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Interview: Buchveröffentlichung im Eigenverlag

Neues Jahr, neue Idee: Ab sofort wird es auf meinem Blog ab und an Interviews mit Menschen geben, die mich beeindruckt haben. Heute erzählt euch die Autorin Astrid Rußmann etwas über ihr neues Buch, über Ängste vor und Probleme mit Lektoren sowie über Self-Publishing und Marketing fürs eigene Buch. Viel Spaß!

Astrid, ist das dein erstes veröffentlichtes Buch? Wann sind die Geschichten entstanden und wie lange hat die Überarbeitung gedauert?

Klios Archive“ ist nicht meine erste Veröffentlichung. Ich habe 2007 schon einmal einen Historischen Roman bei BoD veröffentlicht, der aber inzwischen nicht mehr auf dem Markt ist. Die 14 Geschichten aus „Klios Archiven“ sind danach entstanden, in der Erstversion irgendwann in den Jahren 2010 bis 2013, würde ich sagen. Ich kann das nur schätzen, weil ich laufend neue Geschichten schreibe und im einzelnen nicht mehr weiß, wann welche genau entstanden ist. Die jetzt veröffentlichten Versionen sind allerdings gerade ein paar Wochen alt. Letzter Lektoratsdurchgang war im Dezember 2015.

Was hat dich dazu bewegt, deine Kurzgeschichten selbst zu veröffentlichen?

Da gibt es viele Gründe: Ich habe durchaus einige erfolglose Versuche hinter mir, auf herkömmlichem Weg einen Verlag zu finden. Keine Chance! Ich bin ein Niemand, und Kurzgeschichten sind ein Sujet, das bei Verlagen nicht gern gesehen ist. Und ich habe auch zweimal die Erfahrung gemacht, daß Verlage, von denen ich bereits eine Zusage hatte, erst alles endlos in die Länge gezogen haben und dann plötzlich abgesprungen sind, als es ernst werden sollte. Kein schöner Stil. Aber ich will die Schuld nicht allein den Verlagen zuschieben. Vielleicht war, was ich angeboten habe, auch nicht gut genug. Darüber hinaus bin ich inzwischen so weit zu glauben, daß der Selbstverlag durchaus seine Vorteile hat. Der größte: Man ist Herr über sein eigenes Buch. Einem sog. Self-Publisher kann niemand reinreden, wie lange sein Buch im Handel erhältlich bleibt, was es kosten soll und wann es Zeit für den Nachfolger wird. Es gibt keinerlei Druck, es sei denn, man macht ihn sich selbst. Aber es gibt auch Nachteile, die man nicht unterschätzen sollte. Man darf nämlich nicht nur alles selbst machen und entscheiden, man muß es. Was z. B. rechtliche Fragen angeht, da steht man völlig allein da. Und man wird mit vielen rechtlichen Problemen konfrontiert, von denen man vorher nicht einmal wußte, daß es sie gibt: Muß ich Pflichtexemplare an Landesbibliotheken abliefern? Muß ein Impressum ins Buch, und wie muß es aussehen? Welche Bilder, Töne, Musik, Zitate darf ich für Werbezwecke oder im Buch verwenden? Zu all dem gibt es inzwischen Hilfen, Dienstleister jeder Art, aber man muß sich selbst darüber klar werden, welche Hilfe man überhaupt braucht und wo man sie finden kann.

Wie hast du dich auf die Veröffentlichung vorbereitet? Welche Werbemaßnahmen hast du ausprobiert?

Ich habe mir schlicht und einfach zwei, drei Handbücher für Selbstverleger besorgt, bin im Internet auf einschlägigen Seiten unterwegs und habe auch Kontakt zu verschiedenen Facebook-Gruppen, die sich mit Marketing für Autoren beschäftigen. Aber wirklich vorbereitet, so mit Marketing-Plan und allem Drum und Dran, war ich eigentlich nicht. Im Grunde bin ich immer noch am Experimentieren und Ausprobieren, was geht und was nicht geht. Learning by doing. Was mir aber besonders viel Spaß gemacht hat, war, mir einen Buchtrailer zu basteln. Den habe ich jetzt bei YouTube und auf meiner Autorenseite bei Amazon reingestellt, und er läuft auch auf einer Seite, die sich darauf spezialisiert hat, Bücher mittels Leseproben vorzustellen. Ich suche noch nach weiteren Möglichkeiten, ihn unters Lesevolk zu bringen. Mal sehen, ob ich erfolgreich bin.

Ich drück dir die Daumen. Ist es schwierig, so einen Trailer herzustellen?

Einen Oscar kriegt mein Trailer sicher nicht. Es gibt da Profis, die das auf jeden Fall besser können als ich. Aber ich finde, für die einfachen Mittel, die mir zur Verfügung standen, ist er ganz ordentlich geworden. Ich habe ihn mit dem Movie Maker von Windows gemacht. Die Bilder, die ich verwende, sind alle gemeinfrei. Ein Glücksgriff, wie ich finde, war die erdige und ein bißchen mystisch angehauchte Musik, die ich in einer Sound-Datenbank gefunden habe. Ich mußte da natürlich aufpassen, daß ich die Creative-Commons-Lizenz beachte, unter der das Stück verwendet werden darf. Das hat mich am meisten Nerven gekostet. Das Technische bekam ich mit ein bißchen Rumprobieren bald heraus. Du siehst: Das Rechtliche ist oftmals schwieriger als das Technische.

