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Māori-Musik: Mitten ins Herz …

Gerade aus dem Winterurlaub zurück, fand ich ein wunderbares Geschenk in meinem E-Mail-Postfach. Bloggerin Annette Lindstädt hat mich nämlich beschenkt – mit einem wunderbaren Gastbeitrag im Rahmen der Texttreff-Blogwichtelaktion 2014. Es geht sogar um zwei meiner Lieblingsthemen: Musik und Sprache. Aber lest selbst:

… voll rein gingen sie mir, die Gesänge. Bei unserer Neuseeland-Auszeit 2013 hörte ich die Musik der neuseeländischen Ureinwohner zum ersten Mal bewusst, bei einer Vorführung im Whakarewarewa Thermal Village in Rotorua. Natürlich war das eine etwas touristische Angelegenheit, und wie authentisch sie war, das kann ich nicht beurteilen. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass es für durchschnittliche Reisende eher schwierig sein dürfte, einfach mal so eben Kontakt zu Māori zu bekommen und dann auch noch was über ihre Musik und Kultur zu lernen, nehme ich doch zuweilen gern mit den häufig als „touristisch“ geschmähten Angeboten vorlieb. Zunächst aber eine Begriffsklärung:

Māori – das Volk

Die Māori (sprich: Māo:ri, also mit Betonung auf der ersten Silbe und nicht, wie häufig angenommen, auf dem „o“ – dieses wird unbetont halb verschluckt) gelten als die Ureinwohner Neuseelands. In der Tat sind aber auch sie Einwanderer auf der bis dahin unbewohnten Insel gewesen: Um 1300 kamen Vorfahren der Māori mit Kanus von polynesischen Inseln über den Pazifik. Sie siedelten sich zunächst hauptsächlich an den Küsten Neuseelands an und lebten von der Jagd auf Robben, Wale und Moas, großen straußenähnlichen Laufvögeln, die inzwischen ausgestorben sind.

Das Māori-Dorf Whakarewarewa bei Rotorua

Das Māori-Dorf Whakarewarewa bei Rotorua

Als sich im späten 18. Jahrhundert die ersten Europäer in Neuseeland ansiedelten, veränderte sich das Leben der Māori naturgemäß. Viele wurden Christen, sie lernten lesen und begannen mit Waren und Agrarprodukten zu handeln. 1840 schlossen sie mit den Pakēha, wie sie die europäischen Einwanderer nannten, den Vertrag von Waitangi über die Verteilung des Landes. Trotzdem gab es in der Folge immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen, in deren Verlauf die Māori viel Land und Einfluss verloren und zurückgedrängt wurden. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts gewannen Kultur und Sprache der Māori einiges davon zurück, heute sind von den etwa viereinhalb Millionen Einwohnern Neuseelands rund eine halbe Million Māori.

Māori – die Sprache

Seit 1987 ist Te reo Māori, wie die Sprache genannt wird, neben Englisch Amtssprache in Neuseeland. Seitdem gibt es Radiosender, die in Māori senden und seit 2004 einen Fernsehsender. Allerdings ergab eine Zählung im Jahr 2006, dass nur ein Viertel der Māori und vier Prozent der Gesamtbevölkerung die Sprache sprechen. Es gibt viele Bemühungen, sie zu fördern, z. B. wird sie an vielen Kindergärten und Schulen gelehrt. Māori ist eine polynesische Sprache und gehört zur Austronesischen Sprachfamilie. Als die ersten Europäer in Neuseeland landeten, mussten sie sie erlernen, um sich verständigen zu können. Bis dahin gab es keine schriftliche Sprache, diese wurde erst entwickelt und ab etwa 1820 standardisiert.

