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Haustiere und Kleinkinder – geht das zusammen?

Würdet ihr euch ein Haustier zulegen, wenn ihr gerade ein Baby bekommen habt? Oder habt ihr Angst, dass Hund oder Katze nicht mit eurem angekündigten Nachwuchs klarkommen? Dann seid ihr bestimmt nicht allein. Ich hab jemandem, der sich aufgrund eigener Erfahrung gut mit dem Thema auskennt, ein paar Fragen gestellt – und die Antworten in Form eines wunderbaren Gastbeitrags bekommen. Wie ihr Alltag mit Haustieren und Kindern aussieht, das erzählt euch jetzt Jenny von Waumama.

Die Konstellation: Eine Überraschung

Zuallererst muss ich mal zugeben, dass das bei uns nicht so geplant war. Die Mini war quasi eine Überraschung. Nie im Leben hätte ich mir einen Dobermannwelpen zugelegt ein Jahr, bevor mein eigener Nachwuchs geplant ist. Denn Rassekenner wissen, Dobermänner sind, bis sie das 3. Jahr vollendet haben, einfach nur komisch im Kopf. Ob erst das Haustier in die Familie kommt oder erst das Kind, ist wohl fast egal. Beides hat seine Vor- und Nachteile. In jedem Fall finde ich es schön, wenn Kinder mit Haustieren aufwachsen.

Kind und Hunde

Kind und Hunde

Gleichzeitig Tier- und Menschenbabys anschaffen?

Wovon ich persönlich abraten würde, wäre ein Baby und ein Welpe zur gleichen Zeit. Die Idee, dass beide zusammen aufwachsen, scheint im ersten Moment romantisch, aber wäre bei uns eine Katastrophe gewesen. Außer vielleicht man hat Nerven wie Stahlseile und lebt gerne in einem Irrenhaus. Ansonsten sollte man die Schreckensmeldungen, die man so hört, zwar ernst nehmen … aber auch nicht zu ernst. Ich kann immer nur den Kopf schütteln, wenn Menschen ihre Katze oder ihren Hund abschaffen, weil ein Baby im Anmarsch ist. (Mit der Einschränkung, dass manche Tiere einfach wirklich nicht kindkompatibel sind). Trotzdem sind bei uns Haustiere und Kind auch nach fast zwei unfallfreien Jahren immer noch nicht unbeaufsichtigt allein. Denn es sind Tiere und die Mini ist mit ihren fast zwei Jahren leider immer noch unberechenbarer als jeder Hund oder jede Katze.

Standup-Paddeln mit Dobermann

Standup-Paddeln mit Dobermann

Dobermänner: Familienhunde?

Ich höre ganz oft, dass Dobermänner keine Familienhunde sind. Das kann ich so hier aus dem Alltag überhaupt nicht bestätigen. Denn beide Hunde sind sehr sozial und lieben die Mini abgöttisch. Ich bin der Meinung, dass es bei Hunden wirklich sehr darauf ankommt, wie sie sozialisiert wurden (und das übrigens auch schon beim Züchter) und wie man sie selbst erzieht. Die gerade erwähnte Sozialisierung im Welpenalter finde ich dabei fast wichtiger als die Erziehung hintenraus, denn wenn die Grundlage nicht stimmt, ist das mit der Erziehung um einiges schwieriger. Man baut schließlich ein Haus auch nur auf einem soliden Fundament. Bei Tierschutzhunden sollte man darauf achten, dass sie Kinder schon kennen. Dann kann auch das sehr gut funktionieren. Wir haben Tierschutzhunde, die schon an uns und viele Situationen mit uns gewöhnt waren, bevor das Baby kam, dadurch lief es auch ohne Babykenntnisse der Haustiere recht unproblematisch.

Der Alltag mit Hund und Katz

Die Sache mit der Erziehung ist bei Katzen … nennen wir es schwierig. Sie hat ein paar Orte, die für sie verboten sind: der Küchentisch, Arbeitsplatten und am Anfang auch das Babybett. Das ließ sich noch ganz gut umsetzen. Aber ansonsten macht unsere Hauskatze, was sie will. Das hat einen großen Vorteil: Gerade in der ersten Zeit mit Baby war die Katze super, denn sie ist pflegeleicht. Mietzi ist Freigängerin, ich muss also nicht mal ein Katzenklo sauber machen. In der Schwangerschaft sollten sich übrigens die Herren der Schöpfung ums Katzenklo kümmern, wenn der Toxoplasmose-Test der Schwangeren negativ war. Sind schon Antikörper vorhanden, ist auch das nur noch halb so wild.