Für diejenigen, die gerade zum ersten Mal von deinem Buch hören: Worum gehts?

„Klios Archive“ sind fiktive historische Kurzgeschichten; wenn man so will: eine kleine und – wie ich hoffe – unterhaltsame Reise durch Zeit, Raum und Weltgeschichte. Es kommen jede Menge illustre Persönlichkeiten darin vor: Heinrich Heine, Abraham Lincoln, Walther von der Vogelweide, der Apostel Paulus … Sie sind durchaus nicht nur für Geschichtsfreaks gedacht, sondern gerade für Leute, denen der Unterricht in der Schule jegliches Interesse an Historischem ausgetrieben hat. Ich hoffe, auch diesen Menschen klarzumachen: Siehst du? Sooo staubtrocken, wie du immer geglaubt hast, ist Geschichte eigentlich gar nicht. Und wenn dem Leser bei der ein oder anderen Story noch ein kleines „Aha“ entfleucht, dann bin ich zufrieden.

KliosArchive14GeschichtenmitKlarnamen

Klios Archive

 

Als ich zum ersten Mal einen Blick auf eine deiner Geschichten warf, habe ich mich gefragt, was ich daran eigentlich ändern soll, denn in der Rechtschreibung bist du so firm wie kaum eine andere Autorin, die ich kenne. Warum hast du dich trotzdem für ein Lektorat entschieden?

Die Rechtschreibung ist ja nur ein Aspekt, zwar wichtig, vor allem für eine Perfektionistin wie mich, aber eben nicht alles. Als Autor ist man seinem eigenen Text gegenüber betriebsblind. Man ist so mit ihm verwoben, daß man seine Schwachstellen einfach nicht findet. Da kann man noch so suchen! Irgendjemand muß von draußen draufschauen und die Unstimmigkeiten hervorholen: stilistische Platitüden, Wiederholungen, fehlender Spannungsbogen, inhaltliche Widersprüche, Grammatikfehler, unverständliche Passagen … Die Liste ist endlos. Das kann der Autor selbst nur sehr bedingt leisten. Es hilft immer schon ein bißchen, wenn man jemanden im Bekanntenkreis findet, der ein gutes Auge hat. Aber die eigenen Freunde, selbst wenn sie Schwachstellen finden, trauen sich oftmals nicht, Tacheles mit dem Autor zu reden. Der könnte ja beleidigt sein. (Was viele auch tatsächlich sind.) Also muß jemand her, dem es egal ist, ob er mit seiner Kritik die Freundschaft des Autors aufs Spiel setzt oder nicht: jemand außerhalb des privaten Umfelds und am besten ein Profi, der auch weiß, worauf er achten muß. Kurz und gut: Es bedarf eines Lektors.

Ich höre immer mal wieder, dass Autoren Angst davor haben, dass der böse Lektor ihr Buch verschlimmbessert und am Ende gar nichts mehr von ihrem Werk übrig ist. Kannst du diese Angst verstehen und ging es dir ähnlich? Und: War die Angst begründet?

Natürlich kann ich diese Angst verstehen. Es ist mir sogar schon mal so ergangen, wenn auch im kleinen Rahmen: Mir hat vor ein paar Jahren der Lektor einer Anthologie, zu der ich eine meiner Geschichten beigesteuert habe, sämtliche „Abtönpartikel“ (also Wörter wie „eigentlich“, „doch“, „mal“) gestrichen. Ich weiß ja, daß ich dazu neige, diese Wörter inflationär einzusetzen, aber ab und zu braucht man sie „halt“, weil sie eine Aussage transportieren können, die es ohne sie nicht gäbe. Da habe ich dem Lektor dann klargemacht, daß es so nicht geht. Allerdings gab es für die Veröffentlichung in der Anthologie auch kein Honorar für mich. Dazu kam, daß es sich um einen unbedeutenden Verlag handelte. Fragt sich, ob ich so strikt auch reagiert hätte, wenn es um die Veröffentlichung von „Klios Archiven“ als Ganzem bei einem marktmächtigen Publikumsverlag gegangen wäre. Wahrscheinlich nicht! Ein Vorteil mehr also, der im Self-Publishing liegt. Darum hatte ich auch keine Angst vor der Zusammenarbeit mit dir. Ich wußte ja: Als Auftraggeberin würde ich das letzte Wort haben. Dennoch war mir klar, daß ich auch hierbei natürlich Maß und Mitte würde wahren müssen. Warum auch hätte ich deine Dienste als Lektorin bezahlen und dann alle deine Änderungsvorschläge ablehnen sollen? Wäre ja Quatsch gewesen. Ein Autor muß die Kritik auch eines wirklich fähigen Lektors zwar nicht immer akzeptieren. Er sollte sie aber immer ernst nehmen, immer gut durchdenken und die Sache gegebenenfalls mit ihm besprechen. Das hat zwischen uns beiden doch hervorragend geklappt, und ich glaube, es hat beide Seiten weitergebracht. Meine Geschichten haben auf jeden Fall vom Lektorat profitiert. Und noch eines: Kritikfähig muß man natürlich sein, wenn man einen Lektor engagiert. Beleidigt sein ist nicht, solange Kritik sachlich und inhaltlich begründet vorgetragen wird!