Māori – die Musik

Jetzt aber zur Musik, die mich so berührt hat. Das heißt – erstmal das, was im Ausland wohl noch am ehesten bekannt ist: der Haka, ein kämpferischer Tanz mit Sprechgesang, der früher von Kriegern gesungen wurde, bevor sie in den Kampf zogen bzw. um den Gegner einzuschüchtern. Er kommt mit lauten Rufen, rhythmischem Stampfen und gefährlich aussehenden Grimassen daher. Durch die neuseeländische Rugby-Mannschaft All Blacks wird er seit Jahren um die Welt getragen, da sie ihn vor jedem Spiel praktizieren. Schaut man sich die Erfolge der All Blacks an, scheint das mit der Einschüchterung zu funktionieren ; -). Hier habe ich ein schönes Beispiel gefunden, in dem in Untertiteln der Text übersetzt ist.

Poi-Tanz und -Gesang im Whakarewarewa Thermal Village

Poi-Tanz und -Gesang im Whakarewarewa Thermal Village

Im nächsten Video treffen die All Blacks einen Māori-König mit seinem Stamm, der zuerst einen Haka tanzt. Danach führen die All Blacks ihren typischen Haka auf. Man sieht hier gleich mehrere interessante Details – zum einen die traditionelle Kleidung und Tätowierung der Māori und die Umsetzung des Haka durch die All Blacks, was durch ihre Anzüge etwas seltsam wirkt. Etwa ab Minute 2.55 sieht man außerdem den Hongi, die typische Stirn-an-Stirn-Begrüßung. Und man bekommt durch die Interviews auch gleich ein Gefühl für das etwas spezielle Kiwi-Englisch. 😉

Abwechslungsreiche, harmonische Musik

Doch der Haka macht nur einen kleinen Teil der Musik aus – es gibt wunderschöne Liebeslieder und Balladen, Unterhaltungslieder und Trauergesänge. Der Wikipedia-Artikel erklärt die verschiedenen Formen übersichtlich. Häufig werden auch Rhythmuselemente benutzt, wie zum Beispiel die Pois, Bälle an Schnüren, wie man sie in diesem kurzen Video aus Whakarewarewa sieht.

Hier gibt es Noten, Hörbeispiele und eine umfangreiche Liste von Songs, von denen viele in der neuseeländischen Kultur präsent sind, wie zum Beispiel Pokarekare Ana oder E hine e hine und auch das bekannte Abschiedslied Po Atarau (Now is the Hour).

Und wer mal hören will, wie Māori gesprochen klingt, klicke dieses Video an, in dem über eine Māori-A-Cappella-Gruppe berichtet wird. Tipp: Unter dem Video können englische Untertitel angeschaltet werden. Die Jungs im Video singen übrigens das oben genannte Abschiedslied Po Atarau.

Ich habe schon das Gefühl, dass die Musik Teil der Alltagskultur ist und nicht nur für Touristen inszeniert wird. Ich habe auf youtube diverse Videos gefunden, in denen ganz normale Leute einfach abends im Wohnzimmer sitzen und mehrstimmig diese Gesänge anstimmen. So nebenbei und doch fürs Herz.

In Whakarewarewa werden die Toten aufgrund der thermischen Verhältnisse überirdisch beerdigt

In Whakarewarewa werden die Toten aufgrund der thermischen Verhältnisse überirdisch beerdigt

Im Kindergarten in Napier werden die Wochentage auf Māori gelernt

Im Kindergarten in Napier werden die Wochentage auf Māori gelernt

Annette Lindstädt bloggt auf www.rumreiserei.de über ihre Reisen nach nah und fern – Heidelberg, Neuseeland und dazwischen. Ihr Text- und Redaktionsbüro www.worthauerei.de nimmt sie notfalls einfach mit und arbeitet von unterwegs aus.

 

 

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: fremdgebloggt: maori-musik und mehr | rumreiserei

  2. Ich reise gerade durch Neuseeland, daher ist dieser Beitrag für mich total interessant! Einen Haka habe ich tatsächlich schon gesehen, ohne zu wissen, was es ist. Ganz schön beeindruckend…
    Textine Jutta Bissinger

    Antworten

  3. Pingback: Kann man ohne Leidenschaft texten? | textmission

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