Die Selbstständigkeit macht mich im Haushalt für alle flexibler. Davon profitieren auch die Haustiere. Denn ich arbeite von zu Hause aus und kann Gassi gehen, wenn ich Mittag mache, und nehme dann gleich alle mit. Wenn ich merke, dass hier die Stimmung kippt und alle irgendwie unausgelastet sind, können wir auch mal spontan an den Kanal fahren. Außerdem haben die Hunde so den ganzen Tag freien Zugang zum Garten. Das macht einiges aus. Man sollte allerdings die Gassigänge und auch das Spiel mit den Hunden als Geschenk und nicht als Pflicht sehen. Denn sonst wird die ganze Sache schnell anstrengend.

Nicht vergessen: Klare Regeln

Die Mini ist von Anfang an immer mit dabei gewesen. Wenn man dem Kind die Spielzeugangel in die Hand gibt, sind Kind und Katze gleichermaßen beschäftigt. Beim Spiel mit Hunden und Ball sollten Eltern allerdings aufpassen und ggf. auch mal Tempo rausnehmen. Denn wenn zwei 30-Kilo-Hunde sich in Rage gelaufen haben, dann zieht das Kleinkind schnell den Kürzeren und wird „umgewalzt“. Das verhindere ich, indem irgendwann einfach nicht mehr geworfen wird, sondern die Hunde sitzen bleiben müssen und die Mini gemeinsam mit mir den Ball im Garten versteckt. Dann wird aus einem schnellen Jagdspiel ein konzentriertes Suchspiel und die Gefahr ist geringer. Ausgelastet werden sollten die Hunde eh sowohl denk- als auch bewegungstechnisch. Zerrspiele mit einem Seil zum Beispiel sind hier tabu, seitdem ich wusste, dass die Mini unterwegs war. Denn ich möchte nicht, dass die Mini irgendwann durch den Garten gezogen wird, weil sie ein Seil aufgehoben hat. Regeln sind für beide Seiten da. Für die Mini sind die Hundekörbe zum Beispiel tabu. Die sind Rückzugsort für die Hunde. Da hat sie nichts zu suchen.

Hunde am Kinderwagen

Hunde am Kinderwagen

Generell hat man während der Schwangerschaft 7–9 Monate (je nachdem, wann man davon erfährt) Zeit, sich und auch die Tiere auf den neuen Erdenbewohner vorzubereiten. In diesen Monaten haben wir besonders an der Leinenführigkeit gearbeitet, damit die Mini uns später beim Gassigehen begleiten kann – außerdem Zerrspiele verboten und Abbruchsignale gefestigt. Die Katze haben wir an alle möglichen Geräusche gewöhnt und siehe da: Es klappt meistens für alle ganz entspannt.

Wichtig: Hilfe suchen und annehmen

In Stoßzeiten sollte man sich nicht davor scheuen, Hilfe zu suchen und auch anzunehmen. Ich habe das Glück, dass die Schwiegereltern die Mini auch mal nehmen, wenn ich mit den Hunden aufs Wasser will oder hier beruflich viel los ist. Im Nachhinein hätte ich mir einen wirklich guten Staubsaugerroboter schon gewünscht, als die Mini im Krabbelalter war (Tierhaare und Krabbelbaby haben mich an den Rand des Wahnsinns getrieben) … und auch eine Haushaltshilfe, ein Gassiservice oder eine Putzkraft ist keine Schande. Das gilt übrigens auch für Mamis ohne Selbstständigkeit und ohne Haustiere. 😉

Gassi mit Kind

Gassi mit Kind

 Zur Autorin: Jenny Bornholdt hat eine 1,5 Jahre alte Tochter, zwei syrische Pflegesöhne, eine Katze – und sie nennt ihre beiden Dobermänner ihre Erstgeborenen. Sie schreibt einen Blog als Waumama, ist Mitgründerin eines Windelshops, berät Mamas zu Stoffwindeln und veröffentlicht allerhand Erfahrungen, Tipps und Tricks zu Hunden, Kindern, dem Alltag in Alleinlage und dem Chaos mit Kind und Haustieren. Ab und an schreibt sie auch noch den ein oder anderen Auftrags-SEO-Text für eine Agentur, bei der sie früher angestellt war. Wie das mit Haustieren und Baby/Kleinkind so klappt, wenn man selbstständig ist, was man beachten muss und welche Probleme auftreten, hat sie alles erst in der Praxis gelernt.

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