Dein E-Book ist seit Anfang des Jahres käuflich. Wie fühlst du dich damit und was sind deine weiteren Pläne?

Ich fühle mich immer noch ein bißchen so, als hätte Gerard Butler mich zum Rendezvous gebeten. Der Vorgang des Veröffentlichens an sich ist fast so spannend wie das Schreiben. Es ist nicht nur ein bißchen Stolz dabei, daß ich es überhaupt hingekriegt habe, es macht auch unglaublich viel Spaß, auszutarieren, was ich nun noch machen kann. Einen Trailer habe ich schon gebastelt; zur Zeit versuche ich, die Lesung einer der „Klio“-Geschichten aufzuzeichnen – mit Intro und Geräuschkulisse aus Krähengekrächze, rauschendem Wasser usw. Natürlich muß ich jetzt erst mal in den Marketing-Fragen firm werden, und dann irgendwann setze ich mich wieder hin und arbeite an den nächsten 14 Geschichten von „Klios Archiven“. Es soll daraus ein Reihe entstehen, und ich hoffe, mir in nicht allzu ferner Zukunft so was wie eine kleine Fangemeinde aufzubauen, die immer wieder Lust auf neue historische Miniaturen hat.

Wann wird es „Klios Archive“ als Print-Version geben?

Kann ich noch nicht sagen. Mir macht die Buchsatz-Problematik ein bißchen zu schaffen, und ein Taschenbuch-Cover zu entwerfen ist sicher auch nicht so einfach. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Hürden zu umgehen, die dann aber auch wieder eine finanzielle Investition erfordern. Es soll aber auf jeden Fall ein richtiges Buch geben. Ich will „Klios Archive“ schon bei mir im Schrank stehen haben. Und öffentliche Lesungen ohne Verkaufsexemplare sind auch nicht so ganz das Wahre. Aber Tatsache ist auch: Das gedruckte Buch eines unbekannten Autors wird es kaum in die Buchhandlung um die Ecke schaffen, ergo: Es wird nicht gesehen und darum auch nicht gekauft. Das E-Book eines unbekannten Autors ist leichter zu verkaufen, weil die Internetwelt ihm mehr Möglichkeiten bietet, es sichtbar zu machen. Deshalb ist das E-Book der wichtigere Part. Dennoch: Sobald ich den „Stein der Weisen“ gefunden habe, kommt der Druck. Das geht ja im Grunde ebenso von heute auf morgen wie die Veröffentlichung des E-Books.

Was ist deine Botschaft an andere Autoren, die über das Self-Publishing nachdenken?

Zunächst mal das, was auch früher schon gegolten hat, als man für die Veröffentlichung noch die Hilfe eines Verlags brauchte: Sorgt für ein ordentliches Manuskript. Orthographische und sprachliche Fehler sind eine ganz schlechte Visitenkarte. Wenn ihr damit Schwierigkeiten habt, dann sucht euch unbedingt jemanden, der zumindest darin firm ist. Wenn es euch nicht gerade finanziell ruiniert, dann sucht euch für Stil und Inhalt am besten auch noch einen Lektor. In jeder Phase der Veröffentlichung gilt: Seht euch um im Netz. Dort gibt es jede Menge Rat für Self-Publisher. Aber schaltet dabei das Hirn nicht aus. Es gibt auch dort wie überall, wo sich ein Trend auftut, mit dem man Geld verdienen kann, Abzocker. Einen Königsweg zum Bestseller-Autor gibt es sowieso nicht. Wenn ihr einen Job habt: Bitte nicht gleich kündigen. Vielleicht könnt ihr ihn in Zukunft noch mal brauchen, nämlich dann, wenn die Verkaufszahlen trotz aller Mühen nicht aus dem Keller kommen. Und bitte nicht zu dünnhäutig sein. Wer veröffentlicht, der muß damit rechnen, daß er seine geistigen Ergüsse auch um die Ohren gehauen kriegt, auch wenn er sich selbst für den neuen Thomas Mann hält – und sogar, wenn er der tatsächlich wäre.

Astrid, ganz herzlichen Dank für dieses spannende Interview!

Im Dezember habe ich übrigens auch selbst was über das Schreiben geschrieben. Meinen Beitrag im Rahmen der Texttreff-Blogwichtelaktion findet ihr auf dem Blog von Petra A. Bauer.

 

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Spannend, sehr spannend! Vielleicht sollte ich doch noch mal drüber nachdenken, meine tierischen Kurzgeschichten noch mal in Angriff zu nehmen. Viel Glück der Autorin!

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  2. Sehr schöne Kurzgeschichtenidee, mit der ich auch schon immer mal geliebäugelt habe…ich werde lesen, Grüße von Nessa

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