für junge Schwangere. Es ist ein besonderes Gefühl, ein gedrucktes Buch in den Händen zu halten, auf dem der eigene Name steht. Grundsätzlich würde ich mich freuen, in Zukunft wieder mit einem Verlag zusammenzuarbeiten, der meine Bücher in gedruckter Form vermarktet.

Mit dem neuen E-Book richte ich mich jedoch an eine internetaffine Zielgruppe und deshalb denke ich, dass das gewählte Format und der Vertriebsweg (über eine Landingpage) passend ist. Die Zielgruppe der MamaBlogger ist im deutschsprachigen Raum zudem nicht sonderlich groß – sodass sich der Druck einer Auflage kaum rechnen würde. Im Bereich Blogging verändert sich fast täglich etwas, ich biete meinen Leserinnen kostenlose Updates. Das wäre mit einem gedruckten Buch nicht möglich.

Um was gehts in deinem E-Book?

Das E-Book „MamaBlogger Guide – Schritt für Schritt zum erfolgreichen Blog-Business“ richtet sich in erster Linie an (werdende) Mütter, die ein eigenes Blog aufbauen und damit langfristig erfolgreich sein wollen. Ich erkläre, wie man ein Blog erstellt und gestaltet, wie man guten Content produziert, ein Netzwerk aufbaut, ein Einkommen erzielt und gehe auf emotionale Belange ein (beispielsweise, wie man ein Motivationstief überwindet oder mit einem Shitstorm umgeht und ob man Kinderbilder im Netz veröffentlichen sollte).

Neben mir kommen in dem E-Book zwei weitere Expertinnen zu Wort. Deutschlands renommierteste Motivationstrainerin Antje Heimsoeth hat in einem Interview sehr ausführliche Ratschläge gegeben und Übungen aufgezeigt. Die Bremer Rechtsanwältin Claudia Drews hat gleich ein ganzes Kapitel geschrieben, in dem sie „5 Rechts-Tipps für Blogger“ gibt. Im Paket enthalten sind außerdem Extras: 50 Überschriften und 66 Themenideen für Mamablogs.

Rebecca Schwab

Wo kann man es kaufen?

Wie in diesem Bereich üblich, habe ich das E-Book im PDF-Format erstellt und verkaufe es über eine eigene Landingpage: www.MamaBlogger.de. Den Vertrieb übernimmt der Anbieter www.DigiStore24.com, mit dessen Leistungen ich zufrieden bin. Außerdem bin ich bei Twitter, Facebook und Instagram zu finden.

Gibt es etwas, was du am Online-Journalismus nicht magst?

Als ausgebildete Redakteurin mit dem Schwerpunkt Online-Journalismus betrachte ich die Branche aus einem speziellen Blickwinkel. Mir fehlt oft die Qualität von Beiträgen im Internet. Das liegt zum einen daran, dass es mehr Quereinsteiger gibt als ausgebildete Journalisten – aber auch an der Schnelllebigkeit. Selbst große Verlage hauen oftmals Beiträge heraus, die nicht Korrektur gelesen und manchmal inhaltlich nicht korrekt sind. Das passiert, weil jeder der Erste sein will, der über ein bestimmtes Thema berichtet.

Daneben bin ich absolut kein Fan von Clickbaiting-Webseiten – denen es einzig und allein darum geht, Traffic zu generieren. Als Online-Journalist oder Blogger sollte man immer den Anspruch haben, Inhalte mit Mehrwert zu generieren und seine Leser im Fokus haben.

Cover Mamablogger Guide

Du scheinst immer mit mehreren Projekten gleichzeitig beschäftigt zu sein. Woher nimmst du die Energie?

Das ist tatsächlich eine „Macke“ von mir. Statt mich auf ein Projekt zu konzentrieren, fange ich mehrere gleichzeitig an – und nebenbei arbeite ich als Redakteurin in Festanstellung. Ich möchte ungern Tipps geben, wie das gelingt, weil es nicht nachahmenswert ist. Eher bewundere ich Menschen, die es schaffen, mit ihren Gedanken bei einer Sache zu bleiben.

Wie gelingt dir die Work-Life-Balance?

Für mich ist es wichtig, Prioritäten zu setzen. Ich habe nicht den Anspruch, perfekt zu sein. Wenn die Sonne scheint, ist es mir wichtiger, den Feierabend mit meinen Kindern im Park zu verbringen, als Wäsche in den Schrank zu räumen. Irgendwas bleibt immer auf der Strecke, alleine kann ich gar nicht alles schaffen. Seit mir das bewusst ist, lebe ich entspannter.

Im letzten Jahr ging es mir psychisch sehr schlecht. Ich hatte keine Energie mehr und bin in eine schwere Depression gerutscht. Damals habe ich Hilfe angenommen und mich für zweieinhalb Monate in stationäre Behandlung begeben. In dieser Zeit habe ich gelernt, die Signale meines Körpers ernst zu nehmen und mir regelmäßig Pausen zu gönnen. Mit drei Kindern, einem Hund, einem Job und mehreren Nebentätigkeiten ist das nicht immer einfach. Aber es ist machbar.

Verrätst du uns schon, was du als Nächstes planst?

Ideen habe ich immer unzählige in meinem Kopf. Diese aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. In den nächsten Wochen will ich mich zunächst auf die Vermarktung des E-Books konzentrieren und ich werde einige Workshops für Blogger leiten – unter anderem auf der Elternbloggerkonferenz WestFam in Münster.

Ehrlich, authentisch, wunderbar. Ganz herzlichen Dank für dieses spannende Interview, liebe Rebecca. Ich wünsch dir viele Buchverkäufe und gutes Gelingen für deine weiteren Projekte.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Sandra, ich danke DIR für das Interview-Gespräch und gebe das Kompliment sehr gerne zurück: Du bist eine starke, bewundernswerte Frau mit vielen bunten und tollen Ideen!

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  2. Du hast das am Ende gut zusammen gefasst, denn ich empfand dieses Interview auch als sehr sympathisch, authentisch und wunderbar.

    Viele Grüße
    Rebecca

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